Gemeinsame Gesamtschule rückt näher

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
14787364.jpg
Die jetzige Sekundarschule in Haaren soll Teilstandort der Gesamtschule Oberbruch (Foto) werden. Foto: Anna Petra Thomas
14787363.jpg
Trotz auslaufender Sekundarschule bleibt Haaren (Foto) auch für die Zukunft eine weiterführende Schule erhalten. Foto: Daniel Gerhards

Heinsberg/Waldfeucht. Trotz auslaufender Sekundarschule bleibt Haaren auch für die Zukunft eine weiterführende Schule erhalten. Das Schulzentrum soll ab dem Schuljahr 2018/19 ein Teilstandort der Gesamtschule in Oberbruch werden. Eine Oberstufe wird es den Plänen zufolge nur in Oberbruch geben.

So haben es der Schul- und Kulturausschuss der Gemeinde Waldfeucht und der gleichnamige Ausschuss der Stadt Heinsberg jeweils einstimmig, ohne Enthaltungen, nach einer gemeinsamen Sitzung im Heinsberger Rathaus beschlossen. Beide Ausschüsse werden jetzt dem Gemeinderat in Waldfeucht und dem Heinsberger Stadtrat einen gleichlautenden Beschluss empfehlen.

Die beiden Ausschüsse folgten mit ihrer Entscheidung der sogenannten anlassbezogenen Schulentwicklungsplanung, die ihnen der Gutachter Wolf Krämer-Mandeau während der Sitzung vorgestellt hatte. Sobald die Genehmigung der Bezirksregierung für die Gesamtschule mit zwei Standorten, einem in Oberbruch und einem in Haaren, vorliegt, soll zudem ein Gesamtschul-Zweckverband gegründet werden. Norbert Krichel, Vorsitzender des Heinsberger Schul- und Kulturausschusses, freute sich, zusammen mit seiner Waldfeuchter Kollegin Daniela Schröders auch die beiden Bürgermeister Heinz-Josef Schrammen aus Waldfeucht und Wolfgang Dieder (alle CDU) aus Heinsberg zu der Sitzung begrüßen zu können.

Oberstufe nur in Oberbruch

Grundlage der neuen Planung der Projektgruppe „Bildung und Region“ in Bonn, deren Leiter Krämer-Mandeau ist, war die Problematik, dass die absehbare Schließung der Sekundarschule in Haaren nicht nur zu einer Unterversorgung mit Schulplätzen in der Gemeinde Waldfeucht führen würde, sondern auch in der Stadt Heinsberg. Ein Großteil der bisherigen Schülerschaft der Sekundarschule kommt aus Stadtteilen von Heinsberg, etwa aus Karken, Kempen, Kirchhoven oder Lieck. Mit Abstrichen sei auch Straeten Richtung Haaren orientiert, berichtete Krämer-Mandeau. So entstand schnell ein Konsens, einen Gesamtschul-Zweckverband zu gründen mit einer sechszügigen Gesamtschule, die am Standort Oberbruch vierzügig und am Standort Haaren zweizügig sein soll. Eine Oberstufe soll es nur in Oberbruch geben.

Krämer-Mandeau sprach in seiner Präsentation von einer „regionalen Verankerung einer Schulform zur Freude beider Kommunen“. Er hatte alle wichtigen Daten zusammengetragen, um daraus eine Prognose für eine Gesamtschule an zwei Standorten zu entwickeln. Ausgangspunkt für ihn waren die Geburtenzahlen und die Daten der bestehenden Grundschulen. Berücksichtigt hatte er zudem mit Blick auf Neubaugebiete die Zahl der zusätzlich entstehenden Wohneinheiten. Dabei beobachtete er eine steigende Zahl von Geburten und von Schülern in den Grundschulen. „Die Entwicklung trägt längerfristig“, erklärte er.

Zu Beginn des Schuljahres 2016/17 seien insgesamt 433 Schüler aus Heinsberg und Waldfeucht in eine weiterführende Schule gewechselt, davon 136 oder 31,4 Prozent zur Gesamtschule. „Hier geht man deutlich defensiver ins Gymnasium“, sagte er. Damit meint er, dass im Heinsberger Raum weniger Kinder zum Gymnasium gehen als im Landesschnitt. Da sei ein Erfolg der Gesamtschule wahrscheinlicher. Auch das Ein- und Auspendlerverhalten hatte er erfasst. So hätten die weiterführenden Schulen in Heinsberg und in Waldfeucht bisher jährlich im Durchschnitt 22 Schüler mehr aufgenommen als Schüler die Grundschulen verlassen hätten. „Die Eltern werden immer ortstreuer“, so Krämer-Mandeau. Durch die Gründung der Gesamtschule in Oberbruch sei es bereits gelungen, frühere Auspendler in der Region zu halten. Die Auspendler aus Waldfeucht würden sich neben Heinsberg ausschließlich zur Gesamtschule Gangelt-Selfkant orientieren. „Potenziale für eine Veränderung in Richtung einer Gesamtschule mit zwei Standorten sind damit gegeben“, sagte er.

In seiner Prognose ließ er die Sekundarschule Haaren fiktiv bestehen und konnte so deutlich aufzeigen, dass es ein Potenzial für einen Doppelstandort der Gesamtschule in Heinsberg und Haaren gibt, sogar ein Potenzial für eine Dreizügigkeit in Haaren und damit eine Siebenzügigkeit der Gesamtschule insgesamt. Man werde sich bei der Beantragung jedoch auf eine Sechszügigkeit beschränken, erklärte Dieder. Beantrage man eine Schule mit sieben Zügen und könne die Schule dann nicht füllen, habe man ein Problem. Die Schule später um einen Zug auszubauen, sei „leichter zu regeln als zurückzurudern“.

Auf eine Problematik wies Krämer-Mandeau in seiner Begutachtung allerdings auch hin. Die Gesamtschule könne sogenannte Rückläufer abweisen, wenn die Klassen voll seien, die Realschule könne das nicht. „Die Realschule kann nicht mehr abschulen.“ Das könne dazu führen, dass sehr viele Schüler, die sich an höheren Schulformen nicht behaupten können, am Ende zur Heinsberger Realschule gehen. Sie müsse dann in der siebten Klasse einen eigenen Hauptschulzweig einrichten. Dafür seien die räumlichen Kapazitäten in der Realschule im Klevchen aber derzeit nicht ausreichend. Als Lösung dieses Problems sieht er die Möglichkeit, in der fünften Klasse weniger Schüler an der Realschule aufzunehmen. Dann bliebe mehr Platz für die Kinder, die in späteren Jahrgängen von anderen Schulformen kommen.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert