Kreis Heinsberg - „Fairtrade-Kreis“: Runder Tisch befasst sich mit den Kriterien

„Fairtrade-Kreis“: Runder Tisch befasst sich mit den Kriterien

Von: Helmut Wichlatz
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Engagieren sich für fairen Handel: (v.l.) Dr. Mona Pursey (Eine-Welt-Forum Aachen), Maria Meurer (Grünen-Fraktionschefin Kreistag) und Dr. Ruth Seidl (MdL Grüne). Foto: Helmut Wichlatz

Kreis Heinsberg. Die Verbreitung fair gehandelter Produkte nimmt zu. Weltweit kann man Kaffee, Schokolade und andere Produkte erwerben, die direkt von den Produzenten stammen und ihnen so einen größeren Gewinn aus seiner Arbeit ermöglichen. Nun soll der Kreis Heinsberg ein „Fairtrade-Kreis“ werden. Dafür bedarf es einer breit aufgestellten Unterstützung in der Bevölkerung, Politik und Wirtschaft.

Bei einem ersten Treffen informierten die Initiatorinnen Dr. Ruth Seidl (MdL, Grüne) und Maria Meurer, Vorsitzende der Grünen-Kreistagsfraktion, über das Projekt „Fairtrade Town“, bei dem weltweit schon fast 900 Städte und Gemeinden mitmachen. Dafür müssen einige Kriterien erfüllt werden, die vom politischen Beschluss über die Umsetzung und ein breit aufgestelltes Lenkungsgremium bis hin zu einer bestimmten Anzahl von Geschäften reicht, in denen mindestens zwei fair gehandelte Produkte erhältlich sind.

Die Bewegung wächst. Deutschlandweit wurden seit 2010 schon 26 Gemeinden den Titel „Fairtrade Town“ ausgezeichnet, davon einige in NRW. Wie das geht und was man dafür tun muss, berichtete Gisela Welbers aus dem Kreis-Kreis Neuss.

Dieser darf sich als erster Landkreis „Fairtrade-Kreis“ nennen und wirbt damit auch offensiv. Auch Aachen und Köln haben sich erfolgreich auf den Weg zum fairen Handel gemacht, wie die Teilnehmer erfuhren. In der anschließenden Diskussion wurde ein Fahrplan erörtert, der idealerweise in einem Kreistagsbeschluss über die Teilnahme an dem Zertifizierungsverfahren münden soll.

„Fairer Handel ist keine Almosenwirtschaft“, betonte Dr. Mona Purse. Sie wirbt für entwicklungspolitische Bildungsarbeit in NRW und ist Mitglied des Aachener Eine-Welt-Forums. Der Umgang mit den Produkten und Handelspartnern aus Südamerika und Afrika sei längst professioneller und auch durchaus gewinnorientiert. Darüber hinaus dürfe man auch die Imagewirkung für den Anbieter fair gehandelter Produkte nicht zu gering einschätzen.

„Das Thema wird ernst von den Menschen genommen“, weiß Maria Meurer. „Deshalb muss die Politik vor Ort auch reagieren.“ Als Fraktionsvorsitzende der Grünen im Kreistag steht Fairtrade bei ihr schon lange auf der Agenda.

Dabei habe das Thema gerade in der Zeit von Flucht und Migration eine Bedeutung für die Kommunen vor Ort. „Die Flüchtlinge kommen, weil sie in ihrer Heimat keine Perspektive sehen“, erklärte sie. Durch eine faire Bezahlung ihrer Arbeit werden auch Bleibeanreize geschaffen. „Natürlich müssen wir da dicke Bretter bohren“, räumte Meurer ein. Umso wichtiger sei es, ein breites Netzwerk zu spinnen, um die Idee zu verbreiten.

Daher saß auch Geschäftsführer Ulrich Schirowski von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg mit am Tisch. Für die Erkelenzer Grünen war der Landtagskandidat Hans Josef Dederichs dabei, die Geilenkirchener Grünen wurden durch Jürgen Benden vertreten. Für die Katholische Kirche nahm der Heinsberger Propst Markus Bruns teil. Sebastian Walde vertrat die Evangelische Kirche auf dem Treffen.

Aus Geilenkirchen war Lisanne Kappler nach Hückelhoven gekommen. Sie ist Mitglied der Geilenkirchener Lenkungsgruppe. Geilenkirchen hat sich um die Zertifizierung als „Fairtrade-Town” geworben.

Im Kreis Heinsberg wird schon lange Basisarbeit zum Thema Fairtrade geleistet. Bruno Bürger gründete schon in den 80er Jahren am Erkelenzer Cusanus-Gymnasium die Eine-Welt-AG und gewöhnte Lehrer und Schüler an fair gehandelten Kaffee und Kakao. Die AG existiert noch heute und das Cusanus trägt das Prädikat „Fairtrade-Schule“. Der Titel muss regelmäßig erneuert werden, erläuterte Pursey.

Am Runden Tisch informierte sie die Teilnehmer über die Bedingungen einer Teilnahme am Zertifizierungsprozess. Ausgehend von einer Einwohnerzahl von 250 000 Menschen im Kreis Heinsberg würden 35 Geschäfte, 18 Gastronomiebetriebe und vier Schulen reichen, um dabei zu sein.

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