Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof: Zeichen gegen Hass

Von: hewi
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Erinnerung und Mahnung: Auf dem jüdischen Friedhof wurde der Opfer des 9. November 1938 gedacht. Foto: Wichlatz

Erkelenz. Der 9. November ist in Deutschland ein Gedenktag, der unterschiedlicher nicht sein könnte. In Berlin und anderswo feierten Hunderttausende den Fall der Mauer am 9. November 1989. Gleichzeitig wurde zumeist in kleinerem Rahmen der Opfer der Pogromnacht am 9. November 1938 gedacht.

In Erkelenz fand eine Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof an der Neusser Straße statt, die Schüler der Gemeinschaftshauptschule unter dem Motto „Wer hier war, vergisst nicht – erinnern ermöglichen“ organisiert hatten.

Schulseelsorgerin Susanne Mischnick und Projektleiter Josef Adams erinnerten mit eindringlichen Worten und Texten bekannter jüdischer Autoren an den Tag vor 76 Jahren, an dem die „unvorstellbare Grausamkeit“ begann. Sie erinnerten aber nicht nur an die Täter, sondern auch an die vielen Menschen, die tatenlos zugeschaut hatten, als ginge es sie nichts an.

Die Gemeinschaftshauptschule widmet sich seit vielen Jahren der Pflege des jüdischen Friedhofes und dem Gedenken an die Erkelenzer Juden, die dem Rassewahn der Nazis zum Opfer fielen. Dazu gehört auch das Engagement für die Stolpersteine, die der Kölner Künstler Günter Demnig überwiegend bundesweit auf Bürgersteinen vor Häusern einlässt, in denen jüdische Mitbürger bis zu ihrer Deportation gelebt haben. Von einem Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau hatten Schüler Erde mitgebracht, in die ein Mandelbaum als Erinnerung gepflanzt wurde.

„Leider sind zu viele Menschen in unserer Gesellschaft nicht bereit, sich öffentlich bei solchen Anlässen zu zeigen“, betonte Bürgermeister Peter Jansen. Umso mehr sei den Schülern für ihr Engagement zu danken. Die großen Krisenherde dieser Zeit seien scheinbar weit weg, doch seien die Auswirkungen auch hier zu spüren, sagte der Erste Bürger. Es sei an der Zeit, Zeichen zu setzen gegen Hass und Ausgrenzung in unserer Gesellschaft.

Jansen warnte vor dem Erstarken fremdenfeindlicher Parolen. Gleichzeitig hinterfragte er, ob Deutschland genug tue für Flüchtlinge und gegen extremistische Gruppierungen. Er warnte davor, sich im Rahmen der Flüchtlingsfrage in „Pseudodebatten“ zu verstricken. „Wir müssen uns erinnern und heute die Antworten auf aktuelle Fragen und Krisen finden“, betonte er. „Keinem darf egal sein, was an Unmenschlichkeiten bei uns oder sonst so geschieht.“ Die Teilnehmer der Gedenkfeier forderte der Erkelenzer Bürgermeister auf, das Thema der Verantwortung und Erinnerung unter die Mitmenschen zu tragen.

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