Geschichte packend inszeniert beim Jugendtheaterprojekt

Von: Johannes Bindels
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Starke Szenen: Die Bühne wird zum Palisadenzaun im Dreißigjährigen Krieg – dramaturgisch gesteigert durch den Kirchenchor, der um die Bühne marschiert. Foto: Johannes Bindels

Heinsberg-Oberbruch/Erkelenz-Schwanenberg. Rund drei Stunden lang faszinierte das Jugendtheater der Evangelischen Kirchengemeinde Schwanenberg in der Erlöserkirche in Oberbruch mit dem Theaterprojekt „Anders glauben“ ein zahlreich erschienenes Publikum.

Begleitet vom Kirchenchor Schwanenberg, setzten die 14- bis 25-jährigen Akteure ein Bühnenstück von Pfarrer Robin Banerjee und des Regisseurs Peter Schanz zur Reformationsgeschichte im Rheinland um.

„Jährlich nach der Konfirmation wird den Jugendlichen seit mehr als zehn Jahren das Angebot gemacht, ein Theaterstück aufzuführen. Ein Jahr lang wird wöchentlich geprobt. Im Reformationsjahr 2017 ein Stück zur Reformationsgeschichte aufzuführen, lag nahe“, erläuterte Pfarrer Robin Banerjee die Entstehung des diesjährigen Schauspiels.

Glaube und Ablasshandel

Ein Bühnensystem von Dieter Brunn (Image Construction Erkelenz), welches während des Schauspiels durch die jungen Schauspieler zur Kulisse auf- und umgebaut werden konnte, stand mitten zwischen den Zuschauern. Die Nähe zu den Zuschauern machte jede Szene zu einem besonders eindrücklichen Erlebnis.

Wenn im Prolog zum ersten und zweiten Teil des Schauspiels die Jugendlichen im Hier und Jetzt sich und dem Publikum Fragen zum Glauben stellten wie „Warum glauben wir?“ – „Warum glauben wir, was wir glauben?“ – „Glauben wir, dass wir etwas Besseres glauben als die anderen?“ – „Hält der Glaube länger, wenn er bedroht wird?“, gingen sie in den sich anschließenden Szenen zurück in die Geschichte und zum Beginn der Reformation vor 500 Jahren.

Mit sicherem Gespür für das menschliche Verhalten – von der Feigheit, Käuflichkeit bis zur Radikalisierung und Gewalttätigkeit – spielten die jungen Darsteller überzeugend den Zwist in den Familien oder führen den Disput zwischen den Gelehrten um den rechten Glauben auf. Diese historischen Handlungsebenen wurden mit wenigen Utensilien und Kostümen präsentiert, alles im ständigen Fluss der wechselnden Szenen vor dem Publikum.

Mit den passenden religiösen Liedern oder modernen Songinterpretationen füllte der Kirchenchor die Zeit des Umbaus der Kulissen. Beeindruckend war auch, wie das szenische Mitwirken durch das Marschieren der Chormitglieder um die Bühne eine dramaturgische Steigerung des Schauspiels auf der Bühne bewirkte.

In den historischen Szenen versetzte das Schauspielerteam das Publikum in die Zeit des Ablasshandels, der ersten französischen Flüchtlinge in Randerath, der gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen katholischen und evangelischen Christen im Herrschaftsbereich des Kreuzherrenkloster Hohenbusch einerseits und des Reichsherrn von Wickradt, dem Grafen Johann von Quadt, der als Landesherr den evangelischen Glauben in Schwanenberg und Umgebung andererseits um 1557/58 erlaubte.

Die Gegenreformation und der Dreißigjährige Krieg wurden szenisch ebenso thematisiert wie die Dispute innerhalb der Reformationsbewegung zwischen Lutheranern, Täufern und Calvinianern. Jede Szene war ein Baustein in der geschichtlichen Entwicklung des evangelischen Glaubens in Schwanenberg und im Rheinland.

Die Überleitung in die Jetztzeit in der Schlussszene machte die Aufführung komplett. Und was mit den Glaubensfragen begann, endete mit Antworten, die sich die Jugendlichen selber gaben: „Protestant zu sein bedeutet, seinem Leben Sinn zu geben, im Glauben Geborgenheit zu finden. Man glaubt, obwohl man denkt“.

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