Gedenkstein erinnert an Bomber-Absturz im Jahr 1943

Von: Anna Petra Thomas
Letzte Aktualisierung:
10787946.jpg
Bewegende Zeremonie: Pfarrer Joshua King (r.) begleitet mit der Ehrengarde der Nato-Air-Base die Enthüllung des Gedenksteins, der an den Absturz des Bombers B-17F im Jahr 1943 erinnert. Foto: anna
10787440.jpg
Die drei Nichten des Navigators (v.l. Beverly Booth, Susy Booth-Turner und Cindy Booth) reisten aus Amerika an, um dabei zu sein. Foto: anna

Heinsberg-Waldenrath. Zwei rote Klinker halten die Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika auf dem großen, cremefarbenen Findling. Ganz hinten in der Ecke hinter dem Alten- und Pflegeheim St. Josef in Waldenrath hat er seinen Platz gefunden und auf ihm die Namen der zehn Besatzungsmitglieder der B-17F der 305. Bombergruppe der US-Luftwaffe.

Am 14. Oktober 1943 um 13.50 Uhr stürzte dieses Flugzeug nach einem Luftgefecht ab, gleich hinter dem neuen Gedenkstein im Feld.

Die drei Nichten des zweiten Leutnants und Navigators des Flugzeugs, Carl Booth, waren eigens aus Alabama und Florida angereist, um den Gedenkstein mit dem Namen ihres Onkels zu enthüllen. Als einziger der Besatzung gilt er immer noch als vermisst. Beverly Booth erzählte im Rahmen der Feierstunde die Geschichte bis zu ihrer Reise nach Waldenrath. „Guten Tag“, sagte sie zu den anwesenden Gästen, darunter natürlich auch alle Bewohner des Heims, ihre beiden einzigen Worte in Deutsch.

In Amerikanisch fuhr sie fort und Danny Kay übersetzte. Der Brite hat bis 2005 auf der Nato-Airbase in Geilenkirchen gearbeitet, ist in Deutschland geblieben und engagiert sich auch weiterhin ehrenamtlich in der Bergung von vermissten Soldaten. Von ihm stammt die Idee zum Gedenkstein.

Suche im Internet

Vor drei Jahren habe sie angefangen, im Internet nach Informationen über ihren Großvater zu suchen, erzählte Beverly Booth. Dabei habe sie dann auch Informationen über ihren Onkel Carl Booth erhalten. Jemand habe seine Bibel gehabt und sie ihr geschickt. „Wir wussten nicht viel über unseren Onkel, nur, dass er Navigator in einem Flugzeug war und über Deutschland gestorben ist.“

Dann habe sie aus den Niederlanden die Information erhalten, wo die Maschine mit „Uncle Carl“ abgestürzt war. Michel Beckers aus Montfort hatte ihr geschrieben. Beckers hat auf einer eigenen Internetseite Flugzeugabstürze im Zweiten Weltkrieg in seiner Heimat Limburg dokumentiert, auch den in Waldenrath.

Einen würdigen Rahmen gab der Feierstunde die Ehrengarde der Nato-Airbase, die zusammen mit dem evangelischen Pfarrer Joshua King nach Waldenrath gekommen war. Er verlas die Namen der zehn Besatzungsmitglieder, von denen vier bei dem Absturz ums Leben kamen. King betete für die zehn Besatzungsmitglieder und für alle Opfer des Zweiten Weltkriegs. „Alle Menschen mögen dieses Geschehen in Erinnerung bewahren, damit so etwas nicht mehr passiert“.

Die Ehrengarde geleitete die drei Frauen dann zum Gedenkstein. Sie enthüllten die Erinnerungsplakette. Ein Mitglied der Ehrengarde legte einen Kranz nieder, den die Nachfolgeorganisation der 305. Bombergruppe für die Gedenkfeier gestiftet hatte, die „305th Air Mobility Wing“ der US-Luftwaffe, die in New Jersey stationiert ist.

Mit dem Gedenkstein soll die Forschung zum Absturz des Flugzeugs jedoch nicht beendet sein. Vor einem Jahr schon hat Danny Kay die drei Nichten von Carl Booth um DNA-Material gebeten, um beim möglichen Fund von Leichenteilen im Feld zwischen Waldenrath und Birgden zu belegen, dass sie zu dem vermissten Navigator der Maschine gehören.

Erkennungsmarke gesucht

„Vielleicht findet ja ein Landwirt seine Erkennungsmarke“, hatte Betty Booth in ihrer Ansprache gesagt und damit die Hoffnung verbunden, ihren Onkel vielleicht doch eines Tages noch in seiner Heimat beerdigen zu können. Die übrigen drei bei dem Absturz gestorbenen Mitglieder der Besatzung wurden in Waldenrath bestattet. „Wir sind überwältigt, wie die Bürger hier mit den Menschen umgegangen sind, die eigentlich ihre Feinde waren“, erklärte Susy Booth-Turner, die ebenso wie die beiden anderen Nichten während der ganzen Feier zu Tränen gerührt war. „Wir sind so dankbar!“

Kay will nun im Feld weitersuchen, um vielleicht doch eines Tages Überreste von Carl Booth zu finden. Vor zwei Wochen erst sei er auf dem Feld gewesen, sagte er. Kleine Teile des Flugzeugs hatte er gefunden, die er den drei Nichten schenkte. „Aluminiumteile, und teilweise noch grüne Farbe drauf, die kenn‘ ich genau.“ Eine weitere, aktive Suche nach dem Skelett von Carl Booth sei jedoch noch nicht möglich, da der Pächter des Feldes dieser Aktion noch ablehnend gegenüberstehe, so Kay.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert