Kreis Heinsberg - Frauen bei Weiterbildung klar vorne

Frauen bei Weiterbildung klar vorne

Von: Rainer Herwartz
Letzte Aktualisierung:
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Die VHS-Bildungsangebote für Erwachsene erreichen im Kreis Heinsberg etwa zwölf Prozent der Bevölkerung. Das Programm 2013/2014 sieht insgesamt 1563 Veranstaltungen vor.
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VHS-Leiter Franz Josef Dahlmanns beklagt die nur geringe Quote an Männern, die sich für eine Weiterbildung interessieren.

Kreis Heinsberg. Die Pisa-Studie für Erwachsene hat es an den Tag gebracht: 17,5 Prozent der Erwachsenen in Deutschland bewegen sich danach beim Lesen und Verstehen von Texten auf dem geistigen Niveau von Zehnjährigen. 18,5 Prozent der Testpersonen schaffen beim Rechnen laut OECD-Bericht häufig nicht mehr als einfaches Zählen und Sortieren.

 Jeder achte 16- bis 65-Jährige könne zudem keine Rechner-Maus bedienen. Mit diesem Ergebnis bewegt sich Deutschland im internationalen Vergleich in Sachen Bildung gerade einmal im unteren Mittelmaß.

Besonders fatal – Lesen und Textverständnis gilt in der Pädagogik als die wichtigste Schlüsselqualifikation für das Lernen überhaupt. „Die Pisa-Studie zeigt, dass Bildung nicht mit dem letzten Schul- oder Studientag aufhört, sondern eine lebenslange Aufgabe ist“, sagt Franz Josef Dahlmanns, der Leiter der Anton-Heinen-Volkshochschule im Kreis Heinsberg.

„Ich glaube allerdings, dass vor allem das Bewusstsein, dass lebenslanges Lernen für den beruflichen wie privaten Bereich unabdingbar ist, noch weiter gestärkt werden muss.“

Dabei sollte man denken, dass gerade Deutschland in Sachen Erwachsenen-Bildung beispielgebend ist. Nirgends sonst in Europa gebe es nämlich eine solche Konzeption für das Lernen im fortgeschrittenen Alter wie es die Volkshochschulen böten.

Mittlere kreisangehörige Städte ab einer Einwohnerzahl von 25.000 seien gesetzlich dazu verpflichtet, eine VHS vorzuhalten oder eine entsprechende Vereinbarung mit dem Kreis zu treffen, wie es in unserer Region der Fall ist. Allein in Nordrhein-Westfalen existierten derzeit 132 Volkshochschulen, bundesweit seien es 928.

Grob gefasst erstrecken sich die Bildungsangebote im System des lebensbegleitenden Lernens an der VHS laut Auftrag durch das Weiterbildungsgesetz NRW von der Förderung der Persönlichkeitsentfaltung über die Fähigkeit zur Mitgestaltung des demokratischen Gemeinwesens bis hin zur Bewältigung von Anforderungen der Arbeitswelt.

Wichtig und gleichsam bemerkenswert ist die Tatsache, dass die so genannte Elementarbildung, also das Erlernen von Lesen, Schreiben und Rechnen, für jeden Interessenten kostenlos ist. Gleiches gilt für Kurse, die einen Schulabschluss vermitteln sollen oder Integrationskurse.

Bedürftige erhielten zudem in den meisten übrigen Fachbereichen eine Ermäßigung von 75 Prozent, bestätigt der VHS-Chef. „Wir wollen ganz bewusst hierdurch ein möglichst breites Bevölkerungsspektrum erreichen.“

Doch auch wer nicht in den Genuss von derlei Vergünstigungen kommt, braucht nicht zu befürchten, dass ihn die Teilnahme an einem Fortbildungskurs bei der VHS in den finanziellen Ruin treibt. Nur ein Beispiel: Wer Chinesisch lernen möchte, kann dies ein komplettes Semester lang für 43 Euro in Angriff nehmen.

Pro Semester, versteht sich, nicht pro Monat. Der Stundensatz liegt bei 1,80 Euro. Mit fünf hauptamtlichen pädagogischen Mitarbeitern und 450 Dozenten werden die Angebote an 120 Unterrichtsstätten im Kreis Heinsberg umgesetzt.

Seit dem Jahr 2008, so belegt Dahlmanns mit einer Statistik, ist die Zahl der Teilnehmer an VHS-Kursen mit etwa 23.000 pro Jahr relativ konstant geblieben. „Sie liegt bei etwa 12 Prozent der Zielgruppe der Erwachsenen im Kreis Heinsberg.“

Doch wie sieht das Interesse an den für die Pisa-Studie relevanten Kursen aus? 15,3 Prozent der gesamten Kursteilnehmer wollen demnach eine Sprache erlernen, 3,2 Prozent streben eine abschlussbezogene Bildung an (Zweiter Bildungsweg) und 7,4 Prozent befassen sich mit dem Thema EDV im Hinblick auf die Arbeitswelt.

„Die Anzahl der Teilnehmer an EDV-Kursen ist in der Bundesrepublik in den letzten fünf Jahren zurückgegangen“, erklärt Dahlmanns. „Sie hat sich aber im Jahr 2012 stabilisiert.“ Eine Begründung hierfür hat er auch parat: „Es gibt immer weniger Menschen, die während der Schulzeit nicht mit EDV in Berührung kommen. Der Nachholbedarf ist mittlerweile gesättigt.

Daher vermitteln wir zunehmend spezielles EDV-Fachwissen.“ Und noch eines gibt Dahlmanns zu bedenken: „Die Halbwertzeit des Wissens ist in der heutigen Zeit immer kürzer. Was man vor fünf Jahren gelernt hat, ist jetzt bestenfalls noch zur Hälfte aktuell. Gerade im Bereich neuer Technologien.“

Leider, so beklagt der VHS-Leiter, seien Willen, Ehrgeiz und Einsicht in die Notwendigkeit von lebenslangem Lernen geschlechtsspezifisch äußerst ungleich ausgeprägt. Zwar bildeten die 35 bis 65-Jährigen mit insgesamt 63 Prozent aller Kursteilnehmer den Löwenanteil.

Doch nur 33,7 Prozent seien Männer. „Die Entwicklung, dass Mädchen an den Schulen mittlerweile erfolgreicher sind als Jungs, spiegelt sich auch in der Teilnehmerstruktur der Erwachsenenbildung wider. Und das bereitet uns Sorge.“

Es habe damit zu tun, dass Frauen der Weiterbildung einfach aufgeschlossener gegenüberstünden als ihre männlichen Altersgenossen. Dieses Bild ziehe sich wie ein roter Faden durch beinahe alle Kursangebote. „Die Weiterbildung ist weiblich“, resümiert Dahlmanns denn auch ohne Umschweife.

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