Gastronomisches Angebot kann mit den Shopping-Magneten nicht mithalten

Von: Norbert F. Schuldei
Letzte Aktualisierung:
6673538.jpg
Das Le Clou (rechts neben den großen Blumenkübeln) mitten auf dem Wildauer Platz steht nicht nur an trüben Novembertagen ziemlich einsam in der Gegend rum: Das Fehlen von Außengastronomie auch an schönen Sommertagen oder in lauen Maiennächten wird häufig als ein Manko genannt.

Hückelhoven. Im Prinzip ist Hückelhovens Bürgermeister Bernd Jansen stolz auf seine Stadt. Im Prinzip kann er das ja auch sein: Seit der Schließung von Europas modernster Steinkohlezeche im März 1997 hat sich die frühere Kohlestadt zu einem Dienstleistungs- und Einkaufszentrum gemausert.

Noch vor wenigen Jahren gaben Hückelhovener ihr Geld in Erkelenz, Mönchengladbach oder sonstwo aus, inzwischen lassen mehr Menschen aus dem Umland ihr Geld in den Geschäften in und um den Wildauer Platz und das Hückelhoven-Center.

Um die Menschen zum Shoppen nach Hückelhoven zu ziehen, gibt es inzwischen Magneten genug: C&A, Media Markt, Kaufland, Obi und wie die Konsumtempel so heißen. Aber was macht der Käufer in Hückelhoven nach dem Kauf? Wo kann er, besonders natürlich in den Sommermonaten, wenn‘s schön warm ist, sitzen, etwas Kühles trinken, Leute gucken, die vorbei flanieren, und dabei ein leckeres Teilchen naschen oder sich sonstwie delektieren? Kurz und gut: Wo ist die Außengastronomie in Hückelhoven rund um das Zentrum am Wildauer Platz?

Im Prinzip, um auf Bürgermeister Bernd Jansen zurückzukommen, ist Außengastronomie in Hückelhoven nicht vorhanden. „Ja“, sagt Bernd Jansen, „das ist ein schwieriges Thema.“ Ein wunder Punkt in der ansonsten makellosen Liste des erfolgreichen Umbaus der ehemaligen Zechenstadt zu einem Dienstleistungs- und Einkaufszentrum.

„Ja“, sagt Jansen, man wisse das. Und man bemühe sich seit längerem, das Problem anzupacken. Der Bürgermeister nennt „historische Gründe“, wenn er danach gefragt wird, warum es im Zentrum von Hückelhoven kaum Gastronomie gibt. Im Gegensatz zu den Städten im Umland, also in erster Linie Erkelenz, aber auch Heinsberg und Wegberg, habe man in Hückelhoven kaum einen Mittagstisch. „Wir haben in der Kernstadt einfach nicht das Publikum dafür“, sagt Jansen. In Erkelenz etwa sind die Mitarbeiter des Finanzamtes oder des Amtsgerichtes potenzielle Kunden für Gastronomie im Freien. „Das fehlt bei uns. Wir können das nur über die Frequenz verbessern.“

Über die Frequenz – das heißt konkret: Noch mehr Kunden in die Stadt ziehen. Es muss ja nicht nur über die Einkaufsschiene laufen, die Stadt hat ja auch darüber hinaus einiges zu bieten. Beim City-Fest beispielsweise „brummt“ die Stadt so sehr, dass man dies sogar in den Titel genommen hat: „Hückelhoven brummt“.

Es gibt den WEP-Strom-Lauf im Spätsommer, die Belgisch-Niederländisch-Deutschen Filmtage, es gibt regelmäßig den Trödelmarkt auf dem Gelände von Schacht 3, den Weihnachtsmarkt oder die Hückelhovener Autokino-Nacht. Bei solchen Ereignissen strömen die Massen in die Stadt, dann sind die wenigen Stühle draußen vor Le Clou auf dem Wildauer Platz besetzt, und auch im Café Anders wird man keinen Sitzplatz mehr ergattern. „Es ist für potenzielle Gastronomen schwer, von den Banken Startkapital zu bekommen“, sagt Bernd Jansen. „Wer nichts wird, wird Wirt“ - das ist womöglich der Grund für die Vorsicht der Kreditgeber.

Aber die Stadt selbst legt natürlich die Hände nicht in den Schoß, das Thema „fehlende Außengastronomie“ wurde schon oft in den politischen Gremien behandelt. Und die Entwicklung des neuen Zentrums rund um den Wildauer Platz ist ja lange noch nicht abgeschlossen: Angebunden und damit eingebunden werden soll auch das Gelände an Schacht 3. „Wir planen da eine Arena mit 1400 überdachten Plätzen und einem Fassungsvermögen von 2500 Plätzen insgesamt“, sagt Jansen.

Schon 2015/16 soll das einem Amphitheater ähnliche Veranstaltungsensemble konkret angepackt werden. „Der Masterplan für die Umgestaltung des Schachtgeländes soll weiterentwickelt und schon ab dem Jahr 2015 realisiert werden“, sagt Jansen. Und: „Insgesamt wollen wir bis zu drei Millionen Euro sowohl für die Arena als auch für die Gestaltung des Bereichs um das Schachtbauwerk 1/3 in die Hand nehmen.“ Da diese Vorhaben noch immer unter den großen Mantel der „Umstrukturierung“ fallen, hofft man bei der Stadt natürlich, dafür Schussmittel von der europäischen Union, vom Bund und/oder des Landes zu erhalten.

Erkelenz als Vorbild

Nach dem Kommunalcheck unserer Zeitung wird neben der Gastronomie im Zentrum Hückelhovens auch „Gemütlichkeit“ vermisst. Man darf vermuten, dass das eine mit dem anderen in direktem Zusammenhang steht. Das weiß auch der Bürgermeister, und er blickt - was er ansonsten nie macht - in diesem Punkt mit Neid auf die Nachbarstadt Erkelenz: Dort herrscht rund um die Arkaden des historischen Rathauses unter den drei Linden in den Sommermonaten regelrecht mediterranes Flair. Erkelenz ist an schönen Sommertagen sowas wie die nördlichste Stadt Italiens. Ist Erkelenz möglicherweise in Sachen Außengastronomie ein Vorbild für Hückelhoven? „Erkelenz ist in diesem Punkt ein Traum“, sagt Jansen. „Aber“, fügt er flugs hinzu, „wir gehen unseren eigenen Weg.“

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert