Fehlende Trainer sind ein großes Problem

Von: Tyrone Schwark und Daniel Gerhards
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Die Vereine stehen oft vor dem Problem, geeignete Trainer zu finden, sagt Konrad Bohnen. Foto: D. Gerhards

Kreis Heinsberg. Wenn der Ball auf den Sportplätzen der Region rollt, dann könnte man den Eindruck gewinnen, dass es rund läuft im Jugendfußball. Dann ist den Kindern die Freude am Spiel anzusehen. Abseits des Platzes machen Gespräche mit den Verantwortlichen von Fußballkreis Heinsberg und Vereinen aber deutlich, dass es doch einige Probleme gibt.

Die Zahl der gemeldeten Jugendmannschaften nimmt ab. Im Jahr 2008 waren es laut Fußballverband Mittelrhein 494, im Jahr 2016 waren es noch 401. Die Kinder und Jugendlichen müssen lange zur Schule, haben vielleicht andere Interessen als den Vereinssport und es fehlt an Übungsleitern.

Dass die Zahl der Mannschaften im Großen und Ganzen zurückgeht, hänge auch damit zusammen, dass es immer mehr Spielgemeinschaften gebe, sagt Konrad Bohnen, Vorsitzender des Kreisjugendausschusses. Ein Beispiel sei die Spielgemeinschaft der Vereine aus Holzweiler, Lövenich und Katzem. „Kein Verein aus unserer Spielgemeinschaft könnte alleine eine spielfähige Mannschaft stellen“, sagt Thomas Wenke, Jugendvorstand beim STV Lövenich. „Der Nachwuchs fehlt uns ohne Ende. Immer weniger Kinder spielen bei uns Fußball“, sagt Wenke.

Dabei sei das Problem bei den Kleinen noch nicht so ausgeprägt, sagt Bohnen. Für Bambini und F-Jugendmannschaften kämen die Kinder noch immer in großer Zahl zu den Vereinen. „Ab der D-Jugend fängt das an, dass es immer mehr Spielgemeinschaften gibt“, sagt er. Meistens gibt es dann zwei Vereine, die zu wenige Kinder in einer Altersklasse haben. Sie tun sich zusammen und spielen gemeinsam. Dann sind die Kader der Gemeinschaftsteams aber oft so groß, dass viele Kinder am Rand säßen und zuschauen müssten. „Aber die Kinder haben die Möglichkeit, überhaupt zu spielen. Insofern ist das eine gute Sache“, sagt Bohnen.

Im Selfkant haben sich die Vereinsfußballer aus Havert-Stein, Höngen-Saeffelen und Tüddern sogar zu einem ganz neuen Verein zusammengeschlossen. Sie kicken nun für den SC Selfkant. Und in der Jugend kooperiert der neue Verein auch noch mit Wanderlust Süsterseel. Das könnte ein Modell für die Zukunft sein, findet Helmut Frenken, Jugendleiter beim BC 09 Oberbruch: „In diese Richtung werden wir alle denken müssen. Auch im großen Ort Oberbruch wird man das auf Dauer nicht alleine schaffen. Ich favorisiere die Lösung, komplett als Verein im Jugendbereich zusammenzugehen.“ Jeder Jugendleiter sei mittlerweile froh, wenn er in jeder Altersklasse eine Mannschaft melden könne, sagt Frenken.

Dann könnten sich die Trainer stärker auf die sportliche Entwicklung der jungen Fußballer konzentrieren. Man könnte in einer Altersklasse zwei Mannschaften bilden, eine starke, eine schwache: Talentierte Spieler fördern, sportliche Ziele erreichen. „Sonst orientieren sich talentierte Spieler zu anderen Vereinen, zum Beispiel nach Schafhausen oder Wegberg-Beeck.

