Glasfaser vorerst ohne NetAachen

Von: Thorsten Pracht
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Achtung, Baustelle: Die Glasfaser liegt in vielen Kommunen bereits, da zieht sich einer der drei vorgesehenen Anbieter plötzlich aus dem Projekt zurück. Foto: Stock/EQ Images

Kreis Heinsberg. Als einer von drei Anbietern wollte NetAachen den Kreis Heinsberg mit ultraschnellem Internet versorgen und dabei das nagelneue Netz der Deutschen Glasfaser GmbH nutzen. Umso überraschter dürften die potenziellen Kunden sein, die in diesen Tagen einen Anruf des Unternehmens erhalten.

 „Um den Interessenten, die sich bei NetAachen für den neuen Glasfaseranschluss haben registrieren lassen, weitere Wartezeiten auf den schnellen Internetanschluss zu ersparen, haben wir uns dazu entschlossen, diesen Interessenten die Möglichkeit eines Wechsels anzubieten“, erklärt Thomas Schwabe, Sprecher von NetAachen. Denn der Telekommunikationsanbieter will seinen Kunden im Kreis Heinsberg ein eigenes Angebot machen und nicht das inhaltlich und preislich identische wie die anderen Provider NEW und Flink.

„Aktuell sind die Verhandlungen diesbezüglich noch nicht abgeschlossen“, sagt Schwabe. Mit anderen Worten: Wer zeitnah in den Genuss von schnellem Internet kommen will und sich eigentlich für NetAachen entschieden hatte, der sollte wechseln. Denn wann – und ob überhaupt – es doch noch zu einer Einigung zwischen Netzbetreiber und Provider kommen wird, steht in den Sternen.

Über das Netz der Deutschen Glasfaser sollten ursprünglich Dienste von NetAachen angeboten werden. „Gerade weil uns der Kreis Heinsberg wichtig ist, möchten wir unsere Interessenten nicht länger warten lassen. Auch wenn dies für uns bedeutet, einen Interessenten zu einem Wettbewerber wechseln zu lassen“, sagt Schwabe. Doch genau die Art und Weise, wie dieser Wechsel zu einem Wettbewerber den Menschen angeboten wird, sorgt bei zahlreichen Kunden für Verärgerung und Unverständnis.

Dabei war NetAachen von Anfang an gemeinsam mit den Anbietern Flink und NEW als Provider im Boot. So entschieden sich auch Alfons Nickels und Agnes Bruce, beide aus Geilenkirchen, für NetAachen als neuen Provider. „Es sollte ein regionaler Anbieter sein, also habe ich einen Vorvertrag mit NetAachen geschlossen“, berichtet Nickels. Agnes Bruce wurde von ihren Nachbarn in Prummern von NetAachen überzeugt. Heute wissen beide: Die Vereinbarung ist hinfällig. Wer auch immer sie mit schnellem Internet über die neuen Leitungen versorgen wird – NetAachen wird es nicht sein.

Anruf aus Aachen

In den kommenden Wochen wird der Startschuss für das neue Netz in den Wohnorten von Agnes Bruce und Alfons Nickels gegeben. Ausgerechnet jetzt haben sie wie viele andere Menschen aus dem Kreis Heinsberg einen Anruf von NetAachen erhalten. Ihnen wurde mitgeteilt, dass NetAachen vorerst doch nicht als Provider fungieren werde. Und beide wurden gefragt, ob man ihre Daten an NEW weiterleiten dürfe. Beide haben ihr Einverständnis zur Weitergabe der Daten nicht gegeben und um eine schriftliche Benachrichtigung gebeten.

Schwabe verteidigt die Vorgehensweise: „Wir möchten die Interessenten persönlich informieren und rufen sie daher an, um eventuell entstehende Fragen direkt beantworten zu können. Mit einem Schreiben wäre dies nicht möglich.“ Dennoch ist Nickels sauer. „Nach Abschluss der Vereinbarung passierte monatelang gar nichts. Als ich mich dann bei NetAachen meldete, teilte man mir mit, dass von mir keine Kundendaten vorlägen. Man bestritt sogar, dass ich einen Vorvertrag abgeschlossen hätte. Dabei habe ich das schriftlich“, erinnert er sich.

Kunden fühlen sich verkauft

Nickels und Bruce fühlen sich als Kunden „verkauft“. In der Tat sei es „üblich, dass eine geringe Bearbeitungspauschale bei der Übergabe berechnet wird“, bestätigt Schwabe. „Wir schlagen die NEW als Partner vor, da diese wie die NetAachen ein regionaler Anbieter ist, und geben die Daten an die NEW weiter, wenn die Kunden ihre Zustimmung gegeben haben.“ Darüber hinaus existiere eine Datenschutzvereinbarung. „Das ist Gaunertum“, ereifert sich Nickels.

Er will sich an die Regulierungsbehörde und die Datenschutzbeauftragte der Bundesregierung wenden. Agnes Bruce hat die Verbraucherzentrale eingeschaltet. „Man kann doch nicht Kunden anwerben, um sie dann wieder zu verkaufen“, sagt die 60-Jährige. „Ich finde es traurig, wie mit uns Verbrauchern umgegangen wird.“ Doch warum kommt es überhaupt zu diesem Schritt? Deutsche Glasfaser und NetAachen betonen, weiter an einer Zusammenarbeit interessiert zu sein.

NetAachen will dies jedoch unter anderen Vorzeichen als bisher, mit eigenen Produkten zu eigenen Konditionen. Damit würde das Unternehmen allerdings in Konkurrenz zu Flink treten. Für den Provider haben sich bisher rund 50 Prozent der Glasfaser-Interessenten entschieden. Flink wiederum ist eine Tochter der Deutschen Glasfaser. Dass die einem potenziellen Konkurrenten nicht ohne weiteres die Datenautobahn überlässt, versteht sich von selbst. Man darf gespannt auf den Ausgang der Verhandlungen sein.

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