Wegberg - Gedenkstein soll Erinnerung an NS-Opfer wachhalten

Gedenkstein soll Erinnerung an NS-Opfer wachhalten

Von: Monika Baltes
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So soll es vor dem Brunnen auf dem Rathausplatz in Wegberg einmal aussehen. Fotomontage: Körner
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Vor den Plänen: (v.l.) Tamara Büschgens, Claudia Holländer und Michael Körner. Foto: Monika Baltes

Wegberg. „Frag nicht, was du getan hättest. Frag dich, was werde ich tun." – so lautet die Inschrift eines Gedenksteins, der vor dem Brunnen auf dem Rathausplatz Wegberg – dem zentralen Platz zwischen den Gebäuden der staatlichen und kirchlichen Autorität – in den Boden eingelassen wird.

Er soll im Namen des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums Wegberg an die Opfer des nationalsozialistischen Regimes erinnern, denn auch in Wegberg und Umgebung sind Menschen gedemütigt worden, haben sie gelitten und sind sogar zu Tode gekommen.

Beeindruckend sind die Zahlen rund um den Stein: belgischer Granit, aufgeraut und trittsicher, zweimal zwei Meter groß, acht Zentimeter dick, eine Tonne schwer, Buchstaben von 20 Zentimetern Größe. Noch beeindruckender ist die Geschichte, die den Stein Realität werden ließ: Eine Schüler-Projektgruppe des Maximilian-Kolbe-Gymnasiums hatte sich unter Anleitung des Geschichtslehrers Jürgen Tenbrock mit Tätern, Mitläufern und Opfern im Nationalsozialismus in Wegberg befasst.

Mit Hilfe von Michael Körner von der Firma Artkonzept Körner wurde aus den Ergebnissen ein bemerkenswertes Buch. „Braunes Wegberg?“, so der Titel, protokolliert ein erschreckendes Zeugnis Wegberger Geschichte. Innerhalb einer Woche war die erste Auflage von 1000 Stück ausverkauft. Von der zweiten Auflage sind nur Restexemplare übrig. Das bescherte der Projektgruppe nicht nur Anerkennung, sondern auch finanziellen Gewinn, der zusammen mit weiteren Spenden des Kreiswasserwerkes und der West AG den Löwenanteil zur Finanzierung des Steines liefert.

Viel Unterstützung

Von der ursprünglich achtköpfigen Projektgruppe, die mittlerweile erfolgreich mit dem Abitur das Gymnasium verlassen hat, waren nun noch Tamara Büschgens und Claudia Holländer bei der Präsentation der Pläne dabei. „Wir hatten auch die Idee, die bekannten Stolpersteine zu installieren, haben diese aber – wie viele andere auch – verworfen. Wir wollten ein Gedenken an alle Opfer, nicht nur an Juden oder Zwangsarbeiter“, führte Tamara Büschgens aus.

Um die Verwirklichung der Idee hat sich Körner gekümmert. Reaktionen von Lesern des Buches, seien immer wieder auf drei Fragen zurückgekommen: Was hätten wir gemacht? Kann man etwas daraus lernen? Wie würde ich mich heute verhalten? Genau diese Fragen seien in die Inschrift aufgenommen worden, erklärte Körner. Die Entscheidung für die „Du-Form“ sei ganz bewusst gefallen, um den Leser betroffen zu machen, ihn einzubeziehen. Auch auf Zeichensetzung und Kleinbuchstaben ist absichtlich verzichtet worden. Sowohl Schriftart als auch die Verschmelzung der Buchstaben sind kein Zufall. „Es sollte leicht und offen wirken, im Vorbeigehen zu packen sein“, erläuterte er die Überlegungen zum Entwurf.

„Offene Türen haben wir eingerannt“, berichtete Schulleiter Willy Meersmann von den Kontakten mit der Stadt Wegberg. „Wir haben jede erdenkliche Unterstützung erhalten.“

Ulrich Lambertz, Stadtmarketing Wegberg, sieht im Gedenkstein das Zeichen, dass Wegberg zu dunklen Kapiteln seiner Vergangenheit stehe. „An einem Platz, an dem die Wegberger Spaß haben und wo gefeiert wird“, solle eben auch „innegehalten und zum Nachdenken angeregt werden“. Und Gerd Pint, Fachbereichsleiter der Stadt Wegberg, zeigte sich „schwer beeindruckt“ vom diesem positiven Schülerprojekt am Maximilian-Kolbe-Gymnasium. „Schön, dass es nachwirkt.“

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