Gesetz sorgt für Diskussion: Radfahrer sollen auf der Straße fahren

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
14592883.jpg
Die Schilder sind wieder da. Als die Gemeinde Waldfeucht die blauen Radwegschilder abhängt, sorgt das für viel Ärger. Nun hängen sie vorerst wieder, wie hier in Haaren an der Brauereistraße. Foto: Daniel Gerhards

Kreis Heinsberg. Ein eigentlich schon recht altes Gesetz sorgt derzeit im Kreis Heinsberg für Diskussionen. Der Tenor ist: Fahrradfahrer sollen öfter auf der Straße fahren. Das sei sicherer. Und die blauen Radwegschilder sollen weg. Diese Vorgabe wird jetzt im Kreis Heinsberg umgesetzt. Und das hat zur Folge, dass die Radwege in bestimmten Fällen nicht mehr benutzt werden dürfen.

Das hat zum Beispiel in Waldfeucht-Haaren für Unmut gesorgt. Dort hatte Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen (CDU) – wie in einem Schreiben des Kreises gefordert – die Schilder zum Beispiel an der Sopericher Straße nahe der Schule abhängen lassen. Kurz darauf fand dort ein Fahrradtraining der Polizei mit den Kindern statt. Und die Kinder fuhren auf der Straße – so wie es das Gesetz will. Die verschwunden Schilder waren plötzlich Gesprächsthema im Ort.

Die Kreispolizeibehörde teilt zu der neuen Regelung mit: „Es hat sich gezeigt, dass Radfahrer auf der Fahrbahn weniger gefährdet sind als auf dem Fahrradweg. Insbesondere an Aus- und Einfahrten sowie an Einmündungen kam es vermehrt zu Unfällen. Dem soll durch die neue Regelung entgegengewirkt werden.“

Nach Darstellung Heinsberger Polizei soll der Radfahrer bei den Radwegen ohne die blauen Schilder, die in Fahrtrichtung rechts von der Fahrbahn verlaufen, selbst entscheiden dürfen, ob er den Radweg benutzt oder nicht. Verläuft der unbeschilderte Radweg innerorts aber links von der Fahrbahn, dann müssen die Radfahrer auf die Straße. Es besteht aber die Möglichkeit, den Radweg in beide Richtungen freizugeben. Dazu muss an der Stelle ein weißes „Radfahrer frei“-Schild hängen. Diese Freigabe erfolge nach Angaben der Polizei im Grundsatz außerhalb von geschlossenen Ortschaften.

Die neue Regelung ist auf den ersten Blick vor allem eins: kompliziert. Und viele Leute können offenbar nicht nachvollziehen, warum sie nun auf der Straße fahren sollen, obwohl es daneben doch einen Radweg gibt. Wolfgang Dieder sagt, dass er persönlich nicht nachvollziehen könne, warum die Regeln, die jedes Kind einmal gelernt habe, plötzlich falsch sein sollen.

Einige Schilder habe man in der Kreisstadt bereits entfernt, andere hingen noch, sagt Dieder, Bürgermeister der Stadt Heinsberg. „Wir haben überall Radwege gebaut. Und jetzt soll alles wieder anders gemacht werden. Das geht nicht in meinen Kopf hinein“, sagt er. Wichtig sei ihm nun, dass man im Kreis eine einheitliche und vor allem sichere Lösung finde.

Das Thema Sicherheit für Radfahrer greift die Polizei morgen wieder auf. Dann sind in der Heinsberger Innenstadt spezielle Fahrradkontrollen geplant. „Fahrradfahrer haben keine Knautschzone, schon kleine Unfälle können zu schweren Verletzungen führen. Für diese schwächeren Verkehrsteilnehmer ist es daher besonders wichtig, sich an die Verkehrsregeln zu halten, damit andere sie rechtzeitig wahrnehmen und nicht übersehen“, sagt Angela Jansen, Sprecherin der Heinsberger Polizei.

Wie gefährlich der Straßenverkehr für Radfahrer sein kann, zeigen auch die Zahlen der polizeilichen Unfallstatistik. Im Jahr 2016 waren 232 Fahrradfahrer im Kreis Heinsberg in Verkehrsunfälle verwickelt. Davon wurden 178 leicht und 53 schwer verletzt, ein Fahrradfahrer starb an den Folgen eines Unfalls. Und auch in diesem Jahr gab es bereits einen Verkehrsunfall, bei dem eine Fahrradfahrerin ums Leben kam, sie kollidierte in Wegberg auf einem Radweg mit einem anderen Fahrradfahrer.

Solche Zahlen sind sicher alarmierend. Im Waldfeuchter Rathaus ist man aber der Auffassung, dass die Sicherheit der Radfahrer auf Radwegen größer ist als auf der Straße. Deshalb hat Bürgermeister Schrammen die Schilder vorerst wieder aufhängen lassen. „Die Schilder werden verschwinden müssen. Wir suchen aber nach einer Möglichkeit, den Radfahrern trotzdem zu erlauben, die Radwege zu benutzen“, sagt Schrammen. Ende des Monats wollen die Bürgermeister und der Landrat das Thema besprechen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert