Fünf Standorte kommen in engere Wahl

Von: hewi
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Noch ist es eine Skizze. Doch
Noch ist es eine Skizze. Doch ab 2017 könnten in den umkreisten Gebieten neue Orte entstehen.

Erkelenz-Keyenberg. Die Mehrzweckhalle war bis auf den letzten Platz gefüllt, als die ersten möglichen Umsiedlungsstandorte für die die Einwohner von Keyenberg, Kuckum, Berverath sowie Ober- und Unterwestrich vorgestellt wurden. Die rund 1650 Menschen werden wegen des Tagebaus Garzweiler II umsiedeln müssen und wollten erfahren, wohin die Reise gehen wird, wenn es in einigen Jahren soweit ist.

Schon im Vorfeld hatte sich ein Workshop im Mai und im Juni mit der Standortfrage befasst.

Mit von der Partie waren die Bürgerbeiräte, die die Ortschaften im Rahmen der Umsiedlung vertreten. Angestrebt wird eine zeitnahe und benachbarte Umsiedlung, womit eine Nachbarschaft der Ortschaften am neuen Standort erhalten bleiben soll.

Er ist da, und er kommt

„Wir wollen den Tagebau nicht, aber er ist da und er kommt”, betonte Bürgermeister Peter Jansen und erläuterte, man habe bewusst so frühzeitig mit den ersten Planungsschritten begonnen. Denn jeder müsse die Möglichkeit haben, sich reiflich und in Ruhe mit dem Thema zu befassen. Dabei müsse bedacht werden, dass die Entscheidungen auch für spätere Generationen von Belang sind. So dürfen die Zukunftsfähigkeit und das Entwicklungspotenzial des neuen Standortes nicht außer Acht gelassen werden.

Solitäre Ortschaften wird es nicht geben. Die Ortschaften werden ihre Eigenständigkeit behalten, doch auf maximal 70 Hektar enger zusammenrücken. Das ist die geplante Fläche, um rund 1100 Menschen ein neues Zuhause bieten zu können, wie der technische Beigeordnete Ansgar Lurweg ausführte. Mit einer angenommenen Umsiedlerquote von rund 70 Prozent ist das eine optimistische Rechnung.

Geplant ist die Ansiedlung in der Nähe einer bestehenden Ortschaft, um diese dann gemeinsam auf rund 2000 Einwohner aufzuwerten. Dies sei eine Größe, die für eine funktionierende Infrastruktur benötigt werde. Wichtig sei auch, dass bestehende Bindungen und soziale Strukturen erhalten bleiben.

In die engere Wahl kamen fünf mögliche Standorte, von denen zwei bei Venrath liegen, einer bei Borschemich (neu), einer bei Kückhoven und einer bei Schwanenberg und Oerath. Sieben weitere Standorte erwiesen sich bei näherer Betrachtung als weniger gut geeignet. Von den fünf „Favoriten” werden jetzt Standortanalysen erstellt, in denen die Umweltverträglichkeit und weitere Faktoren überprüft werden. Dies wird rund ein Jahr dauern.

Mit Venrath und Kückhoven würden die Umsiedlungsstandorte wieder nah am Tagebauloch liegen, was auch Fragen nach dem Lärmschutz und anderen Beeinträchtigungen aufwirft. „Das ist ein wanderndes Loch, und irgendwann ist es auch wieder weg”, erklärte Lurweg angesichts der Bedenken. Die Untersuchungen der in Frage kommenden Standorte werden auch den späteren Umsiedlern aus Holzweiler zu Gute kommen. Nach einer Erschließung durch die Stadt sollten die ersten baureifen Grundstücke Anfang 2017 zur Verfügung stehen.

Längst nicht geklärt ist, ob es zur benachbarten Umsiedlung kommt. Sollten sich die Umsiedler für eine getrennte Umsiedlung entscheiden, stünden weitaus mehr Suchgebiete für die Standortwahl zur Verfügung. Auch wurden Befürchtungen laut, dass die gewohnte Infrastruktur wie Schulen und Kindergärten an den neuen Standorten nicht zur Verfügung stehe. Hier verwies Jansen auf einen Ratsbeschluss von 2000, wonach jede „am alten Standort sinnvolle Infrastruktur auch am neuen Standort entsteht”, sofern ihre sinnvolle Nutzung auch weiterhin gewährleistet werde. Dies hänge aber von der demografischen Entwicklung ab, die mit der Planung der Ortschaften nicht gesteuert werden könne. Man könne aber nicht „die Realität schönreden”. Jansen betonte, dass bei allen Standortvorschlägen die Entfernungen zur nächsten Schule und Kindergarten berücksichtigt und ausgewiesen seien.

Entschieden verwehrte er sich gegen die Vermutung, die Stadt wolle schlecht verkäufliche Baugrundstücke an die Umsiedler loswerden. Jansen betonte, dass die Stadt von der Umsiedlung ebenso betroffen sei wie die Bürger und mahnte zur sachlichen Diskussion.

Anschließend erläuterte Erik Schöddert von RWE Power die Sozialverträglichkeitsprüfung, die vor Erteilung der Genehmigung vorzulegen ist. Dafür hat RWE das Institut infas beauftragt, Interviews mit den Betroffenen zu führen. Die Ergebnisse werden anonymisiert als Grundlage in die Untersuchung einfließen. Ziel ist eine sozialverträgliche Umsiedlung. Mit diesen Worten wurden die Zuhörer entlassen, um sich nun Gedanken über die eigene Zukunft zu machen. Viele machten sich gleich nach Schödderts Rede schweigend auf den Heimweg. Nach Diskussionen stand an diesem Abend den wenigsten der Sinn.

Im Dezember ist Befragung der Umsiedler geplant

Die Einwohner der fünf betroffenen Ortschaften erhalten im Oktober Post von RWE Power, in der sie über die anonymisierte Befragung unterrichtet werden. Die Befragung wird im Oktober und November stattfinden. Für Oktober 2012 ist eine weitere Informationsveranstaltung geplant.

Darauf folgt im Dezember eine Befragung der Umsiedler nach den Standorten. Für Anfang 2014 wird mit der Offenlegung des Umsiedlungsplans gerechnet. Ende 2014 wird der Planungsbeschluss gefasst, voraussichtlich 2015 genehmigt. Die bergbauliche Inanspruchnahme Keyenbergs erfolgt voraussichtlich 2023, 2027 folgen Kuckum sowie Ober- und Unterwestrich, 2028 Berverath.

Informationen über die möglichen Standorte und den Zeitplan des Genehmigungsverfahrens findet man auch auf der Homepage der Stadt (http://wwww.erkelenz.de) und der Bezirksregierung Köln (http://www.bezreg-koeln.nrw.de).
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