Erkelenz - Gasteltern-Projekt: Müsli statt kalter Joghurtsuppe

Gasteltern-Projekt: Müsli statt kalter Joghurtsuppe

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Erkelenz. Leberwurst-Brötchen statt Weizenfladen, Müsli statt kalter Joghurtsuppe, Kaffee statt Chai – nicht nur über die deutschen Essgewohnheiten beim Frühstück werden sich vielleicht die Jungen und Mädchen aus dem Nahen Osten, aus Afrika und Vorderasien wundern. Auch der Tagesablauf in einer deutschen Familie kann sich gravierend vom Leben einer Flüchtlingsfamilie unterscheiden.

Diese Unterschiede zwischen den Kulturen einmal auf zwanglose Weise kennenzulernen, hat sich ein Projekt von WiE, dem Verein Willkommen in Erkelenz, zum Ziel gesetzt.

WiE-Mitglied Tana Datka, die als Lehrerin am Berufskolleg viele aus ihrer Heimat geflüchtete Schüler und Schülerinnen unterrichtet, hatte die Idee mit der Gastfamilie: An zwei Wochenenden sollen Kinder und Jugendliche aus den internationalen Förderklassen in Erkelenz die Möglichkeit haben, einmal Einblicke in den deutschen Familienalltag zu bekommen. „Die meisten Schüler wissen wenig über das Essen, die Freizeitgestaltung oder die Beziehungen zwischen Eltern und Kindern bei uns“, hat die Erkelenzerin festgestellt.

Umgangsformen, Tischmanieren und die Rollenverteilung zwischen Mann und Frau in Deutschland – all das kann für Kinder aus anderen Ländern neu und interessant sein. „Umgekehrt kann es für die deutsche Familie ein Gewinn sein, durch den Gast etwas über dessen Kulturkreis zu erfahren“, ergänzt Franz Thiel, Vorsitzender von WiE.

An den Wochenenden sollen die kleinen Routinen wie das gemeinsame Einkaufen, ein Spieleabend oder der Ausflug in die nähere Umgebung im Mittelpunkt stehen; das Organisieren teurer Aktivitäten ist weder nötig noch erwünscht. Dem Rotary Club gefiel die Idee so gut, dass er das Gastfamilien-Projekt in seinem „Wettbewerb der guten Ideen“ mit 2000 Euro dotierte. Diese sollen nun zur Förderung des gegenseitigen Verständnisses, des Zusammenlebens und der Integration eingesetzt werden.

Konkret sieht das Konzept so aus: Der Verein stellt sicher, dass sich alle Projektteilnehmer vorher kennenlernen und sich passende Gasteltern für die Schüler und Schülerinnen ab etwa zwölf Jahren aufwärts finden. Dazu lädt WiE am Sonntag, 5. März, um 15 Uhr zu einer Auftaktveranstaltung ins ZaK, Mühlenstraße, ein.

Grundsätzlich kommen als Gastgeber Familien mit Kindern und Paare in Frage. Das Alter spielt keine Rolle, auch ein Rentnerehepaar kann sehr geeignet sein, einem Kind an zwei Wochenenden – von April bis zu den Sommerferien – seine Zeit zu schenken. Jedem Kind sollte ein eigenes Bett zur Verfügung stehen.

Die Kinder beziehungsweise Jugendlichen selbst sollten Grundkenntnisse der deutschen Sprache mitbringen und motiviert sein, diese anzuwenden. „Noch besser wäre ein eigenes Zimmer für die betreffenden Wochenenden, so dass das Kind sich auch einmal zurückziehen kann“, erläutert Tana Datka. „Und es wäre gut, wenn die Familie bereit ist, auf eventuelle Besonderheiten wie Allergien, Unverträglichkeiten und religiöse Bedürfnisse einzugehen.“

Die Aufnehmenden sollen maximal zehn Kilometer von Erkelenz entfernt wohnen, denn die Flüchtlingskinder sollen zu Beginn des Wochenendes von der Schule oder ihrer Unterkunft abgeholt und am Sonntagabend wieder zurückgebracht werden.

Für Notfälle erhalten alle Beteiligten eine Telefonnummer des Organisationsteams, das rund an den ausgemachten Wochenenden um die Uhr erreichbar ist. Sollten sich darüber hinaus Kontakte zwischen Flüchtlingskind und Gastfamilie ergeben, ist das begrüßenswert, aber kein Muss. Wer sich für das Gasteltern-Projekt interessiert, meldet sich bei Tana Datka unter Telefon 02431/946450 oder mailt an: datka1@web.de.

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