Wassenberg-Birgelen - Fotoschau „Volksschule 1883“: Als Pfarrer und Küster unterrichteten

Fotoschau „Volksschule 1883“: Als Pfarrer und Küster unterrichteten

Von: Anna Petra Thomas
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Wassenberg-Birgelen. „Jeden Samstag schrieben die größeren Schulkinder das Sonntagsevangelium ab“, schreibt der Historiker Franz-Josef Breuer in seinem neuen Werk, seiner fünften Fotodokumentation mit dem Titel „Volksschule Birgelen von 1883“, an dem er gerade intensiv arbeitet und für die er noch Fotos sucht.

Alle von den Schülern verfassten Schriftstücke seien auf einer Schnur aufgereiht im Schulzimmer aufgehängt worden und je nachdem, ob die Schrift besser oder schlechter gewesen sei, hätten die Kinder ihren Sitzplatz erhalten, weiß er zu berichten.

Urkundlich lässt sich seinen Recherchen zufolge die Entwicklung des Schullebens in Birgelen rund 250 Jahre zurückverfolgen. „Doch darf man annehmen, dass die Kinder unserer Gemeinde viele Jahre früher Unterricht erhielten“, sagt er, habe doch schon Kaiser Karl der Große im Jahr 813 angeordnet, dass alle Kinder der niederen Stände Unterricht in Religion, Lesen, Schreiben und Rechnen in ihrer Muttersprache erhalten sollten.

„Da Birgelen schon früh Kirchen und Pfarrer besaß, besteht die Vermutung zurecht, dass Pfarrer die Kinder in einer Art Sonntagsschule, aus der sich die Pfarrschule entwickelte, unterrichtet haben.“ Der Küster, der zugleich Organist war, habe dem Pfarrer dabei geholfen und später das Lehramt übernommen. „Es ist anzunehmen, dass der Küster im Pfarrhaus den Schulunterricht durchführte.“ Aus der Pfarrerschule oder auch Pfarrschule habe sich dann die Volksschule entwickelt.

1731 werde im Taufbuch Petrus Tillmanns als Lehrer und Küster erwähnt. Der erste seminaristisch vorgebildete Lehrer der Birgelener Volksschule sei Franz Anton Dinraths aus Waldenrath gewesen. Er habe von 1843 bis 1875 in Birgelen unterrichtet, sei Lehrer und Organist gewesen. Die Küsterstelle habe damals Wilhelm Josef Schiffers innegehabt. Nach dem Tod von Dinraths sei die Organistenstelle 1875 mit der des Küster vereinigt worden.

Seitdem sei die Lehrerstelle in Birgelen frei gewesen von allen kirchlichen Nebenämtern. Ab dem Jahr 1850 habe es bereits eine zweiklassige Schule in einem gemeindeeigenen Gebäude gegeben, weiß Breuer. Nach 1880 sei in drei Klassen mit zwei Lehrern unterrichtet worden. Am 28. Juli 1881 sei dann der Grundstein für eine neue katholische Volksschule an der Hauptstraße, der heutigen Lambertusstraße, gelegt worden. Am 19. Februar 1883 habe diese ihre Arbeit aufgenommen. 1896 habe es eine dritte Lehrkraft gegeben.

„Um die Jahrhundertwende wurden aus Birgelen und aus dessen Außenorten 170 Schulkinder in drei Klassen von drei Lehrpersonen unterrichtet“, so Breuer. 1919, nach dem Ersten Weltkrieg, seien es schon 238 Kinder gewesen. Damals sei eine vierte Klasse eingerichtet und eine vierte Lehrperson eingestellt worden. Wegen des Zweiten Weltkriegs sei die Schule von September 1944 bis September 1945 geschlossen worden.

„Am Eröffnungstag, am 4. September 1945, wurden die in einem Hause gefundenen Schulkreuze in feierlicher Prozession zur Schule gebracht“, weiß Breuer in seinem neuen Buch zu berichten. „Die früheren Lehrpersonen nahmen den Unterricht wieder auf. Es wurde die kollegiale Schulleitung eingeführt.“ Zum 1. August 1947 sei Melanie von Negri an die Schule versetzt worden.

Am 1. Februar 1949 sei eine fünfte Klasse eingerichtet worden und eine fünfte Stelle, die Paul Block, ein Flüchtlingslehrer aus Ostpreußen, übernommen habe.

 

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