Gerderhahner Zeiten im Wandel von fünf Jahrzehnten

Von: Helmut Wichlatz
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Wolfgang Küppers (r.) und Willy Hansen (2.v.l.) überreichten die Dorfchronik von Gerderhahn im Stadtarchiv an Bürgermeister Peter Jansen und Stadtarchivleiterin Karoline Meyntz. Foto: Koenigs

Erkelenz. Seit 1953 hat Willy Hansen das Leben in Gerderhahn mit seiner Kamera begleitet. Alle Feste der Vereine, der Karneval und kirchliche Feste wurden von ihm ebenso festgehalten wie das tägliche Leben im Wandel der letzten fünf Jahrzehnte.

So sind inzwischen rund 20.000 Dias zusammengekommen. Vor rund drei Jahren begann der 86-Jährige gemeinsam mit Wolfgang Küppers, an der Dorfchronik zu arbeiten.

Was anfangs noch ganz einfach klang, entwickelte sich immer mehr zur Fleißarbeit, deren Ergebnis auch von Bürgermeister Peter Jansen sehnsüchtig erwartet wurde. „Drei Jahre lang habe ich mich darauf gefreut, diesen Band in den Händen zu halten“, erklärte Jansen. Er hatte das Entstehen des 232-seitigen Bildbandes mit viel Interesse verfolgt. Umso erfreuter war er, als nun zwei Bände der Dorfchronik ans Stadtarchiv übergeben werden konnten. Auch Stadtarchivarin Karoline Meyntz zeigte sich beeindruckt. Die Arbeit kommt an.

Zuerst hatte man eine Auflage von rund 80 Stück angepeilt, erinnerte sich Küppers. Doch schnell wurde klar, dass das nicht reicht. Die letztendliche Auflage von 220 Stück ist bereits ausverkauft. Wer nun noch eine Dorfchronik haben möchte, kann sich melden und muss Geduld mitbringen. Denn nachgedruckt wird nur, wenn genügend Nachfragen eingehen, erklärte Küppers. Das überschüssige Geld wird für die Missionsarbeit in Brasilien gespendet.

Bürgermeister Jansen dankte ihnen für ihr Engagement, durch das diese Geschichten auch für die Nachwelt erhalten bleiben. Durch diese Verknüpfung von ehrenamtlichem Engagement und der professionelle Struktur des Stadtarchivs sei eine umfassende Dokumentation des dörflichen Lebens erst möglich, erklärte Jansen.

Bei der Arbeit an der Chronik stießen Küppers und Hansen im Archiv auf eine weitere Gerderhahner Chronik. Das vierbändige Werk wurde von der Familie Germanns über einige Jahrzehnte im 19. Jahrhundert in Tagebuchform geführt und ist nur handschriftlich in Sütterlin erhalten.

Die Gerderhahner Dorfchronik gibt Auskunft über manche Anekdote aus der Dorfgeschichte und brachte auch Wissenswertes an den Tag, wie die Tatsache, dass die Gerderhahner Feuerwehr die erste im Kreisgebiet war. Oder die Geschichte um den Kirchenstreit zwischen den Gerderhahnern und dem Gerderather Pastor Anfang des 20. Jahrhunderts, in dessen Rahmen die Gerderhahner ihre Kirche auch mal leerräumten, damit der Geistliche dort keine Messe abhalten konnte. Das Inventar wurde kurzerhand in den umliegenden Höfen versteckt. Beigelegt wurde der Streit erst durch den Bischof, der beiden Parteien ein gemeinsames Rosenkranzbeten auferlegte und den Zwist damit beilegte.

Zur 700-Jahr-Feier in drei Jahren werden die beiden Chronisten sicher mit neuen Erkenntnissen aufwarten. Ein Exemplar ihrer Dorfchronik wird auch in der Stadtbücherei für Interessenten zugänglich sein.

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