Fantasy, Lyrik, Prosa und ein Kinderbuch bei „Nacht der Bibliotheken“

Von: Anna Petra Thomas
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Beeindruckende Geschichte: Rosemarie von Kannen und ihre Tochter Tina Braun stellen bei einer Lesung in der Stadtbücherei Heinsberg das Buch „Als Tims Opa starb“ vor. Die Autorin Rosemarie von Kannen beleuchtet das Thema Tod darin aus der Perspektive eines Kindes. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Unter dieses Motto hätte die Heinsberger Stadtbücherei ihre Beteiligung an der „Nacht der Bibliotheken“ stellen können, bei der am Wochenende in ganz Nordrhein-Westfalen rund 200 öffentliche, kirchliche und wissenschaftliche Bibliotheken mitgemacht haben.

Das Programm, das Büchereileiter Gerd Sonntag und sein Team für Heinsberg zusammengestellt hatten, war ebenso breit gefächert wie anspruchsvoll oder gar „exotisch“, wie einer der Teilnehmer befand. Es lockte mehr als 50 Besucher zu ungewohnter Stunde in die Bücherei.

Los ging es schon am Nachmittag mit einer Lesung des jüngsten Werks der Heinsberger Autorin Rosemarie von Kannen. „Bei uns beginnt die Nacht am Tag“, sagte Sonntag. Nach Kurzgeschichten über ihr turbulentes Großfamilienleben und Sachbüchern zu den Themen Schwangerschaft und Abtreibung erschien 2006 der Roman Novemberregen. „Als Tims Opa starb“, 2014 veröffentlicht, ist ihr erstes Jugendbuch. Selbst lesen konnte sie daraus nicht, weil sie erkrankt war. Dies tat dann für sie ihre Tochter Tina Braun. Sie ist Lehrerin in Köln und liest das Buch gerade mit ihrer zweiten Klasse.

Beeindruckt waren die Zuhörer der Lesung vor allem davon, dass es der Autorin mit diesem Werk gelungen ist, ein so ernstes Thema wie den Tod sehr intensiv aus der Sicht eines Kindes zu beleuchten. So geht es darin teils sogar sehr humorvoll zu, wenn der kleine Tim zum Beispiel darüber nachdenkt, ob es Mord ist, wenn er die Mücke in seinem Zimmer um die Ecke bringt, oder wenn er mit Gott darüber diskutiert, dass der Tod doch eine „saudoofe Erfindung“ ist. Geschrieben habe sie das Buch eigentlich für ihren Sohn, erzählte von Kannen. Es sei ein Geburtstagsgeschenk für ihn gewesen, um ihm die Angst vor dem Tod zu nehmen, die ihn sehr beschäftigt habe. „Ihm hat es geholfen“, sagte sie.

Bei Dunkelheit ging es dann weiter in der Bücherei mit gleich fünf Autoren und einer deutsch-tschechischen Sammlung von Gedichten und kurzen Texten, in der Fachsprache genannt „Anthologie mit Lyrik und Kurzprosa“. Gesammelt hat die in Aachen lebende tschechische Autorin Klara Hurkova in dem mehr als 300 Seiten starken Werk unter dem Titel „Über den Dächern das Licht“ Texte von 44 Autoren aus beiden Ländern, die sie in die jeweils andere Sprache übertragen hat.

Hurkova selbst las aus Anlass der Nacht in der Stadtbücherei zwei Gedichte aus dem 2014 erschienenen Buch, die Sonntag geschrieben hat. Eines handelt von dem Zeitpunkt, als Sonntag aufhörte, Gedichte zu schreiben und sich mehr der Prosa widmete. „Nach den Gedichten“ lautet der treffende Titel. Im zweiten Stück beschäftigt sich der Heinsberger Autor mit einer Fliege in einem Gemälde von Giovanni Santi.

Weiter an der Lesung aus Hurkovas Anthologie beteiligt waren Birgit Bodden, Manfred F. Freude und Christoph Leisten. Bodden, die aus Stolberg stammt, arbeitet nicht nur als Autorin und Journalistin, sondern auch als bildende Künstlerin. Freude lebt in Aachen und schreibt außer Lyrik auch philosophische, kunstgeschichtliche und literaturwissenschaftliche Essays, hat zudem Bücher in diesen Themenbereichen veröffentlicht. Leisten schließlich stammt aus Geilenkirchen und lebt in Würselen. Von ihm sind bereits fünf Gedichtbücher erscheinen. Daneben schreibt er Prosa und Essays, ist zudem Mitherausgeber einer Literaturzeitschrift und ist Organisator der jährlich stattfindenden „Tage der Poesie“ in Würselen.

Während der Pausen und nach dieser Lesung gab es für die Autoren und Besucher kleine Snacks und Getränke. Und ehe sie sich verabschiedeten, überließen die Gastautoren Sonntag noch ein paar ihrer eigenen Werke für die Bücherei. Dort können sie jetzt ausgeliehen werden.

Letzter im Bunde war zu später Stunde Simon André Kledtke aus Wegberg. Er las aus seinem Erstlingswerk „Sarania – Das Vermächtnis der Magier“. Um die Gäste in der Bücherei mitzunehmen in das Land seiner Geschichte und sie mit allen darin vorkommenden Figuren schnell bekannt zu machen, hatte er für alle eine Karte und eine Auflistung der Figuren mitgebracht. Bei der Vorstellung Kledtkes vergaß Sonntag nicht zu erwähnen, dass der junge Autor, der als freier Schriftsteller arbeitet, im vergangenen Jahr beim deutschen Phantastik-Preis den dritten Platz in der Kategorie „Bestes deutschsprachiges Romandebüt“ belegte.

In diesem Jahr ist sein Buch bereits für den Hombuch-Preis im Genre Fantasy nominiert. Und lange müssen seine Fans auf die Fortsetzung nicht warten. Sie soll noch in diesem Jahr unter dem Titel „Sarania – Das verschollene Volk“ erscheinen.

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