Freibad: Weitere Rücktritte in der Führungsriege

Von: Anna Petra Thomas
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Von dem Kompetenzgerangel im Hintergrund zwischen Vereinsvorstand und Geschäftsführung der Bürgerbad Kirchhoven gGmbH bekommen die Besucher des Freibads wenig mit. Foto: Anna Petra Thomas
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Mit Laury Hubert (links) und Philip Rademacher sind zwei Initiatoren des Freibads als Vorsitzender und Schriftführer aus dem Förderverein Freibad Kirchhoven ausgeschieden. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Kirchhoven. Das Personalkarussell, das schon gleich nach Aufnahme des Badebetriebs im Kirchhovener Freibad in Fahrt kam, dreht sich kräftig weiter. Im vergangenen Jahr hatten kurz nach dem Start Anfang Juni Fördervereinsvorsitzender Ralf Müller und Kassierer Heinz-Hubert Philippen ihre Ämter niedergelegt, Mitte September dann auch die stellvertretende Vorsitzende Marita von den Driesch, um nur drei wesentliche Ämter zu nennen.

Im Oktober 2016 wurde mit Laury Hubert einer der ursprünglichen Initiatoren für das Bürgerbad zum Vorsitzenden gewählt. Er hat am 1. Juli jedoch auch seinen Rücktritt erklärt, zeitgleich mit dem seinerzeit gewählten Schriftführer, stellvertretenden Kassierer und Mitinitiator Philip Rademacher.

Ähnlich wie im vergangenen Jahr Marita von den Driesch bemängeln die beiden vor allem den Kompetenzverlust des eigentlichen Fördervereins im Verhältnis zu der Bürgerbad Kirchhoven gGmbH, die von den beiden Geschäftsführern Norbert Doutrelepont und Roland Schößler ehrenamtlich geleitet wird.

Fakt sei, dass die beiden Geschäftsführer für die gGmbH nach außen allein vertretungsberechtigt seien, so Hubert und Rademacher in der Erklärung zu ihrem Rücktritt. Daher hätten sie Leitlinien vorgeschlagen, um quasi das „Innenverhältnis“ zwischen Vereinsvorstand, der gleichzeitig Gesellschafterversammlung der gGmbH ist, und den beiden Geschäftsführern zu regeln.

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In anderen Bürgerbädern ergebe sich diese Problematik nicht, erklärt Rademacher. Hier sei meist der Vorsitzende in Personalunion auch Geschäftsführer der gGmbH. Zum einen seien die Ämter der Geschäftsführer in Kirchhoven bei der Mitgliederversammlung im Herbst jedoch schon besetzt gewesen. Aufgrund des hohen Arbeitsaufwandes sowohl im Verein als auch in der gGmbH hätten damals zudem die Geschäftsführer und auch die Mehrheit im Vorstand gewünscht, die Bereiche Vereinsvorstand und Geschäftsführung personell zu trennen.

Ihren Leitlinien zufolge hätte die Geschäftsführung der gGmbH über Investitionskosten bis zu einer Höhe von einmalig 1000 Euro, monatlich höchstens 3000 Euro, alleine entscheiden dürfen. Zudem hätten für jede Investition von mehr als 300 Euro je drei Angebote eingeholt werden müssen. Der Vereinsvorstand folgte jedoch ihrem Vorschlag nicht, sondern einem zweiten vom stellvertretenden Vorsitzenden Jürgen Hohnen, in dem es heißt: „Die Geschäftsführer werden ermächtigt, Anschaffungen für Reparaturen, Instandsetzungen und Investitionen zu tätigen. Dazu reicht das Wirtschaftlichkeitsgebot.“

Eine monatliche Deckelung gibt es darin nicht, auch keine Bestimmung auf die Zahl einzuholender Angebote bei Investitionen. Geeinigt habe man sich dann im Vorstand auf eine tragfähige Lösung für alle Beteiligten, so Hohnen.

„Unüberbrückbare Differenzen in Belangen des Finanzgebarens“ nennen das Hubert und Rademacher. Sie bezeichnen dies als den wesentlichen Grund für ihren Rücktritt. Den verabschiedeten Leitlinien Hohnens zufolge sei der Verein nur noch für die Gewinnung von Mitgliedern und Sponsoren zuständig, für mehr nicht. „Der Förderverein als Träger der gGmbH und die Gesellschafterversammlung sind vollkommen marginalisiert und haben so gut wie keinen Einfluss auf die wesentliche Ausrichtung des Projekts mehr“, schreiben Hubert und Rademacher in einer Stellungnahme.

