Heinsberg - Flüchtlingshelfer ab sofort in „amtlicher“ Mission

Flüchtlingshelfer ab sofort in „amtlicher“ Mission

Von: Anna Petra Thomas
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Dana Mehr (links) und Silvia Kremers mit einem Muster für den neuen „Ausweis für Flüchtlingshelfer“. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Heinsberger Bürger, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge in der Kreisstadt engagieren, können dies ab sofort in ganz „amtlicher“ Mission tun, ausgestattet mit einem „Ausweis für Flüchtlingshelfer“. Diesen haben Wolfgang Paulus und sein Team im städtischen Ordnungs- und Sozialamt eigens für diesen Zweck entwickelt.

Der neue Ausweis erlaubt seinem Inhaber nicht nur, das Wohnheim, in dem der oder die von ihm betreuten Flüchtlinge leben, zu betreten, unter Wahrung der Privatsphäre natürlich. Mehr noch ist der Träger des Ausweises über die Stadt versichert, sollte er in Ausübung seiner Tätigkeit einen Unfall erleiden. Der Dank für dieses bürgerschaftliche Engagement könne ja nicht sein, dass der Ehrenamtler im Falle des Falles auch die Kosten noch selber tragen müsse, erklärte Paulus, der in der Stadt Heinsberg Leiter des Ordnungs- und Sozialamtes sowie zugleich Integrationsbeauftragter ist, zu der neuen Initiative.

Treffen vom Netzwerk

Damit überraschte er die engagierten Bürger und Vertreter von Einrichtungen, die zum zweiten Treffen vom Netzwerk für ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit und Integration gekommen waren, das Paulus im März ins Leben gerufen hatte. Und auch dieses Mal freute er sich wieder über einen gut besetzten kleinen Sitzungssaal im Heinsberger Rathaus.

Neben dem Versicherungsschutz bietet der Ausweis noch einen weiteren Vorteil, in diesem Fall für den Flüchtling. Er kann seinen Betreuer mit ganz konkreten Vollmachten ausstatten. Zur Wahl stehen die Wahrnehmung verwaltungsrechtlicher oder sozialrechtlicher oder privater Angelegenheiten. Dabei gehe es vor allem um private Verträge, so Paulus. Es gebe schon jetzt Fälle, wo Versicherungsvertreter die Flüchtlinge in den Wohnheimen aufsuchen würden, um ihnen Verträge aufzudrängen.

Aufgrund negativer Erfahrungen, auf die er nicht näher eingehen wollte und dem Umstand, „dass der Flüchtling in der schwächeren Situation ist“, wird die Gültigkeit jedes Ausweises zunächst auf drei Monate begrenzt. Ent­wickelt sich in dieser Zeit ein positives Verhältnis zwischen dem jeweiligen Flüchtling und seinem Betreuer, kann der Ausweis jeweils jährlich verlängert werden.

Paulus riet in diesem Zusammenhang, nicht mehr als fünf Betreuungsverhältnisse einzugehen, weil diese sehr viel Freizeit erfordern würden, und merkte zugleich an, dass jeder Ehrenamtler sein Mandat jederzeit niederlegen könne.

Informationsbroschüre

Weiter stellten Paulus und sein Team bei diesem zweiten Treffen eine 32 Seiten starke, dreisprachige Informationsbroschüre für Flüchtlinge vor. „Wegweiser für Flüchtlinge – Wo bekomme ich welche Hilfe?“ ist sie überschrieben. Sie enthält unter anderem alle wichtigen Adressen von Behörden, wichtige Notrufnummern, die Adressen und Angaben zu den Sprachkenntnissen von Ärzten, Informationen zur Versorgung mit Lebensmitteln und zu Sprachkursen, zum Öffentlichen Personennahverkehr oder zu Sport- und Kulturangeboten.

Waren im März noch rund 200 Flüchtlinge in der Stadt, sind es derzeit rund 235, davon mehr als 40 Kinder im Alter unter 14 Jahren. Darüber hinaus wohnen derzeit noch 35 Flüchtlinge in Wohnheimen, die mittlerweile vom Jobcenter betreut werden. „Es ist sehr viel Bewegung in der Flüchtlings­arbeit“, so Paulus. Deutschland sei weiter ein attraktives Zielland für Migration. Neue Zuweisungen seien in den vergangenen Wochen auch mit Abgängen verbunden gewesen, etwa zu Verwandten. Derzeit kämen überwiegend Flüchtlinge aus dem afrikanischen Raum sowie aus Irak und Afghanistan nach Heinsberg, keine aus Syrien.

Weitere Flüchtlinge zu erwarten

„Wir müssen aber weiteren Wohnraum vorhalten“, betonte Paulus. Derzeit seien 28 Plätze frei. Er hoffe, dass er weitere Wohnungsangebote für die Unterbringung von Flüchtlingen erhalte, sagte er. Ansonsten müssten im schlimmsten Fall leerstehende Wohnungen beschlagnahmt werden. Auch über eine Reaktivierung des ehemaligen Flüchtlingswohnheims in Kirchhoven an der Stapper Straße werde derzeit nachgedacht, denn mit der Ankunft weiterer Flüchtlinge sei zu rechnen.

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