Freibad: Kirchhoven bekommt wohl Zuschlag

Von: Anna Petra Thomas und Daniel Gerhards
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Hier sollen bald wieder Luftsprünge ins Wasser möglich sein: Nach Informationen unserer Zeitung stehen die Zeichen auf Rettung des Freibades in Kirchhoven. Fotos (2): Anna Petra Thomas Foto: Anna Petra Thomas
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Vorstellung des Konzeptes in Kirchhoven: Viele Bürger wollen wissen, was der Förderverein erarbeitet hat.

Heinsberg. Offensichtlich hat sich die CDU-Fraktion des Heinsberger Stadtrats entschieden, für den Erhalt des Kirchhovener Freibades zu stimmen. Da die CDU nicht nur im Stadtrat, sondern auch in der Gesellschafterversammlung der Heinsberger Stadtwerke über die absolute Mehrheit verfügt, kommt das faktisch einer Entscheidung zum Erhalt des Kirchhovener Freibades gleich.

Sicher ist das aber nur, wenn sich die CDU-Mitglieder in der Gesellschafterversammlung dem Fraktionszwang unterwerfen. Die Union soll ihre Entscheidung bei einer internen Fraktionssitzung am Montag gefasst haben. Entsprechende Informationen unserer Zeitung – aus gut informierter Quelle – wollten am Dienstag weder der zurückgetretene Fraktionsvorsitzende Wilfried Louis, noch sein kommissarischer Nachfolger Norbert Krichel bestätigen.

Hoffnungen könnten sich erfüllen

Das bedeutet gleichzeitig, dass das Oberbrucher Freibad dauerhaft geschlossen bleibt. Was die CDU-Ratsmitglieder zu ihrer Entscheidung bewogen hat, ist derweil nicht bekannt. Krichel wollte sich auch nicht dazu äußern, welche Argumente bei der Sitzung vorgebracht wurden.

Die Konzepte beider Gruppen, die das jeweilige Freibad in ihrem Ort retten möchten, liegen unserer Redaktion mittlerweile vor. Beide Initiatoren, der Förderverein Freibad Kirchhoven und die IG 2020 in Oberbruch, haben ihre Vorstellung sowohl den politischen Fraktionen im Stadtrat als auch den Heinsberger Stadtwerken, dem für die Bäder verantwortlichen Unternehmen, präsentiert. Der Förderverein in Kirchhoven hat sein Konzept zudem in einer Bürgerversammlung öffentlich vorgestellt.

In ihrer nächsten Sitzung soll die Gesellschafterversammlung der Stadtwerke eine Entscheidung fällen – entweder gegen beide Konzepte oder für eines der beiden. Die Sitzung werde schnellstmöglich anberaumt, sagt Jakob Gerards, Geschäftsführer der Stadtwerke GmbH. Offenbar läuft jedoch alles darauf hinaus, dass das Freibad in Kirchhoven erhalten bleibt.

Damit könnten sich die Hoffnungen der Kirchhovener Freibad-retter erfüllen: „1938 wurde das Freibad eröffnet, und es wäre schön, wenn wir alle zusammen auch das 80-Jährige feiern könnten“, hatte Marita von den Driesch, zweite Vorsitzende des Fördervereins, jüngst bei der Vorstellung des Konzeptes in der Kirchhovener Mehrzweckhalle gesagt. Bis zu dem nun vorliegenden Konzept war es ein weiter Weg: „Es hat sich viel getan“, sagte Laury Hubert.

Er war im vergangenen Jahr einer von vier jungen Kirchhovenern, die die Initiative zur Freibadrettung ergriffen hatten. Als „Jungspunde“ seien sie belächelt worden bei ihrem Kampf „David gegen Goliath“. Mittlerweile gebe es jedoch einen Förderverein mit einem „unfassbar engagierten geschäftsführenden Vorstand“, der ihm „Ehrfurcht und Respekt“ abnötige, sagte Hubert.

