Fotografien sind stets der Ausgangspunkt

Von: defi
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Die Künstlerin Marina Herrmann ist zurzeit mit ihren Bildern im Kunstverein Region Heinsberg zu Gast. Der Besuch dieser Ausstellung ist empfehlenswert. Foto: defi

Kreis Heinsberg. Wunderschöne Bilder, drei Autos im Schnee festgefahren und leider nur wenige Besucher: das Fazit der ersten Ausstellung des Jahres 2013 im Kunstverein Region Heinsberg auf dem Horster Hof bei Unterbruch. Diejenigen, die am Sonntagmorgen dem Schnee trotzten, wurden mit einer Ausstellung belohnt, für die man auch mal sein Auto festfahren kann. Die „Recken“ des Kunstvereins kriegen jedes Auto wieder auf die Straße.

Marina Herrmann ist viel gereist. Dank eines Reisestipendiums der Stadt Köln, wo die Künstlerin heute lebt, besuchte sie Tokyo, Shanghai, Sao Paulo und Dubai. Sie studierte von 1988 bis 1994 Malerei und Grafik an der Akademie der Bildenden Künste in München.

Obwohl Malerei und Grafik ihre Studienschwerpunkte waren, sind Fotografien der Ausgangspunkt ihrer Werke. Marina Herrmann: „Mit den Farben und Strukturen der Fotografien spiele ich in den Bildern weiter.“

Dieses Spielerische führt gerade in ihren neueren Arbeiten zu sehr schönen poetischen Momenten. Marina Herrmann hat an einer Nachtführung im Kölner Dom teilgenommen. Nachts ist es im Kölner Dom ziemlich dunkel. „Ich verwende kein Stativ“, sagt sie.

Vor der Schmuckmadonna, einem Wallfahrtsort der Sinti und Roma, findet sich stets ein üppiger Blumenschmuck. Den hat die Künstlerin aus der Hand fotografiert, die Belichtungszeit dürfte so bei zwei bis drei Sekunden gelegen haben. Das Foto ist verwackelt. Aber wunderschön verwackelt, das muss man können. Verwackelte Fotos dieses Blumenschmucks tauchen in einer mehrteiligen Arbeit, die Marina Herrmann im Kunstverein zeigt, gleich mehrfach auf in unterschiedlichen Formaten.

Daneben hängen Gouachen mit vielen dünneren oder auch dickeren Schichten vermalt und manchmal mit Lack überzogen. Ein gar nicht so großes Bild ist besonders eindringlich, sehr dunkel, man erkennt rundliche Strukturen, die sich teilweise farblich leicht absetzen.

Eine vielteilige Arbeit hängt an einer anderen, einer hohen Wand. Die Augen wandern über die kleinen Arbeiten, und jeder Betrachter entdeckt etwas anderes.

Ingrid Trantenroth-Scholz, die die Einführungsrede hielt, erläuterte den Prozess der selektiven Wahrnehmung, der von den persönlichen Erfahrungen des Betrachters gesteuert würde.

Zu sehen ist beispielsweise das Gebäude für Schiffsfrachtangelegenheiten in Shanghai aus 350 Meter Höhe fotografiert. Marina Herrmann bearbeitet ihre Fotografien zwar farblich am Computer, weitere Verfremdungen gibt es in ihren Fotos nicht. Das Gebäude für Schiffsfrachtangelegenheiten oder der Kamin einer Markthalle im südafrikanischen Soweto entwickeln einen Zauber, den man auch bei drei Fotografien findet, die Marina Herrmann im oberen Raum des Kunstverein zeigt, fotografiert durch eine Milchglasscheibe im Kunstmuseum Bregenz mit der Linse des Handys.

Wie gewohnt, erscheint auch zur Ausstellung von Marina Herrmann, „Visual Structures“ betitelt, eine Edition, eine Fotografie im Format 24mal18 Zentimeter, entstanden in Shanghai.

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