Fliegen kann jeder, Landen ist die Kunst

Von: Dettmar Fischer
Letzte Aktualisierung:
10349939.jpg
Wilbert van Laar hat seinen Flieger mit Teilen aus dem Baumarkt zusammengebastelt. Den Rettungsfallschirm für den Fall eines „unkontrollierten Flugzustands“ wird er hoffentlich nie benötigen. Foto: defi

Waldfeucht-Braunsrath. „Fliegen kann jeder Affe, nur wer landen kann, kann wirklich fliegen.“ Diesen Satz eines erfahrenen Piloten zitiert Josef Staaks gerne, wenn er einen Blick auf die etwas kurz geratene Landebahn wirft, die das Gelände des Ultraleicht-Flugclubs Heinsberg-Selfkant zum Flugplatz macht. Staaks ist der 1. Vorsitzende des Vereins, für dessen Mitglieder das Fliegen die schönste Freizeitbeschäftigung ist - und vielleicht noch etwas mehr.

„Es gibt nichts schöneres als Fliegen – frei wie ein Vogel,“ sagt Josef Staaks. Die kurze Landebahn ist das einzige Manko des Flugplatzes gleich an der Landstraße von Heinsberg nach Selsten auf Waldfeuchter Gemeindegebiet. Aber wer auf den 300 Metern sicher runterkommt, der kann wirklich fliegen und überall sicher landen.

Beim Tag der Offenen Tür auf dem Flugplatzgelände des „internationalen“ Fliegerclubs, auch Niederländer und Belgier zählen zu den 120 Mitgliedern, durfte jeder für kleines Geld eine Viertelstunde Schnupperfliegen. „Die haben ja fast alle einen Swimmingpool hinterm Haus“, staunte eine Passagierin nicht schlecht beim Blick von oben.

All diejenigen, die bis heute davon überzeugt sind, dass Gott sich was dabei gedacht hatte, als er dem Menschen Arme statt Flügel gab, konnten das Fluggeschehen, von der wunderschön ausgebauten Terrasse an Hangar 1 bei Kaffee und Grillwürstchen bequem verfolgen. Neben Hangar 1 steht dank des Fleißes der aktiven Vereinsmitglieder seit diesem Jahr Hangar 2.

In den beiden großen Hallen sind 40 Maschinen untergebracht. Einige machen dem Clubnamen alle Ehre und sehen wirklich ultraleicht aus. Sie erinnern den Betrachter an die ersten „fliegenden Putzlappen“, wie die Piloten ihre Maschinen liebevoll nannten, als ihre mit Drahtseilen verspannten Dreiachser, den Piloten noch zu strenger Diät verpflichteten, sollte dem Fluggerät nicht jenseits der 85 Kilomarke die Puste ausgehen.

Doch die Entwicklung bei den Leichtfliegern hat seit dem Jahr 1984, als Wolfgang und Richard Deussen zusammen mit Bodo Görtz den Ultraleicht-Flugclub ins Leben riefen, gewaltige Fortschritte gemacht. Ein Wochenende mal eben nach Borkum oder zum Bodensee ist auch mit einem Ultraleichtflugzeug heute kein Problem mehr. Mit acht bis zwölf Liter Super liegt der Flieger ein wenig über dem Verbrauch der automobilen Mittelklasse.

Flieger aus dem Baumarkt

Gebrauchtflieger kosten ab 4000 Euro. Wer möchte und kann, der darf für Spitzenteile auch gerne 150.000 Euro hinblättern. Oder man geht wie Clubmitglied Wilbert van Laar in den nächsten Baumarkt, kauft ein paar Aluleitern, Schüppen- und Axtstiele und bastelt sich seinen Flieger in der Garage selber zusammen. Die Leitern hat van Laar in Rumpf und Tragflächen verbaut, die Holzstiele im Fahrwerk.

Als die Aluleitern mitsamt 80 PS-Flugzeugmotor und Wilbert an Bord sich tatsächlich in die Lüfte erhoben, war Wilbert van Laar der glücklichste Pilot auf der ganze Welt (anzuschauen auf youtube, Stichwort: Leiterflugzeug). 1003 Stunden verteilt auf vier Jahre hat der „verrückte Wilbert“, wie er sich selber in seinem kleinen Film nennt, an seinem Unikat geschraubt. Wie alle anderen Ultraleichtflugzeuge hat auch Wilbert van Laars für den Notfall einen Fallschirm an Bord.

Erst ein Mal, weiß Platzwart Peter Gossens, sei bei einem Clubpiloten ein „unkontrollierter Flugzustand“ eingetreten, der jegliche Kontrolle über das Flugzeug unmöglich machte und das Zünden des Not-Fallschirms mit Hilfe einer kleinen Rakete erfordert habe. Relativ unbeschadet seien Pilot und Maschine damals zur Erde geschwebt, erinnert sich Peter Gossens.

Er ist selber ein leidenschaftlicher Flieger und zählt mit Josef Staaks zu den Gründungsmitgliedern des Vereins. Sie haben den Club schon in der ein oder anderen Turbulenz erlebt und mitgeholfen, ihn zu dem zu machen, was er heute ist: ein Treffpunkt für alle Flugbegeisterten.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert