FC Heinsberg-Lieck: Am Ball fühlen sich Flüchtlinge zuhause

Von: Anna Petra Thomas
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Ein Bild mit Symbolcharakter: Das Fußballspielen verbindet über Herkunft und Hautfarbe der Akteure hinweg. Auf dem Fußballplatz waren die Heinsberger Flüchtlinge schon schnell integriert. Foto: Anna Petra Thomas
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Mit Begeisterung zeigten die Spieler des FC United, dass sie sich durchaus auf den Umgang mit dem Ball verstehen. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Sich für die Flüchtlinge in der Heinsberger Notunterkunft zu engagieren, war auch bei der jüngsten Vorstandssitzung des 1. FC Heinsberg-Lieck das beherrschende Thema. Was lag da näher, als ein richtiges Spiel zu organisieren?! Zwei Vorstandsmitglieder, Daniel Kerschgens und Manuel Dos Santos, nahmen sich der Idee an und setzten sie jetzt in die Tat um.

Zunächst war das jedoch gar nicht so einfach, vollzog sich doch während der „Talentsuche“ gerade ein großer Wechsel von abreisenden und ankommenden Flüchtlingen in der Heinsberger Unterkunft. Doch schon einen Tag nach der Ankunft von knapp 100 neuen Flüchtlingen hatten sich 20 fürs Training gemeldet. Kerschgens und Dos Santos holten die Spieler an der Unterkunft ab und gingen mit ihnen ins Stadion. Die Begeisterung war groß, standen doch dort für alle „neuen“ Spieler passende Fußballschuhe zur Verfügung, die von aktiven Spielern der Mannschaften des Vereins gespendet worden waren.

„Die Jungs waren so begeistert und wollten nach dem Training sogar die Kabine reinigen“, freut sich Kerschgens. Nur mit ihren Händen hätten sie das Gras auf dem Boden zusammengekehrt. „Und einige haben ihre ‚neuen‘ Schuhe gar nicht ausgezogen, sondern sind damit stolz zurück in die Unterkunft gelaufen.“

Als Kerschgens und Dos Santos die 20 Spieler dann zwei Tage später zum Freundschaftsspiel abholen wollten, trauten sie ihren Augen nicht: 31 fußballbegeisterte Flüchtlinge hatten sich am Eingang der Unterkunft eingefunden, um mit ins Stadion zu gehen. Da wurde es knapp, mit Schuhen aber auch mit den roten Trikots. Immerhin 22 Spieler konnten mit Trikots versorgt werden, und so hatte Kerschgens für seinen „FC United“ theoretisch gleich zwei spielfähige Teams zusammen – bis auf die Schuhe, doch die wurden während des Spiels einfach gewechselt.

In der Kabine besprach Kerschgens die Taktik mit den Spielern oder besser, er malte sie für alle auf eine Tafel. Dann ging‘s auf den Platz. Der Torwart, ein Palästinenser aus Syrien, übernahm ganz professionell das Aufwärmtraining. Sprachprobleme gab‘s auch hier nicht, er machte es vor, die Spieler machten es ihm nach.

Mit viel Elan startete der „FC United“ anschließend in sein erstes Spiel, doch zunächst fanden sich die Spieler aus Afghanistan, aus dem Iran und aus Syrien, aus Eritrea und aus Ghana nicht gleich zu einer taktisch gut agierenden Formation zusammen. So ging ihr gegnerisches Team aus Spielern der zweiten Mannschaft und der A-Jugend des 1. FC Heinsberg-Lieck mit drei Toren von Alasan Sylla und Manfred Nigambila (2) in Führung. Kerschgens gestikulierte am Spielfeldrand und versuchte dann auf Englisch, die Verteidigung zu formieren. „Where is my defence?“, schallte es über den Platz.

Dann raffte sich das Team der Flüchtlinge richtig zusammen. Noch in der ersten Halbzeit drehten die internationalen Spieler den Spieß um und lagen am Ende nach je zwei Toren von Younes Ibraheb und Malak el Jaber, beide aus Syrien, in Führung. In der zweiten Hälfte konnte Manfred Ngiambila zunächst ausgleichen und Eduard Böttcher die Heinsberger mit zwei Toren zum 6:4 in Führung bringen.

Der „FC United“ gab sich nicht geschlagen, kam nach einem Tor von Justin Acquah aus Ghana wieder heran, und kurz vor Schluss der zwei Mal 35 Minuten gelang Shahir Osmani aus Afghanistan der Ausgleich zum 6:6.

Über dieses Ergebnis freuten sich beide Teams riesig. Nach der Dusche trafen sich alle am Platz wieder, um gemeinsam zu essen und dabei das Spiel der ersten Mannschaft anzuschauen. Kerschgens und Dos Santos freuten sich sehr, dass ihre Initiative so viel Zuspruch gefunden hat.

Das Spiel sei äußerst fair verlaufen, so Kerschgens. Nur ein Spieler habe einen „Pferdekuss“ davongetragen, der von einem der Betreuer am Platz aber sofort behandelt worden sei. Beim anschließenden Essen hätten die Gäste den ganzen Reis im Nu weggeputzt, sodass seine Frau noch Nudeln gekocht habe. „Da war so viel Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft, Herzenswärme und Dankbarkeit“, sagt der Captain des „FC United“.

„Das sind Momente, die man im normalen Alltag nicht mehr erlebt!“, denkt auch er zurück an einen ganz besonderen Tag in der Geschichte des 1. FC Heinsberg-Lieck. Und er ist sicher, dass er viele Spieler des „FC United“ schon beim nächsten Training wiedersehen wird.

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