Festakt zum 50. Jahrestag der Rückkehr nach Deutschland

Von: agsb
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Der Männergesangverein sang Lobeshymnen auf das Heimatland.
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Das Trommler- und Pfeiferkorps St. Martini Isenbruch führte den Festzug der Ehrengäste zum großen Festabend und eröffnete auch anschließend mit einem Bühenspiel den Festakt zum 50. Jahrestag des Rückführung des Selfkantlandes an die Bundesrepublik Deutschland. Es wurde ein Abend, den man so schnell nicht vergessen wird. Fotos (3): agsb Foto: agsb
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Die drei Kinder der Westzipfelschule begeisterten mit ihrem Mundartvortrag. Regionalredakteur Dieter Schuhmachers sorgte dafür, dass alle im Festzelt die drei Kleinen gut verstehen konnten.

Selfkant-Isenbruch. „Ne, wat is dae Selfkant schön. Wu de kickst, do ist het grön. Wenn irgendwu det Glöckske schleet, wenn irgendwu det Trümmke jeht, de weet ich, hier hie gehür ich hin. Ich will nirgens angesch sinn“, so die Westzipfel-Schulkinder Max Schwartzmanns, Kim Wählen und Jule Smeets mit ihrem Mundartvortag beim offiziellen Festakt vor vielen hunderten Gästen. Im Rahmen der Sommerkirmes in Isenbruch, dem westlichsten Ort nicht nur der Gemeinde Selfkant sondern auch der Bundesrepublik Deutschland, feierte die Gemeinde Selfkant „50 Jahre Deutschland“.

Am 23. April wurde das Selfkantgebiet nach Gebietsansprüchen der Niederlage aus den Kriegswirren unter niederländische Auftragsverwaltung gestellt. 14 Jahre dauerte diese Auftragsverwaltung, mit dem Mitternachts-Glockenschlag am 31. Juli 1963 gehörte der Selfkant wieder seinem einstigen Heimatland an.

Um ein ganzes Feld erweitert

Das Festzelt Isenbruch wurde eigens für diesen Festakt um ein Feld erweitert, im Vorfeld zeichnete sich bereits ein gewaltiger Besucherandrang ab. Die Gemeindeverwaltung leistete Extraschichten, denn das Festzelt wurde für diesen Abend herrlich geschmückt; alle Ehrengäste und angemeldete Gäste erhielten als Präsent eine eigens angefertigte Selfkanttasse am Abend.

Vor dem offiziellen Start wurden die Ehrengäste am „Schöttehus“ empfangen, anschließend vom Trommler- und Pfeiferkorps Isenbruch zusammen mit der St.-Martin-Schützenbruderschaft zum Festzelt begleitet. Dieter Schumachers, Regionalredakteur unserer Zeitung, führte gekonnt durch das Programm und eröffnete gleich auch eine einzigartige Fotoausstellung ab 1949 von Willi Hostenbach im Zelteingangsbereich.

Das Trommler- und Pfeiferkorps St. Martin Isenbruch eröffnete musikalisch den Festabend, danach begrüßte Bürgermeister Herbert Corsten seine Gäste. Corsten bezifferte den „Wert“ eines jeden Selfkantbürgers am 1. August 1963 mit 35 000 Deutsche Mark, denn die Rückgliederung kostete mit 280 Millionen Deutsche Mark an die Niederlande einen stolzen Preis.

Als besondere Ehrengäste begrüßte der Bürgermeister die Geistlichkeit mit Pfarrer Roland Bohnen und Ralf Schlösser, dem leitenden Kreisrechtsdirektor Josef Nießen, Vorstandsitzenden den Banken Thomas Pennartz (Kreissparkasse Heinsberg) und Klaus-Dieter Kröll (Raiffeisenbank Heinsberg), Markus Palic (Geschäftsführer der West (Kreiswerk), ferner viele Vertreter aus der Politik und Wirtschaft sowie die Ratsvertreter und alle anwesenden Mitbürger/innen aus dem Selfkantland.

