Flüchtlingsheim: Bürger fordern Gespräch mit der Stadt

Von: Ingo Kalauz
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Hückelhoven-Altmyhl. Die Wurzeln des Örtchens Altmyhl reichen zurück bis in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts; die Kohlehalde, die sich für den heute 270 Einwohner zählenden Stadtteil von Hückelhoven wie eine Art künstliche Demarkationslinie bis an die Wäscheleinen in den Gärten der oft im Fachwerk gebauten Häuser ausdehnt, wurde Mitte des 20. Jahrhunderts aufgeschüttet: Ein Relikt aus der Steinkohlezeit wie der inzwischen von Wildwuchs übersäte Parkplatz vor dem Ortseingang gegenüber dem alten Verwaltungsgebäude der ehemaligen Zeche Sophia-Jacoba.

Um dieses brach liegende Gelände ist ein Streit entbrannt, der jetzt den Versammlungssaal der einzigen Kneipe des Ortes, dem an der durchgehenden Dorfstraße gelegenen Altmyhler Hof, aus den Nähten platzen ließ.

„Treffen der Bürger zum geplanten Asylanten-Neubau“ steht auf der von Stefan Bohnen unterzeichneten Einladung, die an die Haushalte verteilt worden war. Anlass der Einladung ist das Vorhaben der Stadt, auf dem alten Parkplatzgelände neben einem bereits genehmigten Mehrfamilienhaus für 16 Parteien ein weiteres Mehrfamilienhaus für elf Asylbewerberfamilien, die der Stadt zugewiesen werden, zu errichten.

Davon seien die Bürger Altmyhls nicht unterrichtet worden, lautet der Vorwurf in Richtung Hückelhovener Rathaus, den Stefan Bohnen als Einstieg in die Bürgerversammlung wählt. „Wer wusste davon Bescheid, wer ist informiert worden?“, fragt er. Als keiner der dicht gedrängt an Tischen sitzenden und am Rande stehenden Frauen und Männer den Arm hebt, ist die größtmögliche Basis der Legitimation für die Versammlung gegeben.

Auch auf Bohnens rhetorische Frage „Passen diese Bunker zu unserem Dorf?“ bleiben die Hände wie zu erwarten unten. Als einer der Bürger Anstoß an der Bezeichnung „Bunker“ nimmt, nennt Bohnen die Bauvorhaben fortan „Häuschen“. Darauf kehrt die Ruhe wieder ein.

Bohnen hebt mehrmals hervor, dass ihm bei Gesprächen im Vorfeld dieser Veranstaltung „nie und nirgends eine fremdenfeindliche Haltung entgegengeschwappt“ sei. Im Gegenteil: Die Altmyhler seien sogar dafür, „die Asylanten in leerstehenden Wohnungen in den Häusern zu integrieren“. Das sei eine „tolle Haltung“ findet Bohnen, und er sagt „Dank dafür“.

Aber ein Mietshaus mit elf Wohneinheiten direkt am Eingang des Ortes zu bauen, wie die Verwaltung dies vorschlägt? Das, so Bohnen, gehe gar nicht: „So ein Haus passt hier nicht hin. Das wäre im Verhältnis so, als würde man in Ratheim eine Siedlung für 2000 Leute bauen.“ Außerdem würde damit einer „Ghettobildung der Asylbewerber“ Vorschub geleistet: „Es stehen viele Wohnungen im Ort frei. Da kann man diese Menschen einziehen lassen“, sagt er.

Kein Einspruch, keine Widerrede.

Unterstützt wird Stefan Bohnen in der Moderation der Versammlung von Werner Leopold. Der war als Vorgänger von Thomas Schnelle Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes und hat das Schreiben an Bürgermeister Bernd Jansen (CDU) aufgesetzt, in dem er sich gegen den Bau des Mehrfamilienhauses auf dem ehemaligen Parkplatz ausspricht. Dieses Papier war von sehr vielen Altmyhler Bürgern unterzeichnet worden, und es war der Anlass, dass die Beschlussvorlage im Bau- und Umweltausschuss am 5. April von der Tagesordnung genommen wurde. Die Verwaltungsspitze bot Leopold sowie „20 Altmyhler Bürgern“ stattdessen ein Gespräch über das Bauvorhaben an.

„Einiges läuft nicht rund“

Das, so Leopold, ginge gar nicht. Denn wie solle er 20 Altmyhler Bürger aus der viel größeren Zahl derer, die sein Schreiben gezeichnet hatten, auswählen. Er habe, sagt Leopold, dem Bürgermeister einen neuen Brief geschrieben. Und er habe darin einen Vorschlag gemacht: „Nicht wir kommen zur Verwaltung, die Verwaltung kommt zu uns.“ Im Jugend- und Freizeitheim des kleinen Ortes sei im Gegensatz zum Rathaus in Hückelhoven Platz für alle Bürger Altmyhls, also für bestenfalls 270 Menschen. Als Stefan Bohnen darüber abstimmen lässt, ob man Leopolds Brief so an den Bürgermeister schicken soll, bleibt diesmal kein Arm unten: Alle dafür. Mit der nochmaligen Versicherung Bohnens „es geht nur um das Bauvorhaben, es gibt keinen fremdenfeindlichen Hintergrund“ ist die Versammlung beendet.

Beobachter der Zusammenkunft an diesem Abend ist auch Norbert Fister. Der CDU-Stadtverordnete ist Vorsitzender des Bauausschusses im Stadtrat. „Da läuft in der Verwaltung zurzeit einiges nicht rund“, sagt er. In Doveren und in Brachelen sei mit der Bevölkerung im Vorfeld der Planung der Mehrfamilienhäuser gesprochen worden. Ausgerechnet in Altmyhl habe man dies „wie damals in Hilfarth“ versäumt. Altmyhl gehört zu Fisters Wahlkreis.

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