Feuerwehrmann: Über den Heldengeruch aus Rauch und Schweiß

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Wenn er Anekdoten erzählt, lachen die Zuhörer Tränen: Jörg Nießen (Mitte) ist Berufsfeuerwehrmann und Komiker.

Wassenberg. Man muss ihn einfach lieben, den Feuerwehrmann! Und das besonders, wenn Jörg Nießen ihn präsentiert, wie bei seiner Lesung „112 Gründe, die Feuerwehr zu lieben oder: Aus dem Alltag der Feuerwehrleute“ der Bücherkiste Wassenberg. Viele aberwitzige wie nachdenkliche Anekdoten zeigen den Alltag eines Feuerwehrmanns.

In der voll besetzten Schulaula präsentierte Jörg Nießen seine Anekdoten und Geschichten aus dem Alltag der Feuerwehr. Nießen ist Berufsfeuerwehrmann, der aber angesichts der anwesenden ehrenamtlichen Feuerwehrleute deutlich machte, dass ohne sie, die mit derselben Kompetenz, aber ohne Beamtenstatus und Gehalt, halb Deutschland ohne Brandschutz wäre. Sie seien sozusagen das Rückgrat für den Brandschutz.

Viele Klischees über den Feuerwehrmann spielte er lachmuskelstrapazierend durch: Der Feuerwehrmann als Kindheitstraum, als Hass- oder Neidfigur für Ehemänner, als Held beziehungsweise modernen Ritter. Sogar dem Astronauten sei er im Status weit überlegen, als trinkfester Macho, der keine Scheu vorm An- und Zupacken habe. Es ist das Spiel mit einem typischen Männerberuf, der sich aber dem weiblichen Element langsam öffne (1973 gab es ein Prozent, 2000 immerhin schon fünf Prozent weibliche Feuerwehr„männer“).

Auch die Fachsprache nahm er aufs Korn, wie etwa den Begriff „Martinshorn“, der entgegen der Bürgerweisheit nichts mit dem berühmten Heiligen, sondern mit der Herstellerfirma zu tun habe und viel schönere Assoziationen wecke als der etwas dürre, bürokratische Begriff „Folgetonhorn“.

Und wohin mit der nach einem Einsatz nach Brandgeruch und Schweiß stinkenden Feuerwehr-Montur? Nicht immer seien die Mütter oder Ehefrauen diesem außergewöhnlichen Heldengeruch freundlich gesonnen. Aber wehe, wenn man ihnen verrate, dass man in der Feuerwehrwache auch die Beherrschung der Waschmaschine erlernt habe.

Nach einer kleinen Erfrischungspause ging es dann weiter mit etwas längeren Kurzgeschichten, wie der Geschichte von dem Taxifahrer Jupp, einem sogenannten „Wirkungstrinker“, dessen erklärtes Ziel „der Verlust der Muttersprache“ gewesen sei und der den vollen Einsatz des vom Sommelier herbeigerufenen Feuerwehrmannes samt der noch zusätzlich angeforderten Polizei erforderlich machte, um ihn – nach einem Sturz vom Barhocker und mit riesiger Kopfplatzwunde – ins Krankenhaus zu verfrachten.

Einige Zuschauer lachten Tränen, als Nießen von der Spontangeburt einer Frau im Einsatzwagen erzählte. Die Begeisterung war so groß, dass noch eine Zugabe gefordert wurde, deren Wahl Nießen dem Publikum überließ: „Sie haben die Wahl zwischen Sex oder Fäkalien…“ Und so endete denn der heitere Abend mit den kolportierten Folgen einer Genießer-Kreuzfahrt, die – wie alle vorherigen Episoden auch – ein Fall für die Feuerwehr geworden war.

Man muss sie einfach lieben, die Männer unter dem Martinshorn, auch wenn man sie lieber nicht im eigenen Wohnzimmer sieht.

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