Fecht-Olympiasiegerin entführt Zuhörer ins Reich der Mitte

Von: Helmut Wichlatz
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Zwei echte China-Expertinnen: Die 17-jährige Paula Meyersieck befragt Olympiasiegerin Britta Heidemann zum Reich der Mitte. Foto: Wichlatz

Erkelenz. Ins ferne Reich der Mitte hat Britta Heidemann die Gäste bei ihrem Vortrag in der Buchhandlung Viehausen entführt. Sie kennt sich aus in China, denn die junge Frau hat als Schülerin einige Monate dort verbracht, bereiste das Land mit ihren Eltern und ist auch heute beruflich in China aktiv. Sportlich kennt man sie als Europa- und Weltmeisterin sowie Olympiasiegerin im Fechten.

Die Lesung bei Viehausen war aber auch Vortrag und Interview. Denn neben Heidemann stand Paula Meyersieck und leitete mit ihren Fragen durch den Abend. Die 17-jährige Schülerin war selbst als Austauschschülerin in China und lernte durch ihre Eltern die China-Expertin Heidemann kennen. Derzeit liest sie gerade Harry Potter auf Chinesisch – und das, obwohl sie erst rund 2000 der unzähligen chinesischen Schriftzeichen kennt.

Bevor es losging, gab es erst einmal ein gemeinsames Selfie mit dem Publikum im Hintergrund. Dann drehte sich alles um das „Reich der Gegensätze“. So nennt Heidemann das Land in ihrem Buch. Was nach Scholl-Latour und abgeklärter Analyse klingen mag, entpuppte sich schnell als eine durchaus liebevolle Charakterisierung eines Landes und seiner Bewohner, die gegensätzlicher nicht sein könnten. Die 30 chinesischen Provinzen umfassen fünf Klimazonen. In einer zentralen Provinz leben mehr Menschen als in Deutschland. Trotz der Größe und Unübersichtlichkeit gelte China aber als sicheres Reiseland, betonte Heidemann. Dies liege vor allem an den Menschen, die sie als freundlich und neugierig beschrieb.

Mit einem Vorurteil über Chinesen räumte sie gleich auf: Chinesen sind nicht höflich. Wer einmal in einem traditionellen öffentlichen Toilettenhäuschen ohne Sichtschutz unter den Augen Wildfremder seine Notdurft verrichten musste, könne dies bestätigen. „In der Summe sind sie nicht höflich“, lautete Heidemanns Urteil. Und das klang nicht einmal negativ.

Ein Beispiel für die chinesische Neugier gab sie, indem sie eine Passage aus ihrem Buch las, das sie mit ihrem Bruder Gerrit verfasst hat. Gerrit lebt in China und ist mit einer Chinesin verheiratet. Mit ihm war die Autorin auch unterwegs, als sie Zeugen eines Autounfalls wurden. Schnell waren etliche Schaulustige da, und es wurde diskutiert, gestritten, gerangelt und schließlich auch ein Schuldiger bestimmt, da von Polizei weit und breit nichts zu sehen war. Während dieses Spektakels waren Heidemann und ihr Bruder selbst Spektakel genug, denn einige der Schaulustigen schauten lieber die Europäer ungeniert und neugierig an, als seien sie exotische Tiere.

Auch kulinarisch musste Heidemann einiges klarstellen, denn Reis scheint den Chinesen nicht allzu wichtig zu sein. Zumindest werde er stets in allen Restaurants vergessen und erst gereicht, wenn man vehement danach frage. Ansonsten gebe es in China Regionen, in denen alles gegessen werde, „was vier Beine hat“.

Apropos Beine: Wer in China in der Hühnersuppe die Füße nebst Krallen der Tiere finde, sollte sich nicht wundern. Wenn es zu schlimm werde, könne man ja einen sensiblen Magen oder Verdauungsprobleme vorschieben. Dafür habe man in China eigentlich immer Verständnis. Neben viel Wissenswertem gab es auch Praktisches. Jeder Besucher hatte ein Paar Stäbchen erhalten, in deren Nutzung die beiden China-Kennerinnen das Publikum einführten.

Bei allen Spleens und Besonderheiten könne man als Deutscher jedoch viel von Chinesen lernen. Zum Beispiel habe man in China großen Respekt vor dem Alter und der eigenen Gesundheit. Nahezu überall in China treffen sich morgens Menschen, um gemeinsam Gymnastik zu treiben oder auch zu tanzen. Ein so offener Umgang mit Bewegung und Gemeinschaft wäre tatsächlich auch in Deutschland wünschenswert. Heidemann und Meyersieck erfüllten ihre Mission an diesem Abend auf jeden Fall. Sie haben Lust auf China gemacht, das wegen seiner Vielfalt sicher eine Reise wert ist.

Das Buch: Britta Heidemann, „Willkommen im Reich der Gegensätze. China hautnah“, Bastei Lübbe, 256 Seiten, 16 Euro.

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