Hückelhoven/Wassenberg - Gigantische Maße, 800 Stellen: Jago will Logistikzentrum bauen

Gigantische Maße, 800 Stellen: Jago will Logistikzentrum bauen

Von: Daniel Gerhards
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So soll das Logistikzentrum einmal aussehen: Ein Projektentwickler baut im Industriepark Rurtal ein riesiges Gebäude für den Online-Händler Jago. Grafik: Panattoni Europe

Hückelhoven/Wassenberg. Die Zahlen sind gigantisch: 800 neue Arbeitsplätze sollen im interkommunalen Industriepark Rurtal auf einem 200.000 Quadratmeter großen Gelände in einem Gebäude mit 120.000 Quadratmetern Lager- und Logistikfläche entstehen. Die Dimensionen werden noch deutlicher, wenn man sich vor Augen führt, dass die ehemalige Zechenfläche zwischen Ratheim und Wassenberg so groß ist wie 20 große Fußballfelder.

Ebenso riesig wie das Gelände ist auch die Investitionssumme: Sie liegt im „hohen zweistelligen Millionenbereich“. Genauere Zahlen gibt der Projektentwickler nicht preis.

Hückelhovens Bürgermeister Bernd Jansen strahlt über das ganze Gesicht, wenn er diese Zahlen vorträgt. Dass der Online-Händler Jago sein Verteilzentrum in Hückelhoven baut, wertet den Logistikstandort auf. In Baal betreibt QVC bereits ein Distributionszentrum mit rund 1200 Mitarbeitern. Dort firmieren auch die Paketdienste Hermes und DPD.

Das Gebäude, in dem Jago seine Waren aus den Sparten Heim und Garden, Heimwerken, Freizeit, Fitness, Tierbedarf und Spielzeug lagern und vertreiben will, soll 505 Meter lang, 240 Meter breit und 12,40 Meter hoch werden. Es sind Andockmöglichkeiten für bis zu 120 Lkw geplant, zusätzlich werden 400 Auto- und 100 Lkw-Park- und Wende-Plätze gebaut.

Neben der Kohlenwäsche

Das Gelände neben der ehemaligen Kohlenwäsche, auf dem ab Montag gebaut werden soll, gehörte einst zur Zeche Sophia-Jacoba, zuletzt gehörte es zu etwa gleichen Teilen der Stadt Hückelhoven und der Heinrich Schäfermeyer GmbH, einer Tochter des EBV. Somit sei das Projekt auch „ein Stück gelebter Strukturwandel“, sagt Peter Ponthöfer von der Schäfermann GmbH. 10.000 Quadratmeter der Fläche liegen auf Wassenberger Gebiet, der Rest gehört zur Stadt Hückelhoven.

Was Jago macht, ist schnell erklärt: Das Unternehmen verkauft waren über das Internet. In ihrem eigenen Online-Shop und bei anderen Anbietern, wie zum Beispiel Amazon, bietet es Produkte an. Jago verkauft nur Waren ihrer Eigenmarken, die vorwiegend in Asien produziert werden. Von dort werden sie in Containern angeschifft. An dieser Stelle kommt der neue Standort in Hückelhoven ins Spiel: Die Waren werden dorthin gebracht, gelagert und nach Bestellung weiterverschickt.

Bisher liefert der Onlineshop von den fünf Lagerstandorten Eschwege, Dassel, Mühlheim, Hilden und Gittelde etwa fünf Millionen Pakete jährlich an seine Kunden. Der Standort Hückelhoven kommt nun hinzu, weil das Unternehmen Zeit sparen will. Die Waren kommen schnell vom etwa 30 Kilometer entfernten Containerhafen in Born in den Niederlanden, der über eine Anbindung an die Häfen Rotterdam und Antwerpen verfügt, an den Hückelhovener Standort. Und von dort zügig wieder zu den Kunden – zum Beispiel in NRW und Großbritannien. Das spart einige Stunden – und die können im Online-Handel entscheidend sein. „Wenn man heute um 15 Uhr eines unserer 7000 Produkte bestellt, geht es noch am selben Tag raus und ist am Tag darauf bei den Kunden zu Hause“, sagt Jago-Vorstand Goran Jakovac.

Wichtig für das Unternehmen und die Anwohner in Ratheim und Millich ist der Neubau der L117 n. Die Straße, die die Anfahrt an die A46 erleichtert, soll die beiden Orte vom Durchgangsverkehr entlasten. Bürgermeister Jansen kündigt an, dass der Spatenstich für die Straße für November geplant ist. Drei Jahre könne es dauern, bis die L117 n fertig ist. Das bedeutet, dass der Verkehr in Ratheim und Millich erst einmal zunehmen wird. Denn der erste von vier Bauabschnitten soll bereits im März des kommenden Jahres fertig sein, sagt Fred-Markus Bohne von Panattoni Europe. Dann soll Jago bereits 40.000 Quadratmeter Logistikfläche nutzen können. Dafür müssen die Lkw rollen.

Im August 2017 soll dann der vierte und letzte Bauabschnitt fertig sein, sagt Bohne. Sein Unternehmen baut die riesige Halle und wird sie später an die Jago AG vermieten. Panattoni ist auf Logistikimmobilien spezialisiert. Man baue solche „Schuhkartons“, wie Bohne die meist einfach und funktional gestalteten Gebäude nennt, in beinahe jeder Größe.

100 Millionen Umsatz

Goran Jakovacs Jago AG wächst mit dem Hückelhovener Standort deutlich. Derzeit verfügt das Unternehmen über 110.000 Quadratmeter Logistikfläche, hat 500 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von zuletzt mehr als 100 Millionen Euro. Dabei hat Jakovac ganz klein angefangen. Seine Eltern sind Einwanderer, er ist Arbeiterkind. Er ist im Harz aufgewachsen, machte dort sein Abitur. Nach der Kaufmännischen Lehre wollte er „was schaffen“ und gründete den Versandhandel. Am Anfang packte er selber Pakete und brachte sie zur Post. Das ist lange vorbei.

Heute, nur rund zehn Jahre später, fällt Jakovac Standortentscheidungen für seine Aktiengesellschaft mit Hauptsitz in Stuttgart. Und dabei hat er sich für Hückelhoven entschieden – nicht für Duisburg oder Venlo. Der Kontakt sei über die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Kreises zustande gekommen. Die lieferte die nötigen Argumente: dynamische Entwicklung in Sachen Arbeitsplätze und Investitionen, kurze Wege zu den Seehäfen, gute Anbindung ans Straßennetz. Das hat überzeugt.

Bernd Jansen hofft, dass die Ansiedlung dem Industriepark Rurtal einen Schub versetzt: „Damit ist die Leuchtturmansiedlung im Industriepark Rurtal gefunden. Nach unseren Erfahrungen im Gewerbegebiet Baal-Doveren wird dies auch positiven Einfluss auf die Vermarktung der restlichen Gewerbeflächen im Industriepark nehmen“, sagt er.

Amtskollege Manfred Winkens aus Wassenberg sieht darin ein gutes Beispiel für die interkommunale Zusammenarbeit und ist überzeugt, dass der Hückelhovener Jago-Standort die gesamte Region aufwertet. 

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