Gesamtschüler thematisieren Gräueltaten der Nazis

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Starke Aufführung: Kinder der Stufe 5 mit Ralf Kiekhöfer (oben) vom Töfte-Theater.

Wassenberg. In diesem Jahr jährte sich zum 75. Mal die Reichspogromnacht, mit der die Nationalsozialisten in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 die Gewaltmaßnahmen gegenüber dem jüdischen Volk in ganz Deutschland steigerten. Als Schule, die sich alleine schon aufgrund ihres Namens der Aufarbeitung der Vergangenheit verpflichtet weiß, finden an der Betty-Reis-Gesamtschule Wassenberg jährlich besonders im November eine ganze Reihe von Aktionen statt, die das Gedenken und die historische Bildung in den Mittelpunkt stellen.

Für die 176 Schüler des 5. Jahrgangs führte das Töfte-Theater aus Marl jetzt bereits zum zehnten Mal sein preisgekröntes Stück „engel mit nur einem flügel“ (u.a. NRW-Theaterpreis) auf. Im Zusammenspiel mit zwei Puppen (Robert und sein Vater Aaron) gelang Ralf Kiekhöfer wieder einmal eine ungemein dichte und poetische Darstellung, die die Schüler mit ihren Lehrern über 70 Minuten Spielzeit voll in den Bann zog. Das Furchtbare kindgerecht aufzuarbeiten, gelang hervorragend. Wunderbar wechselten traurige und komische Szenen, einfühlsam führte Ralf Kiekhöfer sein junges Publikum über das schwierige Terrain.

52 Schüler des achten Jahrgangs besuchten mit zwei Lehrern die Gedenkstätte des Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Im Rahmen eines zweitägigen Programms besuchte die Gruppe das Museum der Gedenkstätte und besichtigte das Gelände des Lagers. Eine besondere Feier fand am Gedenkstein von Betty Reis statt, der daran erinnert, dass hier aller Wahrscheinlichkeit ihr Leben endete.

Für die Schüler der Oberstufe ist in diesem Jahr noch eine außergewöhnliche Veranstaltung geplant. In Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Gollenstede ist es gelungen, mit Jennifer Teege eine Autorin zu gewinnen, die ihr persönliches und mit dem Nationalsozialismus verwobenes Schicksal vorstellen wird. Sie fand mit 38 Jahren plötzlich heraus, dass Amon Göth, Lagerkommandant des Konzentrationslagers Plaszow bei Krakau, ihr Großvater ist. „Mein Großvater hätte mich erschossen“, lautet die Unterzeile ihres Buches „Amon“. Jennifer Teeges Vater ist Nigerianer. Ihre Mutter Monika Göth lebte in Plaszow mit Amon Göth zusammen, gab sie als Baby ins Kinderheim, als Siebenjährige wurde sie adoptiert.

Die Lesung mit der Autorin findet in der evangelischen Kreuzkirche Wassenberg (Birkenweg) als öffentliche Veranstaltung statt und beginnt am Dienstag, 26. November, um 10.50 Uhr.

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