Fehlende Kindergartenplätze sorgen nicht nur bei Eltern für Ärger

Von: Monika Baltes
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Radau im „Rabennest“: Um die Erweiterung der Kita in Harbeck wird in Wegberg heftig gestritten. Unbestritten sind dagegen die fehlenden Kindergartenplätze in der Mühlenstadt. Foto: Monika Baltes

Wegberg. Von der Dramatik der Kindergartensituation in Wegberg waren wohl viele Ratsmitglieder überrascht. Für die als Zuhörer gekommenen Eltern von Kindergartenkindern der Kita „Rabennest“ in Harbeck dagegen sind die fehlenden Kindergartenplätze tägliche Erfahrung.

Gleich mehrere Mütter unter ihnen steuern täglich zwei Kindergärten an, weil ihre Kinder in verschiedenen Kindertagesstätten betreut werden. Der Leiter des Kreisjugendamtes, Hans-Jürgen Oehlschläger, hatte alarmierende Zahlen für Wegberg im Rat der Stadt Wegberg vorgestellt.

Danach sind derzeit 58 Kinder in Wegberg nicht versorgt, außerdem sind 102 Kinder „in Überbelegung“ untergebracht, gehen also in Gruppen, die eigentlich voll sind. „Die Nachfrage ist gewaltig“, führte der Kreisjugendamtsleiter aus. Der auf Bundesebene vorgegebenen Versorgungsquote von durchschnittlich 35 Prozent für U3-Kinder stehe eine doppelt so hohe Nachfrage gegenüber.

Der Bedarf werde sich in Zukunft auf diesem hohen Niveau stabilisieren. Der Neubau eines viergruppigen Kindergartens für 80 Kinder „Im Forst“ soll Abhilfe schaffen, in Beeck soll eine weitere Gruppe mit 20 Kindern hinzukommen, in Merbeck soll eine Containerlösung zudem 15 Plätze schaffen. Die Rechnung geht nicht auf: 115 Plätze für 160 Kinder. „Wir werden das nicht aus den Augen verlieren, müssen vor allem Träger finden“, so der Kreisjugendamtsleiter.

Der Kreis will zudem die „Containerlösung in Harbeck beseitigen“. Und genau deshalb waren die Eltern des „Rabennestes“ gekommen. Mit einem offenen Brief hat sich der Elternbeirat hilfesuchend an den Kreis gewandt. Seit 2013 befindet sich die dritte Gruppe in Containern auf dem Hof des Kindergartens. Bereits vor Jahren habe der Träger, die Katholische Pfarrei St. Martin Wegberg, einen Bauantrag vorgelegt, um die dritte Gruppe fest zu installieren, erläuterte Julia Strauchen vom Elternbeirat.

„Wir werden seit Jahren vertröstet“, sagte sie und beklagte, dass das Thema in den nichtöffentlichen Teilen der Sitzungen behandelt werde. Dennoch haben die Eltern einen Schuldigen ausgemacht: „Die CDU stellt sich dem Vorhaben in den Weg.“ Das Grundstück der Kindertagesstätte gehört der Stadt Wegberg, die Pfarrei St. Martin Wegberg hat das Anwesen angemietet.

Normalerweise baut und finanziert der Grundstückseigentümer – das ist auch in diesem Fall nicht anders. Im nichtöffentlichen Teil der Ratssitzung ging es folglich um den Verwaltungsvorschlag, die Erweiterung in Angriff zu nehmen.

Das Ergebnis teilte Bürgermeister Michael Stock am Tag nach der Sitzung mit, der Antrag wurde mit knapper Mehrheit (16:15) abgelehnt. Er kündigte an, diesen Ratsbeschluss wegen Gefährdung des Gemeinwohls rechtlich prüfen zu lassen.

„Die Gegenfinanzierung stellt sich schwierig dar“, sagt CDU-Fraktionsvorsitzende Petra Otten, die eine „solide Grundlage für die lange Finanzierungsdauer bis 2040“ vermisst, die angenommenen niedrigen Zinsen für die kommenden 20 Jahre moniert und ein „Gesamtkonzept zur Versorgung mit Kindergartenplätzen“ fordert.

Das sieht der Fraktionsvorsitzende der SPD, Ralf Wolters, ganz anders: „Der Anbau war gegenfinanziert, letztlich für die Stadt sogar rentierlich.“ Die „Verhinderungskoalition“ aus CDU, AfW und FDP koche ihr „dünnes politisches Süppchen“ auf Kosten der Kinder.

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