Fahrsicherheitstraining für junge Feuerwehrleute

Von: Norbert F. Schuldei
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Bei diesem Unfall zwischen Erkelenz-Kaulhausen und Keyenberg im Jahr 2011 kam ein Feuerwehrmann bei einem Einsatz ums Leben.. Foto: Sommer

Kreis Heinsberg. Bei zwei Einsatzfahrten der Feuerwehr im Jahr 2011 sowie im vergangenen Jahr kam es bei Erkelenz-Keyenberg und bei Holzweiler zu Unfällen, bei denen drei Feuerwehrleute starben. Kreisbrandmeister Karl-Heinz Prömper, der auch Vorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Heinsberg ist, betont, dass die Fahrer von Feuerwehrfahrzeugen natürlich alle die erforderlichen Führerscheine haben und die Fahrzeugen im Rahmen von Übungen regelmäßig fahren, also qualifiziert sind. Allerdings ist er der Auffassunung, dass mehr als bisher getan werden muss, um das Sicherheitsrisiko zu minimieren. In einem Fahrsicherheitstraining für junge Feuerwehrleute sieht Karl-Heinz Prömper einen ersten Schritt in diese Richtung.

 

Die beiden Verkehrsunfälle, bei denen Feuerwehrmänner im Einsatz zu Tode kamen, waren für Sie der Impuls zum Handeln?

Prömper: Ja, die beiden Unfälle... Es sind schlimme Dinge, die uns veranlasst haben, darüber nachzudenken, was wir tun können, um das Risiko zu verringern, dass so etwas noch einmal passiert. Wir haben zuerst einmal versucht zu analysieren und uns gefragt: Woran liegt es denn?

Und was haben Sie als Antwort gefunden?

Prömper: Es ist ja nicht so, als hätten wir vorher in dieser Richtung noch gar nichts getan.

In den Dienstplänen steht doch für Neulinge bei der Feuerwehr ganz am Anfang: Einweisung von Fahrten mit Sonderrecht...

Prömper: Ganz genau. Also Fahrten mit Martinshorn und mit Blaulicht, das wird schon ganz am Anfang intensiv geschult. Worauf ist zu achten, was darf man, was darf man nicht – all diese Dinge. So. Aber offensichtlich reicht das nicht aus, was wir bisher machen. Also haben wir uns überlegt, was wir darüber hinaus noch unternehmen könnten.

Junge Leute fahren bei der Feuerwehr aber doch keine schweren Einsatzfahrzeuge.

Prömper: Natürlich nicht. Was wir mit der Maßnahme erreichen wollen ist, dass die jungen Kameraden auf dem Weg zum Feuerwehrgerätehaus mit Ihren eigenen Fahrzeugen nicht verunfallen. Das ist der erste Schritt. Das Sicherheitstraining mit den Feuerwehrfahrzeugen, insbesondere auch mit den schweren Fahrzeugen muss natürlich folgen. Daran werden wir arbeiten.

Kann es nicht sein, dass bei den jungen Leuten, die aus der Jugendfeuerwehr heraus in die Feuerwehr kommen, einfach die Erfahrung fehlt?

Prömper: Sicher. Wie reagiere ich mit meinem Fahrzeug in extremen Situationen, wenn einen Situation kommt, dass ich ausweichen muss, dass ich ins Schleudern komme, dass ich plötzlich bremsen muss – wie auch immer. So ist der Gedanke entstanden, in die Ausbildung ein Fahrsicherheitstraining einzubauen. Also haben wir einen Kooperationspartner gesucht.

Und gefunden?

Prömper: Im ADAC haben wir diesen Partner gefunden, ja. Über den Kreisfeuerwehrverband können wir also jetzt allen jungen Feuerwehrleuten bis 25 Jahren ein solches Fahrsicherheitstraining anbieten.

Wie oft findet das in der Ausbildung künftig statt?

Prömper: Wir haben beschlossen, das in den Rahmen der Grundausbildung zu integrieren, so gegen Ende der Ausbildung wird das sein. Die Ausbildung ist in vier Module gestaffelt.

