Ganz neue Masche: Ein Pulli für den Baum

Von: NIcola Gottfroh
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Die Damen des Strickkreises des Johanniterstifts stricken für die Entente-Florale-Aktion, bis die Finger schmerzen. Dieser Einsatz freut Alexandra Mundus, Leiterin, Bürgermeister Manfred Winkens, Sabrina Martin und Christine Mertens, Leiterin Sozialer Dienst (hinten v.l.). Foto: Gottfroh

Wassenberg. Woran denken Sie beim Wort Baumwolle? Vermutlich an flauschige Socken oder bequeme Pullover. Auch die Damen des Strickkreises des Wassenberger Johanniterstifts verbinden das Wort mit letzterem Kleidungsstück. Allerdings nehmen sie das Wort „Baumwolle“ wörtlich. Denn derzeit stricken die acht Damen des Strickkreises fleißig an einem Pullover. Einem Pullover für einen Baum.

Der Strick-Chic für den hölzernen Koloss ist eine Aktion im Rahmen der Entente Florale. Initiiert hat sie Wassenbergs Tourismusbeauftragte Sabrina Martin. Bei einem Besuch der Floriade in Venlo hat sie Bäume, eingekleidet in fröhlich verspielte Ringeloptik, entdeckt – und die Idee kurzerhand mit nach Wassenberg gebracht.

Nach Strickfans, die die Idee in die Tat umsetzen, musste sie nicht lange suchen. Dutzende Pullis, Socken und Schals für sich und die Enkel haben die Damen des Johanniter-Strickkreises schon gestrickt. Die Schränke sind voll mit Strickwaren. Und da kam die Idee, beim Stricken einmal etwas ganz anderes zu kreieren, gelegen: Die Damen im Strickkreis waren direkt begeistert und haben kurz darauf begonnen, die Nadeln klappern lassen.

Dass die Idee bei den Damen gut ankommen würde, davon war Sabrina Martin überzeugt. Wie extrem begeistert die Strickerinnen aber seit Wochen bei der Sache sind, überrascht auch die Stadtmarketing-Beauftragte und Bürgermeister Manfred Winkens, die den Damen beim Stricken über die Schulter geschaut haben.

„Manche Dame strickt von morgens bis in die Nacht. Andere lassen sich schon vor sechs Uhr wecken, um in den Stricktag zu starten“, erklärt Alexandra Mundus, Leiterin der Einrichtung. Kein Wunder also, dass die Damen bei Sabrina Martin schon Wolle nachbestellen mussten.

Drei Meter lang soll der Baumpulli, der sich um den Stamm schmiegt, in einigen Wochen sein. Ein Meter muss noch anstrickt werden, damit das ungewöhnliche Kleidungsstück dem massigen Modell passt, ohne zu spannen. Mitte Mai soll der Baum dann „angezogen“ werden.

Mit ihrer Strick-Aktion liegen die Seniorinnen total im Trend. Guerilla-Stricken, also das Einstricken von Bänken, Schildern oder Bäumen, das in so mancher Großstadt schon das Straßenbild verändert hat, ist derzeit eine angesagte Kunst der Straße. Man könnte sagen: Der Pulli für den Baum ist das gestrickte Graffiti. Aber ein Graffiti mit Maschen zaubert den Menschen im Gegensatz zu den ärgerlichen Schmierereinen ein kleines Lächeln ins Gesicht.

Einen Unterschied zu den klassischen Strick-Guerrillas gibt es allerdings bei den Damen aus dem Johanniterstift. Sie bringen den Pullover nicht in einer heimlichen Nacht-und-Nebel-Aktion an den Baum am Heckentheater auf dem Burgberg an. „Das ist in unserem Alter doch zu gefährlich“, sagt eine der Damen.

Stattdessen lassen sie ihr Wollwerk anbringen. Bei Kaffee und Kuchen schauen sie dann demjenigen zu, der dem Baum einstrickt. Dass Manfred Winkens an diesem Tag die Strickliese sein wird, ist eher unwahrscheinlich – auch wenn die Seniorinnen ihr Bestes gegeben haben, dem Bürgermeister die Idee schmackhaft zu machen.

Von Mai bis in den Herbst hinein soll der Baum seinen Pulli tragen. Danach endet die Aktion. Aber vielleicht suchen sich die Damen nächstes Jahr noch ein größeres Strickprojekt. Der Bergfried war schließlich noch nie in ein Strickgewand gehüllt – und das wäre doch mal eine Herausforderung.

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