Frauenchor Rjabinuschka: Lieder als Brücke in die alte Heimat

Von: hewi
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Erkelenz. Seit 20 Jahren bereichert er das Chorangebot der Stadt: der Frauenchor Rjabinuschka. Seine Mitglieder sind 1992 mit einer großen Aussiedlerwelle Deutschstämmiger aus der ehemaligen Sowjetunion nach Deutschland gekommen und fanden im Bauxhof zuerst einmal eine Bleibe in der neuen Heimat.

Dort lebten sie unter teilweise beengten Bedingungen in den Wohnungen und versuchten, sich in der neuen Heimat zurecht zu finden. Heute leben „die Russen“, wie sie hinter vorgehaltener Hand oft genannt wurden, im gesamten Stadtgebiet.

Mit russischsprachigen Liedern sangen die Aussiedlerinnen. „Den Bauxhof vermissen wir sicher nicht mehr“, ist sich Maria Karew sicher. Sie war von Anfang an dabei, als sich die Frauen um die ausgebildete Chorleiterin Nadeshda Reder sammelten und begannen, Lieder aus der alten Heimat zu singen.

Ob es Heimweh war oder nur das Gefühl, etwas gemeinsam gegen die Trostlosigkeit und Angst zu tun, weiß heute keiner mehr so genau. Auf jeden Fall kam es im August 1992 zum ersten Konzert des Chors. Aus den anfangs zwanglosen Treffen wurden wöchentliche Chorproben, die heute im evangelischen Gemeindehaus stattfinden.

Neben der Chorleiterin Reder ist seit einigen Jahren auch Willi Zache dabei, der den Chor zünftig am Tastenakkordeon begleitet. Auch er hat ebenso wie die Chorleiterin in Russland eine handfeste musikalische Ausbildung genossen, die ihm heue zugute kommt.

Der Name „Rjabinuschka“ bedeutet übrigens Eberesche, die in Russland als Symbol für Liebe und Treue steht. Die Frauen entstammen alle den deutschstämmigen Familien, die schon seit Jahrhunderten an der Wolga gesiedelt hatten und dort kurz nach der Revolution auch eine eigene Wolgarepublik hatten. Unter Stalin wurden die Deutschen dann jedoch umgesiedelt und durften ihre angestammte Heimat nicht mehr betreten.

„In Russland waren wir die Deutschen, hier waren wir anfangs die Russen“, erinnert sich Mina Bersuch über den inneren Spagat der frühen Jahre. Die Musik war ihnen also Stütze und Erinnerung gleichermaßen. Trotzdem haben die mittlerweile 18 Sängerinnen Erkelenz als ihre neue Heimat ins Herz geschlossen. Das drücken sie auch musikalisch in dem Lied „Mein Erkelenz“ aus, in dem sie ihre neue Heimat in russischer Sprache eine Liebeserklärung machen.

Zwischenzeitlich hatte man auch eine „einheimische“ Sängerin, wie Maria Karew betont. „Sie hat die Texte auswendig gelernt, weil sie kein Russisch konnte“, erinnert sie sich. „Trotzdem passte sie ausgezeichnet in den Chor.“

Wer die Proben besucht, wird überrascht sein, mit welcher Herzlichkeit und gleichzeitig diszipliniert die Damen ans Sangeswerk gehen. Das Repertoire beschränkt sich nicht auf russische Volksmusik. Auch Kirchenlieder und bekannte Schlager bereichern die musikalische Palette der Sängerinnen. Und so kommt einem immer wieder das eine oder andere Lied bekannt vor, auch wenn man den Text nicht verstehen kann.

Vom Bauxhof sind noch fünf der ehemals 22 Häuser, in denen die rund tausend Aussiedler wohnten, erhalten geblieben. Auf die Zeit dort schauen die Sängerinnen mit gemischten Gefühlen zurück. Trotzdem möchten sie nicht mehr dorthin zurückkehren.

Das Jubiläum begeht der Chor am 21. September mit einem großen Chorkonzert in der Stadthalle.

Neben Rjabinuschka werden acht weitere Chöre aus Erkelenz und der Städtische Musikverein zum Gelingen des Konzertes beitragen.

Interessant ist sicherlich auch die Ausstellung über das Leben der Aussiedler im Kreis Heinsberg, mit der sich die Landsmannschaft der Russlanddeutschen an den Feiern beteiligt.

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