Theaterverein Schwalmbühne Harbeck bietet ein Gefühl von Sommermärchen

Fußballrausch und Liebesplausch beim Theaterverein

Von: Monika Baltes
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Die einen fiebern mit ihrem Lieblingsclub SC Wegberg, die anderen versuchen, ihre Affären zu vertuschen: Die Schauspieler der Schwalmbühne Harbeck fesseln das Publikum bis zur letzten Minute. Foto: Monika Baltes

Wegberg. Es wurde ein sehr vergnüglicher Abend, auch wenn das „Wunder von Berk“ ausblieb. Zu „Fußballrausch und Liebesplausch“ hatte der Theaterverein Schwalmbühne Harbeck eingeladen, und natürlich war das Forum ausverkauft.

Im Mittelpunkt der turbulenten Handlung wird Fußballgeschichte geschrieben. Nur ein Relegationsspiel gegen den 1. FC Köln trennt den SC Wegberg vom Aufstieg in die Bundesliga. Wie gut, dass die Schwalmbühne über eine „s(chw)achverständigen“-Fankurve verfügt, die das Publikum an Expertenwissen und Erfahrung teilhaben lässt.

„Unsere Doppelspitze ist ein Supertrio“, stellt Willi Nölkes (Walter Kotlowski) zufrieden fest. „Es ist nur Fußball“, mahnt Udo Steves (Delk Wagner) zur Besonnenheit, wenn die Wogen mal wieder arg hoch schaukeln. Und der Dritte im Bunde, Tillmann Pöhler (Stefan Schlehbusch), ist eigentlich mehr der Verpflegung verpflichtet als dem Fußball. Die drei geben alles, fuchteln mit Gewehren herum, ruinieren frisch eingebaute Fenster und hüpfen in Hosen aus Einkaufstauschen über die Bühne.

Fanny Steves (Nadine Hörter), die Frau vom Fanblock-Udo, hat derweil alle Hände voll zu tun, ihr Techtelmechtel mit dem Trainer des 1. FC Köln zu verbergen. Sie wirft sich in Pailletten-Shirts („Moppelglitzer“), dem prominenten Liebhaber Wolldecken über den Kopf und der gierigen Tierärztin Geldscheine in den Rachen. Denn Frau Dr. Schlonske (Michaela Noethlichs), die sich ungerührt bei der Behandlung des Kölner Trainers die 90 Zentimeter langen Veterinärarzt-Handschuhe überstreift, weiß einfach zu viel.

In dem Bemühen, seinen prominenten Namen zu schützen, fährt Köln-Trainer Hennes Schwarzweiler (Roger Honisch) das volle Entertainmentprogramm, verschwindet in „klimatisieren Standuhren“, schwingt Cheerleader-Pompons und bleibt ständig auf der Flucht – in Unterhosen.

Tor in letzter Minute

Der Geduldsfaden von Fensterbauer Kalle Dörenkamp (Stuart Day) wird gleich mehreren Zerreißproben unterzogen. Der Hausherr mischt sich in seine Fensterbau-Kernkompetenz ein und die Oma hat ihm beim Pokern das Hemd ausgezogen. „Oma“, das hört Martha Steves (Sabrina Körfer), Schwiegermutter der untreuen Fanny, gar nicht gerne. Sie trägt Plüschoverall, den Titel „Harbecker Heringskönigin“ und ihre Lebensfreude wie eine Monstranz vor sich her.

Ensemble-Küken Ilka Steves (in Doppelrolle besetzt mit Jasmin Rupp und Lea Kamps) kämpft um einen Profi-Fußballvertrag — ausgerechnet beim 1. FC Köln – und muss so manchen Witz über Frauenfußball ertragen.

Auch Viola Pöhler (Andrea Kamps) teilt ihr Leid mit dem Publikum: Ihr Mann hat zu wenig Zeit, um sie auf Händen zu tragen. Am Ensemble kann es also definitiv nicht liegen, dass es kein Aufstiegs-Happy-End gab. Das lag an dem einen Tor in der letzten Minute, das der 1. FC Köln geschossen hat, obwohl das doch eigentlich eine Spezialität der Bayern ist.

Regisseurin Gaby Braun war hochzufrieden mit dem „jungen Ensemble der Schwalmbühne“. Viele Akteure standen zum ersten Mal auf der Bühne und bestanden ihre Feuerprobe mit Bravour. Der umjubelten Premiere folgten fünf weitere Vorstellungen.

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