Flüchtlinge zu Besuch im Rathaus

Von: hewi
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Bürgermeister Peter Jansen konnte nun ganz besondere Gäste im Rathaus empfangen. Eine Gruppe von Flüchtlingen stattete ihm im Rahmen eines Sprachkurses einen Besuch ab. Foto: hewi

Erkelenz. Besondere Gäste konnte Bürgermeister Peter Jansen nun im Rathaus begrüßen. Eine Gruppe von Flüchtlingen stattete ihm im Rahmen eines Sprachkurses einen Besuch ab. Beim Empfang im großen Sitzungssaal erfuhren die Besucher aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Bali eine Menge über die Stadt.

Schließlich hat Jansen für solche Besuche eine Präsentation über Erkelenz vorbereitet, die einen umfassenden Überblick über Brauchtum und Sitte, Haushalt und Schulen sowie zum Thema Tagebau, der die Stadt seit Jahren beutelt, liefert.

Die Präsentation ist normalerweise für Schülerklassen des siebten und achten Schuljahres geeignet. Dabei griff Jansen auch schon einmal zu plastischen Bildern, um zu erklären. „Die Bagger, die hier nach Kohle graben, sind so hoch wie der Kirchturm hinter mir.“

Auch die Schwierigkeiten, die die Erkelenzer hatten, um die große Zahl an Flüchtlingen in der Vergangenheit unterzubringen, waren an diesem Tag für die Besucher durchaus nachvollziehbar. „Die Teilnehmer haben die Sprache gelernt und sollen nun kennenlernen, wie die Kommunen funktionieren, in denen sie zu Gast sind“, erklärte Athina Roubert am Rande des Treffens.

Einfache Worte

Gemeinsam mit Bernd Deling leitet sie den Integrationskurs, der von der Heinsberger Weiterbildungsakademie Schöne angeboten wird. Was dieser für Aufgaben umfasst? Er erläutert den Besuchern manche schwierige Information in einfachen Worten. Die Zusammenhänge von Gemeindefinanzierung, Steuererträgen und finanziellen Zuwendungen durch Land und Bund sind schließlich auch für manchen Deutschen schwer zu durchschauen.

Die Gäste hatten an diesem Tag aber auch Gelegenheit, Fragen zu stellen und Sorgen zu äußern. Diese drehten sich meist um die Frage, wann man einen Ausweis bekäme und arbeiten gehen könne. An der Arbeit, so Jansen, scheitere es in Erkelenz nicht. Davon sei genug da. Dafür allerdings an Ausweisen, denn die stelle der Bund aus und darauf habe man in Erkelenz keinen Einfluss.

Schnell wurde klar, dass die Flüchtlinge oft nicht wissen, wie ein Asylverfahren in Deutschland funktioniert, meinte Jansen. „Das ist etwas, was man schon bei der Einreise hätte erklären müssen“, betonte Jansen. Das Versäumnis sei ein Beleg dafür, dass Deutschland mit der Situation, die für beide Seiten eine große Herausforderung sei, überfordert sei.

Erkelenz beherbergt derzeit 800 Flüchtlinge, von denen die meisten in privaten Unterkünften untergebracht sind. Jansen dankte vor allem den vielen ehrenamtlichen Helfern, die dazu beitragen, die Situation zu bewältigen. „Wir schaffen das“, betonte er, fügte allerdings hinzu: „Aber es wird eng.“ Deshalb sei es notwendig, dass Menschen, deren Anträge abgelehnt würden und die daher kein Bleiberecht hätten, in ihre Heimat zurückkehren würden.

Von Vorfällen distanzieren

Die Flüchtlinge nutzten den Besuch auch, um sich von den Vorfällen in der Silvesternacht in Köln und anderen Städten zu distanzieren. Ihre Frage, ob es in Erkelenz Probleme mit Flüchtlingen gebe, konnten Jansen und Manfred Nause vom Verein Willkommen in Erkelenz verneinen.

Der 17-jährige Waheed aus Afghanistan erklärte, dass er in Deutschland studieren und sich eine Zukunft aufbauen wolle. Er warte aber schon lange auf seine Anerkennung. Dies, so wusste Jansen, liege daran, dass Afghanistan derzeit als sicheres Herkunftsland gelte, was die Anerkennung erschwere.

Noch Fragen offen

Aus Afghanistan stammt auch Mohammed. Er ist seit 15 Monaten mit Frau und Tochter in Deutschland. In seiner Heimat habe er zehn Jahre für die UN-Truppen gearbeitet, weshalb er später von den Taliban verfolgt wurde. Was nutze es da, dass Afghanistan ein sicheres Herkunftsland sei, wollte er wissen. Letztendlich blieben an diesem Tag noch viele Fragen offen und sicherlich hatte noch nicht jeder der Besucher verstanden, wann und ob er auch einen Ausweis erhalten werde. Trotzdem zeigten sich alle Beteiligten mit dem Besuch zufrieden.

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