Glanzstoff-Museum: Lange auf der Suche nach einem Konzept

Von: Rainer Herwartz
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Jakob Wöllenweber (links) und Josef Füßer möchten, dass bis Ende 2014 die Finanzierung für das neue Museum steht. Foto: Herwartz

Heinsberg-Oberbruch. Begeisterung für ein gemeinsames Ziel, Engagement und viele Gleichgesinnte, die an einem Strang ziehen wollen sind meist schon die halbe Miete für ein gelungenes Projekt. Doch leider nur die halbe. Das musste in den letzten Monaten auch der neu gegründete Förderverein Industriepark Oberbruch erkennen, der mit Blick auf glorreiche Glanzstofftage ein Industriemuseum am Standort entstehen lassen möchte.

„Wir haben die letzten Monate damit verbracht, dass sich der Vorstand gefunden hat“, sagt der stellvertretende Vorsitzende Josef Füßer. „Die Mitglieder des Vorstandes verbindet nämlich neben der Idee zur Gründung des Glanzstoff-Museums, dass niemand Ahnung davon hat, wie es richtig funktioniert.“ Diese Erkenntnis hatte sich im Laufe der Zeit immer mehr herauskristallisiert.

Der achtköpfige Vorstand setze sich aus drei unterschiedlichen Typen zusammen, erklärt Füßer und lacht. „Die Praktiker haben schon den Werkzeugkasten dabei und wollen gleich loslegen, die Theoretiker sagen, solange wir kein Konzept haben, fangen wir nicht an, und die Abwartenden meinen, lass uns mal ‘ne Nacht drüber schlafen.“ Vereinsvorsitzender Jakob Wöllenweber sei es denn gewesen, der schließlich im übertragenen Sinne die „Reset-Taste“ gedrückt habe.

Dies verbunden mit einem aufschlussreichen Gespräch mit der Leiterin des Dürener Leopold-Hoesch-Museums, Dr. Renate Goldmann, habe quasi ein Licht am Ende des Tunnels aufleuchten lassen. Mit den Experten Engels & Faridi aus Köln, die sich auf Unternehmens- und technikhistorische Beratung verstehen, war dann auch schnell das passende Unternehmen gefunden, um eine nachhaltige Planung anzugehen. „Sie haben im Rahmen eines Workshops die Richtung vorgegeben“, sagt Füßer. Am Ende steht nun ein 27-seitiges Konzeptpapier für den Aufbau des Museums in Oberbruch.

„Das Museum richtet sich besonders an Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene zwischen zehn und 20 Jahren“, erläutert Wöllenweber. „Dieser Hauptzielgruppe, die im Kreis Heinsberg etwa 30.000 Personen umfasst, sollen über die Ausstellung und altersgerechte museumspädagogische Angebote umfassende Kenntnisse über die Geschichte ihrer Heimat und die dort lebenden Menschen vermittelt werden.“

Das Museum müsse medial und interaktiv sein. Und die Exponate nicht nach Jahren, sondern nach Themen zusammengefasst werden, wenn das Museum für diese Zielgruppe attraktiv sein solle. Für die älteren Semester sei dies wohl ohnehin gegeben, ist Wöllenweber zuversichtlich.

„Die erste Hürde, die ein Verein zu nehmen hat, der erst ein halbes Jahr besteht – er hat kein Geld“, beschreibt Füßer die nicht leichte Ausgangsposition. Zum Glück hätten sich jedoch die Kreissparkasse, die Raiffeisenbank Heinsberg und Alliander bereiterklärt, zu je einem Drittel für die Anschubfinanzierung zu sorgen.

Letztlich hänge der Bau des Museums von zwei Faktoren ab: einer soliden Finanzierung und das Museum müsse von allen leicht zugänglich sein. Ob es deshalb das bislang im Industriepark ins Auge gefasste Gebäude wird, steht noch nicht fest.

Die spätere Präsentation, die derzeit unter dem Arbeitstitel „Glanzzeiten – Die Ausstellung“ zusammengefasst wurde, umschließt die Themenbereiche Menschen, Kultur, Oberbruch und Heinsberg, Arbeit, Umwelt und Infrastruktur sowie Innovationen. Und alles wird durchzogen von dem dominierenden Thema Glanzstoff in Oberbruch.

„Jetzt, da wir das Konzept haben, sind wir dabei, ein Netzwerk zu knüpfen. Im Mittelpunkt stehen die Menschen und nicht die Hardware“, sagt Wöllenweber. „Der erste Schritt wird die professionelle Erfassung der Bestände sein. Dazu wird eine Datenbank errichtet, in der der komplette Sammlungsbestand archiviert wird.“ Eine Menge Arbeit, denn allein etwa 10.000 Fotos müssen erfasst werden.

„Daneben ist ein weiterer Schwerpunkt die Anreicherung des Depotbestandes durch historische Dokumente, die sich nach unserem Wissensstand im Rheinisch-Westfälischen Wirtschaftsarchiv befinden. Dazu könnte auch die Gründungsurkunde von Glanzstoff gehören.“

Nun soll erst einmal ein Businessplan aufgestellt werden, der die Gründungskosten und die laufenden Kosten des Museums beinhaltet, ebenso wie das Raumkonzept. „Bis Ende 2014 sollen der Rahmen und die Finanzierung stehen“, hofft Wöllenweber. Dann könnte aus dem Konzept Wirklichkeit werden.

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