Gelöste Radmuttern: Polizei glaubt nicht an Serientäter

Von: Daniel Gerhards
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In diesem Jahr hat die Polizei bereits neun Fälle im Kreis Heinsberg gezählt, bei denen Muttern an Autorädern gelockert worden sind. Das ist alarmierend, einen Zusammenhang zwischen den Taten sieht die Polizei allerdings nicht. Foto: Daniel Gerhards

Kreis Heinsberg. Die gute Nachricht zuerst: Bisher ist noch nichts Schlimmeres passiert. Aber es gibt auch schlechte Neuigkeiten: Die Fälle von mutwillig gelösten Radmuttern häufen sich aktuell im Kreis Heinsberg.

In diesem Jahr hat die Polizei bereits neun solcher Fälle verfolgt, der vorerst letzte ereignete sich in der vergangenen Woche in Wassenberg. Im ganzen Jahr 2014 sind der Polizei lediglich vier Fälle von gelösten Radmuttern bekannt geworden.

Es ist also auffällig, dass in letzter Zeit sehr viele Muttern an Autorädern gelockert werden. Die Polizei geht aber trotzdem nicht davon aus, dass es sich um einen oder mehrere Serientäter handelt. „Wir haben in alle Richtungen ermittelt. Deshalb haben wir auch überprüft, ob es zwischen den Taten einen Zusammenhang geben könnte“, sagt Polizeisprecherin Angela Jansen. Bislang gebe es aber keine Anhaltspunkte für eine Serie. Für die Polizei sprechen folgende Punkte dagegen: Es sind Autos im ganzen Kreis betroffen und mancher Täter löste die Schrauben bei Nacht, andere am helllichten Tag. „Nach unseren bisherigen Erkenntnissen gehen wir von mehreren Einzeltätern aus, die ihre Taten unabhängig voneinander begangen haben“, sagt Jansen. Bei den jüngsten Taten laufen die Ermittlungen noch.

Wenn es also keinen Zusammenhang zwischen den Fällen gibt, kann man nur darüber spekulieren, warum plötzlich so viele Radmuttern gelöst werden. Wollen die Täter den Opfern einen Denkzettel verpassen, sind das Dummejungenstreiche, haben es die Täter auf Leib und Leben der jeweiligen Autofahrer abgesehen oder gibt es mittlerweile Trittbrettfahrer nachdem immer mehr Fälle bekannt werden? Schwer zu sagen. Vielleicht von allem etwas.

Die Häufung kann die Polizei auch nicht abschließend erklären. Ein schwindendes Unrechtsbewusstsein und fehlendes Überschauen der Schwere der Tat, könnten dazu beitragen, dass sich scheinbar immer mehr Menschen an den Fahrzeugen anderer zu schaffen machen. „Wichtig ist uns als Polizei, eventuelle Zusammenhänge zu ermitteln und das in jedem Einzelfall separat abzuklären“, sagt Jansen. Deshalb würden die Ermittlungen in diesen ähnlichen Fällen einem „engen Kreis von Beamten des Verkehrskommissariats“ übertragen. Wenn es doch Verbindungen zwischen den Taten geben sollte, könne die Polizei das so leichter erkennen.

Den Tätern auf die Spur zu kommen, ist der Polizei sehr wichtig. Denn auch wenn so eine Radmutter schnell gelöst ist, kann das weitreichende Folgen haben. Vom geringen Sachschaden bis zum schweren Unfall mit Verletzten und Toten ist alles denkbar. Das die Fahrten mit gelösten Radmuttern in den aktuellen Fällen so glimpflich verlaufen sind, kann man wohl als Glück oder Zufall bezeichnen. Jansen betont, dass bei einem möglichen Unfall nicht nur der Fahrer des Autos gefährdet wird, auch Fußgänger, Radfahrer und andere Autofahrer können in Unfälle verwickelt werden.

Und gerade weil es so schwerwiegende Folgen haben kann, mit mutwillig gelösten Radmuttern unterwegs zu sein, drohen den Tätern auch hohe Strafen. „Das ist zumindest ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr“, sagt Jansen. Wenn dabei niemand zu Schaden kommt, beträgt das Strafmaß bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder eine saftige Geldbuße.

Noch höher fallen die Strafen aus, wenn Schlimmeres passiert: Wenn Menschen verletzt werden oder zum Beispiel an einem Bus, mit dem Menschen befördert werden sollen, manipuliert wird, sei das „unter Umständen auch als versuchtes Tötungsdelikt einzustufen“. Dann drohen Freiheitsstrafen von mindestens fünf Jahren bis hin zur lebenslänglichen Haft.

Verwertbare Spuren

Allerdings ist es für die Polizei oft nicht leicht, die Täter dingfest zu machen. Oft sind die Spuren am Auto nicht mehr verwertbar. Deshalb fordert Jansen dazu auf, die Polizei gleich zu rufen, wenn man merkt, dass Radmuttern am Auto gelöst worden sind. „Wenn Betroffene eine Manipulation feststellen, wäre es auch für die Polizei hilfreich, wenn erst eine Spurensicherung am Fahrzeug vorgenommen werden könnte, bevor das Auto in die Werkstatt gebracht oder die Schrauben wieder angezogen werden“, sagt sie. Danach sei die Suche nach Spuren weitaus schwieriger.

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