Gitarre und Streicher bieten faszinierende musikalische Kombination

Von: Anna Petra Thomas
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Perfektes Konzert: In Haus Hall stellten die Deutsche Streicherphilharmonie und Gitarrist Marko Topchiy ihre brillanten Fähigkeiten unter Beweis. Foto: Anna Petra Thomas
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Perfektes Konzert: In Haus Hall stellten die Deutsche Streicherphilharmonie und Gitarrist Marko Topchiy ihre brillanten Fähigkeiten unter Beweis. Foto: Anna Petra Thomas

Hückelhoven. Die letzten Klänge einer vollgefüllten Konzert- und Wettbewerbswoche hatten die Fans des internationalen Heinsberger Gitarrenfestivals noch im Ohr, da stand schon ein neues Highlight im Festivalkalender. In Haus Hall in Ratheim war die Deutsche Streicherphilharmonie (DSP) zu Gast – und dazu der Solist Marko Topchiy, Gewinner des Gitarrenwettbewerbs 2009.

Er freue sich riesig, mit dem Festival zum ersten Mal an einen solch außergewöhnlichen Ort zu kommen, erklärte Festivaldirektor Theo Krings in seiner Begrüßung unter dem Dach des ehemaligen Kuhstalls von Haus Hall. Sein Dank ging an die Familie Spiess von Büllesheim, aber auch an die Städte Hückelhoven und Heinsberg, die bei der Vorbereitung der Veranstaltung hervorragend zusammengearbeitet hätten. „Das zeigt, dass viele Sachen funktionieren können, wenn man zusammenhält“, so Krings.

Mit absoluter Hingabe

„Wir finden das toll, hier die ersten zu sein mit einem solch festlichen Konzert“, betonte Dirigent Wolfgang Hentrich. „Wir werden versuchen, die Kulturscheune hier zum Klingen zu bringen!“ Und er schaffte mehr als nur das. Die sichtbare Spielfreude der jungen Musiker entspann sich nicht nur zu einem Bogen zu einem überaus zufrieden wirkenden Dirigenten, sondern sprang vom ersten Ton an auch auf das Publikum über, das die vorbereiteten Stuhlreihen leider nicht ganz füllte.

Von der jüngsten Violinistin, gerade einmal elf Jahre alt, bis zum Konzertmeister, der gerade sein Studium begonnen hat, vereint die DSP alle jungen, hochtalentierten Streicher aus ganz Deutschland in ihren Reihen. Können, aber auch ihre absolute Hingabe an die Musik bewiesen die jungen Musiker schon mit ihrem ersten Stück, dem „Andante festivo“ von Jean Sibelius. Dies sei das letzte Werk, das der Komponist selbst dirigiert habe, der im Übrigen in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag feiern würde, erklärte Hentrich.

Es folgte, so der Dirigent weiter, mit „Orawa“ das „Kultstück“ der DSP. Aus der Feder des erst vor zwei Jahren gestorbenen polnischen Komponisten Wojchiech Kilar, für die Filmmusik zu „Piano“ mit einem Oscar ausgezeichnet, beschreibe es die raue Landschaft der hohen Tatra in Polen und gehe dabei von den Volksweisen der dort lebenden Menschen aus.

Dass eine einzelne klassische Gitarre, wenn auch akustisch leicht verstärkt, in einem Orchester ihre große Rolle spielen kann, bewies dann der Solist Marko Topchiy im „Concierto Mudéjar“ des 1933 geborenen spanischen Komponisten Anton Garcia Abril. Vor allem in Topchiys Solopassagen wurden darin viele spanische Akzente deutlich.

Ohne Zugabe ließ ihn das begeisterte Publikum nicht gehen. Marko Topchiy verabschiedete sich mit einem Stück aus den Bildern einer Ausstellung von Modest Mussorgski und den „Recuerdos de la Alhambra“ von Francisco Tarrega, die während der Konzertwoche auch in Heinsberg schon zu hören waren.

Nach einer Pause begeisterte die Streicherphilharmonie mit einem eher unbekannten Stück von Max Bruch (1838-1920), der „Serenade nach schwedischen Volksmelodien“. Den offiziellen Schlusspunkt bildete die Holberg-Suite des norwegischen Komponisten Edvard Grieg (1843-1907). „Barockmusik, wie man sie sich in romantischer Zeit vorgestellt hat“, erklärte Hentrich in seiner bis zum Konzertende immer ausführlichen, interessanten Einführung in die jeweiligen Werke.

Nicht ohne Zugabe

Natürlich kam auch das Orchester nicht ohne Zugabe von der Bühne. Beim Sommer aus Antonio Vivaldis „Vier Jahreszeiten“, bei dem auch Hentrich nach einem eindrucksvollen, kurzen Solo auch selbst mitspielte, waren der Streicherphilharmonie schon Ovationen sicher. Und die erhielten die jungen Musiker auch bei ihrem Auszug, nachdem sie ihr Publikum mit einem weiteren Stück von Sibelius restlos begeistert hatten.

„Wir würden uns freuen, wenn wir wieder einmal hier zu Gast sein dürften“, hatte Hentrich vor dem Auszug schon dem Publikum erklärt. „Ich hätte das hier so gar nicht erwartet“, sagte er nach dem Konzert vor dem „Kuhstall“ mit Blick auf Haus Hall. Er fühle sich da eher versetzt ins Schleswig-Holstein-Musikfestival oder in die Musikfestspiele Mecklenburg-Vorpommerns, formulierte er seine Würdigung für seinen Besuch beim internationalen Heinsberger Gitarrenfestival.

„Und wann hört man mal solch ein Gitarrenkonzert“, erinnerte er sich an das gelungene Zusammenspiel mit Topchiy. „Dieses Konzert möchte ich jetzt öfters spielen!“

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