Ein Bekenntnis zur Heimat

Der Festakt begann gleich mit einem Bekenntnis zur Heimat: „Ues Muedersproak“ ist das Herz der Heimatvereinigung. Willi Hostenbach und Hans Loomans ernteten mit ihren Beiträgen großen Applaus, das Herz aller lachte dann beim Vortag der Kinder. Die „Kleinen“ John van Cleef, Jan Peulen, Leonie Gunth, Klara Franken, Saskia Lasczik, Jan Grüters, Vanessa Kuba vom Kindergarten Sonnenstrahl Schalbruch demonstrierten eindrucksvoll das Selfkantplatt wie auch anschließend die Drei von der Westzipfelschule. Lobeslieder auf die Heimat sang der NRW-Meisterchor St. Josef Höngen. Mit Gerd Passen, Mathias Deckers, Franz Jütten und Pieter van Rijswijk plauderten vier Zeitzeugen zunächst aus dem „Tal der Tränen“. Die Auftragsverwaltung, und hier besonders Hubert Dassen als Amtsleiter, zeigte sich freilich Freund. „Es kamen Gerüchte, dass wir auf eine Nordseeinsel ausgesiedelt würden, im Osten wurden die Provinzen abgetrennt, wir hatten schon Angst, was hier geschehen würde“, so Mathias Deckers. Es ergab sich dann aber doch eine schnelle Gewöhnungsphase zu „Neu-Holland“, wie das Gebiet 1949 bezeichnet wurde. Der Selfkant lag zwischen den Welten; niemand wusste anfangs, wie es weiter gehen würde.

Aber man war von beiden Seiten gut versorgt. „Wir haben uns richtig gefreut, schnell wieder Arbeit zu finden. Wir waren froh, dass der niederländische Staat unsere Straßen wieder in Ordnung brachte und uns Zuschüsse zum Wohnungsbau gab. Von deutscher Seite gab es ein zinsloses Darlehn für die Selfklantbewohner. Uns ging es während der Auftragsverwaltung gut“, erinnerte sich Franz Jütten. Gerd Passen hatte noch eine lustige Sache im Gepäck. „Als wir nach der Rückgliederung über die Grenze fuhren, wurden wir immer gefragt: Passe dobie?. Der mitfahrende Neffe sagte dann: Passen dobie. Als wir einiges Tages doch vom bekannten Zöllner angehalten wurden und der fragte: Passe dobie?, zeigte der Neffe auf mich und sagte: Passen dobie! Der Zöllner verstand den Scherz und musste selbst lachen“. Eines wurde deutlich: wäre es zu einer Abstimmung bezüglich der Rückgliederung gekommen – die Sache wäre ganz, ganz knapp ausgegangen. Denn viele Selfkäntler fühlten sich als Holländer – aber weiterhin mit deutschem Herz.

Das Geschäft des Lebens

Die Zeitzeugen erinnerten sich an die „Nacht der Nächte“ zum 31. Juli 1963 hin. Der Selfkant wurde zum Schmuggelgebiet wie es noch eines in dieser Form gegeben hatte. Viele Auswärtige machten hier das Geschäft ihres Lebens. Bekanntlich standen fast tausende Lastkraftwagen im gesamten Selfkantgebiet – vollgepackt mit Waren, viele Hallen wurden mit Vieh und Materialen gefüllt. „Es stimmt nicht, dass alle Selfkänter Angst hatten. Ich kenne jemanden, der hat für rund 30 000 Deutsche Mark Sachen eingelagert und nachher für 60 000 Deutsche Mark verkauft“, so Matthias Deckers. „Meine Mutter hat fast drei Zentner Kaffee eingelagert“, sagte er. „Wir haben fünf Jahre davon gelebt.“

Der westlichste Punkt

Bürgermeister Corsten klärte auf: „Die Güter waren bis 24 Uhr allesamt Freigüter der Niederlande. Ab Mitternacht waren es Freigüter auf deutschen Gebiet. Also hat rent rechtlich niemand geschmuggelt“.

Kreisdezernent Josef Nießen, von den Vorständen der Banken Thomas Pennartz (KSK) und Klaus-Dieter Kroll (Raiffeisenbank), Geschäftsführer der West Markus Palic, Dr. Joachim Steiner von der Wirtschaftsförderung und Bürgermeister Herbert Corsten sahen allesamt eine rasante Weiterentwicklung des Selfkantlandes. In Sachen westlichster Punkt Deutschland dankte der Bürgermeister auch den Banken, der West und besonders der Wirtschaft und Politik für die Unterstützung dieses einzigartigen Projektes.

Das offizielle Festprogramm endete mit dem Musikverein St. Gregorius Saeffelen.

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