Das von diesem Vorstand erarbeitete Konzept zur Erhaltung des Freibads in Kirchhoven für die Jahre 2016 bis 2018 stellten Kassierer Heinz-Hubert Philippen und Philip Rademacher vor. Demnach soll das Bad von einer gemeinnützigen GmbH (gGmbH) betrieben werden, die vom Förderverein gegründet werden soll. Zugleich bestellt der Förderverein auch den Geschäftsführer der gGmbH.

Was die Finanzplanung angehe, habe man sehr vorsichtig kalkuliert, sagte Rademacher. Bei den erwarteten Erlösen sei ein Durchschnitt der vergangenen zehn Jahre noch um zehn Prozent gekürzt worden. Zudem habe man für die Jahre 2017 und 2018 nur mit einer Steigerung von jeweils fünf Prozent gerechnet.

Auf der Kostenseite habe man von den verbindlichen Kostenvoranschlägen eines unabhängigen Gutachters immer diejenigen mit den höchsten Werten angesetzt und ebenfalls mit je fünf Prozent Steigerung in den Folgejahren kalkuliert. So ergebe sich ein „fundiert betriebswirtschaftlich aufgearbeitetes und begründetes Konzept“.

Laut Konzept soll das Freibad in Kirchhoven in diesem Jahr Einnahmen in Höhe von knapp 82.000 Euro erwirtschaften, inklusive selbst betriebener Gastronomie und Sponsorengeldern in Höhe von 10.000 Euro. Die Kosten sind auf rund 176.000 Euro kalkuliert. Darin enthalten sind Instandhaltungskosten in Höhe von 61.000 Euro und Energiekosten in Höhe von rund 54.000 Euro. Für die Energieversorgung des Bades soll ein Blockheizkraftwerk geleast werden.

Finanzielle Rückstellungen und Abschreibungen für die Instandsetzung eingerechnet, ergibt sich für 2016 diesem Konzept folgend ein Förderbedarf durch die Stadt von rund 126.000 Euro. Dieser soll für 2017 auf knapp 89.000 Euro und für 2018 auf rund 87.000 Euro sinken.

600 Arbeitsstunden

Eingerechnet sind in dieses Konzept die von derzeit rund 350 Fördervereinsmitgliedern zugesagten ehrenamtlichen 600 Arbeitsstunden pro Monat. Zudem soll die Attraktivität des Bades gesteigert werden, etwa durch einen erweiterten Spielplatz, einen Sport- und Kletterpark sowie einen vergrößerten Gastronomiebereich.

Zudem werde so verhindert, dass die Stadt ein Förderdarlehen in Höhe von 150.000 Euro zuzüglich Zinsen an das Land Nordrhein-Westfalen zurückzahlen müsse. Diese Rückzahlung werde fällig, wenn das Bad in Kirchhoven nicht mehr geöffnet werde.

Soweit die Zahlen des Fördervereins aus Kirchhoven. Bei der Rechnung, die Stadtwerke-Geschäftsführer Gerards aufgemacht hat, kommt folgendes heraus: Die Kosten für von der Stadt zu stellendes Personal und die laufenden Abschreibungen eingerechnet, belaufen sich die Kosten für die Stadt bei einer Öffnung von Kirchhoven für eine Saison auf rund 294.000 Euro. Eine Öffnung in Oberbruch würde im bereinigten Vergleich 266.000 Euro kosten. „Dabei handelt es sich zunächst um Planzahlen. Der Unterschied ist marginal und eigentlich nicht geeignet, einem der beiden den Zuschlag zu geben“, sagt Gerards.

Einen großen Vorteil für das Bad in Kirchhoven sieht Gerards aus städtischer Sicht dennoch: Während sich die Stadt beim Betrieb von Oberbruch um das operative Geschäft kümmern müsste, wird der Betrieb in Kirchhoven durch die gemeinnützige Gesellschaft übernommen.

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