Gesamtschule: Selbstständig durch kooperatives Lernen

Von: Daniel Gerhards
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Projektarbeit nimmt an der Leonardo-da-Vinci-Gesamtschule einen großen Raum ein: Lehrerin Michaela Husarek bespricht mit ihren Schülern die Ergebnisse eines Besuchs in Belgien im Rahmen der Arbeit als Euregio-Profilschule. Foto: Daniel Gerhards
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Kooperatives Lernen steht auf der Prioritätenliste ganz oben. Das habe sich seit der Gründung der Leonardo-da-Vinci-Schule nicht geändert, sagt Schulleiter Georg Schiefelbein. Foto: Daniel Gerhards

Hückelhoven. An der Leonardo-da-Vinci Gesamtschule, die im Sommer seit fünf Jahren in Hückelhoven-Ratheim besteht, wird es zum neuen Schuljahr erstmals eine Oberstufe geben. Ein guter Zeitpunkt, nachzufragen, wie es um die Schule steht, welche Ziele sie erreicht hat und was in Zukunft ansteht. Dafür haben wir uns mit Schulleiter Georg Schiefelbein, 63 Jahre, getroffen.

Schiefelbein leitet die Schule von Beginn an. Zuvor war er Leiter der Hauptschule in Ratheim. Er spricht im Interview über kooperatives und selbstständiges Lernen, über die Zusammenarbeit mit Partnern außerhalb der Schule und die Erwartungen, die mit der neuen Oberstufe verbunden sind.

 

Im Sommer besteht die Gesamtschule in Ratheim seit fünf Jahren. Ist alles so gekommen, wie Sie es sich vorgestellt haben?

Schiefelbein: Der wichtigste Punkt ist, dass wir nach wie vor eine kooperative Schule sind. Wir setzen auf kooperative Lernformen und auf Kooperation unter den Kollegen. Einzelkämpfer brauchen wir hier nicht. Die Kollegen bearbeiten die Unterrichtssequenzen gemeinsam. Und wenn man mal Vertretung hat, dann findet man die vorbereiteten Unterlagen für die Stunde im Fach. Darüber hinaus kooperieren wir auch mit Partnern außerhalb der Schule.

Lassen Sie uns zurückschauen zur Entstehung der Schule. Wie ist es dazu gekommen?

Schiefelbein: Das kam durch den Druck der Eltern. Es gab damals eine Elterninitiative für die Gesamtschule. Das war bereits der zweite Anlauf zur Gründung einer Gesamtschule. Der erste Antrag kam von den Grünen. Aber das war wohl die falsche Fraktion, um eine Mehrheit zu finden. Irgendwann kam die CDU auch nicht mehr am Willen der Eltern vorbei. Zu dieser Zeit gab es auch einen Schulenwicklungsplan, der eine Gesamtschule im Nordkreis empfahl.

Und damit gab es auch eine politische Mehrheit für die Gesamtschule.

Schiefelbein: Genau. Und das hat auch Zukunft. Das dreigliedrige Schulsystem geht den Bach runter. Es läuft alles auf ein zweigliedriges System von Gymnasium und Gesamtschule hinaus.

Ist die Gesamtschule bei den Eltern tatsächlich so beliebt?

Schiefelbein: Ja, wenn man nach den Anmeldezahlen geht, auf jeden Fall. Wir mussten in den vergangenen Jahren immer einen Zug ablehnen. Das entspricht etwa 30 Schülern. Durch das Gebäude sind wir auf vier Züge gedeckelt.

Mit welchem Ziel sind Sie bei der Gründung der Schule an den Start gegangen?

Schiefelbein: Das Ziel ist noch immer gleich. Wir wollen die Schüler durch die kooperativen Lernformen dazu bringen, selbstständig zu werden.

Wodurch zeichnen sich kooperative Lernformen an Ihrer Schule aus?

Schiefelbein: Das fängt schon bei der Sitzordnung an. In den Klassen gibt es nur Gruppentische. Die Schüler müssen in Gruppen oder mit einem Partner arbeiten. Das geht nur an Gruppentischen. Und die Schüler gestalten den Unterricht mit, sie trainieren wertschätzende Kommunikation und übernehmen Verantwortung in der Gemeinschaft.

Heißt das auch, dass sie eigenverantwortlich lernen sollen?

Schiefelbein: Ja, wir wenden in einer Stunde pro Tag die Dalton-Pädagogik an. Wir stellen dafür Räume zur Verfügung, in denen sich die Schüler verschiedene Fächer selber erarbeiten.

Wie funktioniert das konkret?

Schiefelbein: In den Dalton-Stunden ist ein Lehrer im Raum und das Lernmaterial ist da. Aber der Lehrer soll nur Fragen beantworten, ansonsten arbeiten die Schüler selbstständig. Innerhalb von zwei Wochen müssen sie ihre Dalton-Aufgaben erledigt haben. Das gilt für die Fächer Deutsch, Englisch, Mathematik und Gesellschaftslehre. Wir haben uns zu diesem Zweck am Dalton-Gymnasium in Alsdorf viele Ideen geholt.