Eigentlich würden alle Entscheidungen von der Geschäftsführung der gGmbH getroffen. „Eine ernsthafte Kontrolle oder Legitimation durch den gewählten Vereinsvorstand oder die Gesellschafterversammlung existiert nicht.“ Hubert spricht sogar von einem „Geschäftsführerbad“, das inzwischen das Bürgerbad ersetzt habe. Als „federführender Vereinsvertreter“ könne und wolle er jedoch nur für Entscheidungen die Verantwortung übernehmen, auf die er auch Einfluss habe. So fordert er ein unabhängiges Kontrollgremium, das Ausgaben und Tätigkeit der Geschäftsführung überwacht.

Ein Beispiel für „mehrere teure und unnötige Anschaffungen“, das bei ihm das Fass quasi zum Überlaufen brachte, hat er auch: So hätten Schößler und Doutrelepont eine neue, rund 3500 Euro teure Fensteranlage für die Büroräume des Freibads bestellt und einbauen lassen, obwohl die Gesellschafterversammlung der gGmbH beschlossen habe, die Anschaffung zu vertagen.

„Die Geschäftsführer gehen quasi mit der Gießkanne durch das Bad und verteilen das Geld!“, empört er sich. „Mir wäre es wichtiger gewesen, Rücklagen zu schaffen, wie es auch unser Konzept vorsah, auch für die dringende Sanierung des Sprungturms und des Kinderplanschbeckens.“ Derzeit existiere für das Freibad keinerlei Finanzierungskonzept, „nicht einmal eine einfache Kostenrechnung“, sagt Hubert.

Um ein Finanzierungskonzept werde man sich im Frühjahr oder Sommer 2018 kümmern, sagt Hohnen. Eine Kostenrechnung liege jedoch vor. „Wir erhalten monatlich von der Geschäftsführung eine komplette Liquiditätsbetrachtung.“

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Im Bad seien viele Leute aktiv, so Hohnen weiter. „Bei unterschiedlichen Meinungen muss man das ruhig angehen, Dinge sachlich diskutieren und Emotionen vermeiden.“ Er sieht die Aufgabe des Fördervereins tatsächlich alleine in der Mitglieder- und Sponsorenwerbung sowie deren Verwaltung, den gesamten operativen Betrieb dagegen in Händen der gGmbH. Ein Großteil der Vorstandsmitglieder sei ohnehin als Teamleiter in der Gesellschaft aktiv, wodurch die Kommunikationswege mit den verantwortlichen Geschäftsführern kurz und effektiv seien.

Die Klagen von Hubert und Rademacher, auch in Bezug auf die neue Fensteranlage fürs Büro, bewertet er als „nicht mehrheitsfähige Meinung“ und verweist auf die Notwendigkeit dieser Investition. Ein Einbruchschutz für die PC-Anlage mit allen Personendaten und die Lebensmittelbevorratung des Kiosks seien dringend notwendig gewesen. Vor wenigen Wochen habe es bereits einen Einbruchsversuch an dieser Sicherheitstür gegeben.

Das Bad entwickele sich sehr positiv, betont er. Inzwischen seien 478 Premiumkarten verkauft, der Förderverein zähle 724 Mitglieder. Er sei bereit, das Amt des Vorsitzenden jetzt kommissarisch bis Anfang 2019 auszuüben, denn schon jetzt würden die Verhandlungen mit den Stadtwerken Heinsberg bezüglich der Verlängerung des Nutzungsvertrages und des Arbeitnehmerüberlassungsvertrages beginnen. Diese Verträge verlängern sich immer um ein Jahr.

Hohnen macht sich, anders als Hubert und Rademacher, auch keine großen Sorgen um den Sprungturm. Es liege ein 14-seitiges Gutachten mit Handlungsempfehlungen für den Sprungturm vor. Einige Teilreparaturen seien bereits vor der Badesaison von Fachfirmen abgearbeitet worden. Weitere Untersuchungen der Betonkonstruktion unterhalb der Pflasterfläche würden im Winterhalbjahr vorgenommen. Das gleiche gelte für neue Beschichtungen und Anstriche.

„Das Bad ist jetzt nach den Investitionen in einem optisch guten Zustand“, so Hohnen. Weitere Investitionen in Kinderplanschbecken, Schwimmbadabdichtung und Technik seien notwendig. „Früher ist das Bad oft schlechtgeredet worden. Dieses Gelände mit der Gartenanlage hat ein großes Potenzial.“ Hohnen sieht eher Probleme in der jetzigen Vertragskonstruktion mit den Stadtwerken. „Wir steigen jetzt in die Verhandlungen für die Zeit nach unserem Probebetrieb ein.“ Kommentar

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