Kinder, die gut sind, wollen auch mit anderen guten Spielern zusammenspielen“, sagt Frenken. Und wenn die guten Jugendspieler den Verein verlassen, dann fehlten in vielen Vereinen die Talente für die Seniorenmannschaften. „Unser Ziel ist es, Spieler in den Seniorenbereich zu bringen. Das gelingt seltener als früher. Letzte Saison ist kein A-Jugendspieler in die erste Mannschaft gewechselt. Das tut weh“, sagt Frenken.

Ein grundsätzliches Problem, Kinder zum Vereinsfußball zu bekommen, sieht Bohnen aber nicht: „Der Zulauf ist da“, weiß er. Besonders bei den Bambini, sagt Rodolfo Mohren. Und auch die Entwicklung im Mädchenfußball sei erfreulich, findet Bohnen. Aber im Laufe der Jahre hängen immer mehr Kinder die Fußballschuhe an den Nagel, sagt Frenken.

Wenke findet auch, dass Kinder und Eltern weniger Bereitschaft zum Vereinssport zeigen: „Viele Kinder hängen vor der Playstation oder sind viel zu lange in der Schule. Und das Sportangebot ist auch breiter geworden“, sagt er. „Aber es liegt nicht nur an den Kindern, viele Eltern spielen auch nicht mit“, sagt er. Manchen Eltern sei der Aufwand zu groß, ihre Kinder beim Sport zu unterstützen. „Oder sie bringen sie nicht zum Training, sobald es etwas regnet.“

Um mehr Kinder für den Sport zu begeistern, kooperieren einige Vereine auch mit Schulen und bieten dort Fußball-AGs an. Dafür braucht man aber Trainer, die tagsüber regelmäßig Zeit haben, in die Schulen zu gehen.

Ein weiteres Problem vieler Vereine sei, Trainer zu finden, sagt Bohnen. Die Trainerqualifikation beim Fußballverband sei sehr umfangreich. 120 Stunden müssten die Trainer dafür investieren, das sei für berufstätige kaum zu schaffen, sagt Bohnen.

Fortbildungsabende oder kompakte Einheiten am Wochenende seien eher zu leisten, sagt er. „Es scheitert nicht an der Bereitschaft der Trainer, sondern daran, dass die Stundenanzahl für Berufstätige zu hoch ist“, sagt Bohnen. Schon heute müssten Mannschaften abgemeldet werden, weil die Trainer fehlen.

Das Problem der fehlenden Trainer kennt auch Rodolfo Mohren, Jugendleiter des SC 09 Erkelenz: „Wir brauchen Leute, die engagiert und ausreichend qualifiziert sind“, sagt er. „Diese Leute sollten meiner Meinung nach aber auch bezahlt werden. Ehrenamt ist eine schöne Sache. Aber es kann nicht sein, dass wenige Personen immer mehr Arbeit verrichten – und nichts dafür bekommen“, sagt Mohren.

Im Gespräch mit Konrad Bohnen wird auch deutlich, dass im Jugendfußball aktuell einiges in Bewegung ist. Die E-Jugendlichen und jüngere Kicker spielen mittlerweile im Fairplay-System. Dabei halten Trainer und Zuschauer mehr Abstand und die Kinder entscheiden selbst, ob es ein Foul gab oder ob der Ball über die Linie ging. „Einige Trainer wollen das nicht.

Die wollen Pokale gewinnen“, sagt Bohnen. Dennoch findet er, dass man sich auf dem richtigen Weg befindet, weil man den Druck von den Kindern nehme.

Und im Kreis Heinsberg wird ein weiterer neuer Ansatz verfolgt: die Spielefeste. Dabei gibt es klassische Fußballspiele, die Kinder machen aber auch andere Übungen. „Über 50 Prozent der Rückmeldungen sind positiv“, sagt Bohnen. Man rede viel mit den Trainern, um Verbesserungsvorschläge zu bekommen. Klar ist aber: Wer bei den Spielefesten nicht mitmacht, darf keine Freundschaftsspiele machen.

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