Geflügelhalter aus Hückelhoven könnte Landwirt des Jahres werden

Von: Daniel Gerhards
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Alles regional: Auf dem Geflügelhof von Manfred Hermanns in Hückelhoven-Hilfarth leben mehrere 10 000 Legehennen. Sie bekommen Futter aus der Region und ihre Eier werden hier verkauft. Foto: Daniel Gerhards
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Auf dem Weg zum Verbraucher: Die Eier vom Hilfarther Schlickhof werden ausschließlich regional vermarktet, sagt Landwirt Manfred Hermanns. Foto: Daniel Gerhards
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Manfred Hermanns ist „mit Leib und Seele Bauer“. So beschreibt ihn die Jury des Ceres-Awards. Foto: Daniel Gerhards

Hückelhoven. Wenn man mit Manfred Hermanns über seinen Geflügelhof spricht, dann kommt Hermanns von seinen Hühnern, seinen Eiern und seinem Futter auch zum Grundsätzlichen. Zu einer faireren und transparenteren Landwirtschaft. Hermanns macht sich Gedanken darüber, was schlecht läuft und was jeder Einzelne besser machen kann.

Dass Hermanns, 43 Jahre, seine Sache schon recht gut macht, zeigt die Tatsache, dass er beim Ceres-Award im Finale steht. Nach Angaben des Deutschen Landwirtschaftsverlages handelt es sich dabei um den bedeutendsten Preis für Landwirte im deutschsprachigen Raum. Hermanns ist einer von fünf Finalisten aus NRW. In der Kategorie „Geflügelhalter“ ist er unter den besten drei. Neben den elf Einzelkategorien wird auch ein Gesamtsieger ermittelt, der sich Landwirt des Jahres nennen darf.

Und was macht seinen Hof so besonders? Hermanns kauft und verkauft fast ausschließlich regional. „Ich hätte gern ein Gesicht zu meinen Lieferanten und möchte für meine Kunden auch ein Gesicht sein“, sagt er. Das ist für ihn Transparenz. Er kauft fast alle Zutaten für sein Futter in der Region ein, daraus mischt er das Futter für seine Tiere in einer selbstgebauten Anlage, die Eier werden auf dem Hof sortiert und regional vermarktet. „Die regionale Kette ist komplett rund. Das ist in Deutschland so nicht nochmal zu finden“, sagt Hermanns.

Und Hermanns findet immer wieder Ansätze, die einzelnen Teile seiner Kette zu verbessern. Sein Futter produziert er seit 2008 selbst. Einen Teil des nötigen Getreides baut er selbst an. Den Rest kauft er in der Region. Seit 2011 hat er eine sogenannte Ganzkornanlage. Das ist ein Silo, das luftdicht abschließbar ist und den Mais silieren lässt. Der Mais muss deshalb nicht mehr getrocknet werden, bevor er ins Tierfutter kommt. Das spare viel Energie und sei gut für die Umwelt. Und seit 2017 mischt er Ackerbohnen einer speziellen Sorte als Eiweißlieferanten ins Futter. Dadurch kann er auf einen Großteil von Soja verzichten, das in den USA angebaut wird. „Am Anfang ist es so, als stehe man in einem kleinen Bach. Und es kommen immer wieder neue Ideen dazu. Der Bach wird immer breiter. Und dann steht man am Ende in einem breiten Fluss“, sagt Hermanns.

Bohnen, Erbsen, Sonnenblumen

Ganz ohne US-Soja geht es aber auch auf dem Hilfarther Schlickhof von Manfred Hermanns nicht. Sojabohnen haben einen sehr hohen Eiweißgehalt. Man braucht also eine vergleichsweise geringe Menge, um ein ausgewogenes Futter herzustellen. Wollten die Geflügelhalter nun komplett auf Soja verzichten, müssten die Landwirte viel mehr Bohnen, Erbsen und Sonnenblumen anbauen, um genug Eiweiß für ihr Tierfutter zu bekommen.

Und so kommt Hermanns dann zum Grundsätzlichen. Wenn die Verbraucher zum Beispiel mehr Brot aus Ackerbohnen und Dinkel nachfragen würden, dann würden die Bäcker die Zutaten bei den Mühlen nachfragen. Und diese wiederum bei den Landhändlern und Genossenschaften. Den Landwirten würde man raten, mehr Ackerbohnen anzubauen. Anders herum funktioniere es nicht, dafür sei der Preisdruck in der Lebensmittelbranche zu hoch, meint er.

Zum Ceres-Award gekommen ist Hermanns, weil Karl-Frieder Kottsieper, der Vorsitzende des Geflügelwirtschaftsverbands NRW, ihn dafür nominiert hat. Beide engagierten sich im Verein der Rheinischen Ackerbohne. Weil Hermanns die Ackerbohnen in seinem Futter verarbeitet, schaute sich Kottsieper, der auch Legehennenhalter ist, den Schlickhof in Hilfarth, auf dem Hermanns mehrere 10.000 Legehennen hält, an. Kottsieper schlug Hermanns für den Wettbewerb vor. Woraufhin Hermanns die Bewerbungsunterlagen ausfüllte und nun im Finale steht.

Sollte Hermanns gewinnen und bei der Preisverleihung ans Rednerpult müssen, weiß er schon, was er sagen will. Es soll um Vorurteile gegen die Landwirtschaft gehen, um Negativschlagzeilen, die seinem Berufsstand schaden, und darum, dass man sich gegenseitig erst einmal zuhören sollte. „Meine Eltern haben mir beigebracht, dass man am meisten lernt, wenn man erst mal neutral an eine Sache herangeht“, sagt er. Es soll also wieder um Grundsätze gehen.

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