Sie haben gesagt, dass Sie auch mit Partnern außerhalb der Schule kooperieren. Welche Projekte laufen in dieser Hinsicht an Ihrer Schule?

Schiefelbein: In der Berufswahlvorbereitung arbeiten wir mit Unternehmen zusammen. In den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT) kooperieren wir mit der RWTH Aachen. Wir sind vor Kurzem eine Kooperation mit dem DFB eingegangen, dabei werden Schüler zu Sporthelfern und Trainern ausgebildet.

Wir beteiligen uns am Austauschprogramm Erasmus plus, am Landesprogramm Bildung und Gesundheit und wir sind eine Euregio-Profilschule, dabei geht es um den Austausch mit unseren Nachbarn in Belgien und den Niederlanden. Ich finde es ganz wichtig, dass die Schüler merken, dass Schule keine Insel ist. Im Gegenteil, wir sind für die Gesellschaft da. Das Schöne bei einem Neustart ist, dass man vieles ausprobieren kann. Und das meiste davon haben wir auch beibehalten.

Solche Projekte sind sicher Maßstäbe für die Qualität einer Schule...

Schiefelbein: ... wir können das aber auch an einer Qualitätsanalyse, die an allen Schulen stattfindet, festmachen. Dabei wurden wir ganz hervorragend bewertet. Insbesondere im Bereich Unterricht haben wir gut abgeschnitten. Das ist ein Schwachpunkt bei vielen Schulen. Soweit ich weiß, sind wir die einzige weiterführende Schule in Hückelhoven, die die Ergebnisse der Qualitätsanalyse veröffentlicht hat.

Und um den Unterricht geht es ja am Ende.

Schiefelbein: Ja. Aber mir ist wichtig, dass sich die Schüler hier wohlfühlen. Das gelingt nur, wenn sich die Lehrer auch wohlfühlen. Das klappt nicht immer, aber in der Regel schon.

Im Jahr 2014 haben Sie der Schule ihren heutigen Namen gegeben. Wieso ist sie nach Leonardo da Vinci benannt?

Schiefelbein: Es war ein relativ langer Prozess, den Namen zu finden. Zuerst haben wir versucht, Vorschläge von den Eltern zu bekommen, aber da kam nichts. Wir wollten der Schule aber trotzdem einen Namen geben, um uns von anderen Schule abzuheben. Der Name passt auch, weil Leonardo da Vinci sowohl künstlerisch als auch naturwissenschaftlich gearbeitet und geforscht hat.

Im Sommer gibt es an Ihrer Schule zum ersten Mal eine Oberstufe. Sicher ein Projekt, das Sie aktuell beschäftigt ...

Schiefelbein: Für uns ist das Neuland. Ich hätte auch nicht gedacht, dass es dafür so viele Vorgaben gibt. Welche Fächer hat ein Schüler gewählt, welche Lerninhalte wurden vermittelt und wurden die Vorgaben zu den Stundenzahlen eingehalten? Da gibt es viel zu beachten. Ich kann schon sagen, dass wir eine kleine Oberstufe haben werden und deshalb nicht so viele Fächer anbieten können. Aber die Beratung wird sehr intensiv sein.

Viel Arbeit also.

Schiefelbein: Die Oberstufe ist aktuell unsere größte Baustelle. Daran arbeiten wir schon seit eineinhalb Jahren. Die sechs Klassenräume für die Oberstufe sollen im Sommer auch fertig sein. Drei Differenzierungsräume sind schon jetzt fertig. Ich hätte mir allerdings gewünscht, dass die Oberstufe räumlich stärker separiert gewesen wäre.

Warum?

Schiefelbein: Damit die jüngeren Schüler auch ein Ziel vor Augen haben: „Da will ich mal hin.“ Das ist auch eine optische Sache. Grundsätzlich muss man aber sagen, dass die Stadt Hückelhoven viel für unsere Schule tut. Wir haben eine sehr gute Ausstattung. Dafür muss man der Stadt ein Lob zollen.

Nun steht das Anmeldeverfahren für die Oberstufe bevor. Mit welcher Größe rechnen Sie?

Schiefelbein: Es werden in jedem Fall zwei Klassen werden. Rund 30 Schüler werden aus unserer Schule in die Oberstufe wechseln. Das ist beachtlich, denn in diesem Jahrgang hatten nur sieben Schüler nach der Grundschule eine Empfehlung für das Gymnasium. Wie viele Schüler von anderen Schulen noch dazu kommen, wissen wir nicht. Wir gehen aber davon aus, dass die Jahrgangsstufe etwa 50 Schüler haben wird.

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