Freibad Kirchhoven: Klarer Sieger nach großem Schlagabtausch

Von: Anna Petra Thomas
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Die Kirchhovener Mehrzweckhalle war voll besetzt bei der außerordentlichen Mitgliederversammlung mit Vorstandswahlen. 616 Mitglieder zählt der Förderverein Freibad Kirchhoven derzeit. Foto: anna
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Thorsten Brodermanns, Jürgen Hohnen, Laury Hubert und Philip Rademacher (v.l.) bilden den neuen geschäftsführenden Vorstand. Foto: anna
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Der Wahlverlauf gestaltete sich leicht chaotisch: Schuld waren vergessene Vollmachten. Foto: anna

Heinsberg-Kirchhoven. Nach fünf Stunden und 20 Minuten war es geschafft: Seit dem frühen gestrigen Morgen hat der Förderverein Freibad Kirchhoven nach vielen Rücktritten im Laufe des Jahres und einem heftigen Schlagabtausch zwischen zwei regelrechten Lagern wieder einen kompletten geschäftsführenden Vorstand.

Vorsitzender ist Laury Hubert, vor einem Jahr einer der drei Initiatoren des Bürgerbades sowie im ersten Vorstand Beisitzer und Pressesprecher. Zweiter Vorsitzender ist Jürgen Hohnen. Als Kassierer und stellvertretender Schriftführer fungiert Thorsten Brodermanns, als Schriftführer und stellvertretender Kassierer Philip Rademacher, ebenfalls einer der Initiatoren des Bads.

Vorausgegangen war dieser Wahl ein langer Abend. Schon beim Einlass dauerte es. Grund dafür war ein Passus in der Satzung des jungen Vereins, der es den mittlerweile 616 Mitgliedern ermöglicht, bei Wahlen ihre Stimme mittels Vollmacht auf andere Mitglieder zu übertragen. Und so gab es Mitglieder, die wie Hubert selbst auch bis zu 80 Vollmachten dabei hatten, die dann zunächst einmal alle in der Mitgliederliste dokumentiert werden mussten (siehe auch Beisteller).

Schon da zeichnete sich der Schlagabtausch zwischen den beiden Lagern ab, die im Vorfeld der Versammlung regelrecht Wahlkampf gemacht, Vollmachten gesammelt hatten und ihre Anhänger, ja sogar komplette Vorstandsteams, um sich scharten. Die eine Seite wurde angeführt vom Kandidaten Laury Hubert, die andere von Ralf Müller, der im Juni als damaliger Vorsitzender des Vereins zurückgetreten war und sich jetzt wieder ums Amt bewarb.

Zunächst ergriff jedoch noch einmal der zuletzt allein verbliebene Vorstand Norbert Doutrelepont das Wort, bevor auch er zurücktrat und den Weg frei machte für Neuwahlen. Künftig wird er nur noch Beisitzer sein, sich jedoch weiterhin, ebenfalls im Ehrenamt, als Geschäftsführer der Bürgerbad Kirchhoven gGmbH engagieren, zusammen mit Ursula Kastner. Der Appell Doutreleponts, Diskussionen sachlich zu führen und persönliche Befindlichkeiten zurückzustellen, fruchtete im weiteren Verlauf des Abends jedoch wenig.

„Einzigartige Erfolgsbilanz“

Doutrelepont selbst sprach von einer „einzigartigen Erfolgsbilanz“ und legte erste Zahlen vor: insgesamt 25.244 Gäste im Bad und 128.324,41 Euro auf den Bankkonten. „Das haben wir uns alle zusammen erarbeitet“, dankte er vor allem den Ehrenamtlern und erntete dafür viel Applaus. Allein die Warmbadenacht habe 4068 Gäste gehabt bei einem Umsatz von über 18.000 Euro.

An diesem Bericht setzte die Kritik des Müller-Lagers an, vor allem die des hier designierten Kassierers Heinz-Hubert Philippen. Er war aus diesem Amt Anfang Juni zusammen mit Müller zurückgetreten. Ein Kontostand alleine sei doch gar keine Erklärung, monierte er. Reparaturen seien dringend notwendig und Rechnungen, wie die für das Wasser, noch gar nicht bezahlt. Müller sprach gar von einem „Brutto vom Brutto“. Beisitzer Jürgen Hohnen konterte für die Hubert-Fraktion, dass das Geschäftsjahr erst am 31. Dezember zu Ende sei und man das Ergebnis erst bei der nächsten Mitgliederversammlung im März 2017 präsentieren könne.

Nachdem die Versammlung einen Antrag aus dem Müller-Lager abgelehnt hatte, zuerst die Wahlen durchzuführen und dann die Konzepte für die Weiterführung des Bads zu präsentieren, stellten Hubert und Hohnen ihre Ideen für die Zukunft vor, die aus Besuchen in anderen Bürgerbädern resultierten. Instandhaltung sei notwendig, etwa eine neue Chlordosierungsanlage, so Hubert. Vor allem aber gelte es, das Bad attraktiver zu machen, um es eventuell nach der dreijährigen Probezeit für einen Euro von der Stadt erwerben zu können, erklärte Hohnen.

So soll es schon 2017 eine Premium-Mitgliedschaft geben. Mithilfe einer Chipkarte können dann alle erwachsenen Mitglieder das Bad täglich ab 6 Uhr morgens auch außerhalb des Badebetriebs nutzen. Im Bereich der Umkleideräume soll ein Mehrzweckraum entstehen. Weitere Veranstaltungen sind geplant, so ein Adventsmarkt oder eine Silvesterfete. Fernziele nach 2018 sind sogar Ferienhäuser und eine Grillhütte auf dem Gelände, aber auch die Wärmeversorgung umliegender Neubauten mit den Blockheizkraftwerken im Bad.

„Honig ums Maul geschmiert“

Müller hatte kein Konzept mitgebracht, mahnte an, das Bad zunächst nur so zu erhalten wie es ist und vor allem sparsam zu wirtschaften. Das Hubert-Konzept tat er als „leere Versprechungen“ ab. „Ihr habt den Leuten ‘ne Menge Honig ums Maul geschmiert!“, warf er seinem Kontrahenten auch in Bezug auf dessen Vollmachten-Sammlung vor der Wahl vor.

Bevor dann nach gut drei Stunden endlich gewählt werden sollte, meldete sich noch der Stadtverordnete und ehemalige Beisitzer Stefan Storms zu Wort. Er sieht sich derzeit einer Anzeige gegenüber mit dem Vorwurf, Vorstandsmitglieder beim Kirchhovener Erntedankfest als „verlogenen Haufen“ bezeichnet zu haben. Er erklärte, niemanden beleidigt zu haben, sprach vielmehr selbst von einem vereinsschädigenden Verhalten des Vorstands und wünschte sich für den Verein einen „zukunftsfähigen, ehrlichen und menschlichen Vorstand“.

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