Wie alt sind die jungen Feuerwehrleute da?

Prömper: Die fangen so mit 17, 18 Jahren an, die Ausbildung dauert zwei Jahre. Und in die letzte Stufe der Ausbildung wird jetzt also das Sicherheitstraining integriert.

Wo findet das statt?

Prömper: Das wird auf dem Verkehrsübungsplatz des ADAC in Grevenbroich sein.

Das wird verpflichtend in die Ausbildung eingebaut?

Prömper: Ja, verpflichtend für die Ausbildung von Feuerwehrleuten im gesamten Kreis Heinsberg.

Wie sieht das Fahrsicherheitstraining im Einzelnen aus?

Prömper: Ich hatte das Gespräch mit dem ADAC erst in dieser Woche, es ist also noch ganz frisch. Wie das konkret aussieht, das werden wir noch gemeinsam erarbeiten müssen.

Wir lange brauchen Sie dafür?

Prömper: Ich schätze, dass wir das Sicherheitstraining im Rahmen der Modulausbildung in zwei, vielleicht drei Monaten anbieten werden. In einzelnen Städten und Gemeinden laufen jetzt die Stufen drei und vier der Ausbildung an, diese Leute können dann schon in Grevenbroich das Training machen.

Gibt es denn genügend Nachwuchs für die Feuerwehr im Kreis Heinsberg?

Prömper: Ja, toi, toi, toi. Bisher können wir im Kreis Heinsberg nicht klagen. wir haben eine sehr, sehr gute Jugendarbeit. Der Zulauf ist gut.

Wie viele Neulinge haben Sie in diesem Jahr?

Prömper: Das wechselt immer und ist von Stadt zu Stadt und von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich; die Ausbildung läuft ja nicht für den Kreis zentral. Ein Lehrgang findet immer dann statt, wenn rund 20 Leute zusammen kommen.

An dem Sicherheitstraining können die älteren Feuerwehrleute nicht teilnehmen?

Prömper: Nein, das ist zunächst nur für die jungen Nachwuchsleute gedacht. Was zusätzlich gemacht werden soll und in einigen Gemeinden auch schon gemacht wird, ist ein Fahrsicherheitstraining mit Feuerwehrfahrzeugen. In Hückelhoven zum Beispiel hat man im vergangenen Jahr damit angefangen.

Das Sicherheitstraining mit den Feuerwehrfahrzeugen ist also Aufgabe der Städte und Gemeinden?

Prömper: Ja, hier sehen wir die Städte und Gemeinden als Feuerschutzträger in der Fürsorgepflicht, denn viele Fahrer von Einsatzfahrzeugen sind keine Berufskraftfahrer, sondern fahren Lkw ausschließlich bei der Feuerwehr. Für diese Fahrer ist ein derartiges Training unerlässlich, um sie in die Lage zu versetzen, in gefährlichen Situationen, die auf einer Einsatzfahrt auf sie zukommen können, richtig zu reagieren. Wir werden uns dafür einsetzen, dass in allen Städten und Gemeinden derartige Sicherheitstrainings eingeführt werden.

Kann man das auch auf denn Gelände des ADAC in Grevenbroich machen?

Prömper: Da werden wir noch Gespräche führen müssen. Aber der ADAC hat uns signalisiert, dass man dort auch mit Lkw trainieren könne.

Verleitet es nicht zu riskantem Fahren, wenn man mit Martinshorn und Blaulicht unterwegs ist?

Prömper: Das ist immer so ein Spagat. Zum einen wird erwartet, dass man möglichst schnell da ist und hilft. Es gibt Hilfsfristen, die eingehalten werden sollen, um die Leistungsfähigkeit der Feuerwehr zu hinterlegen. Wichtig ist natürlich, dass man ankommt. Da spielt natürlich auch die Erfahrung eine große Rolle. Junge Leute sind natürlich hoch motiviert. Der Piepser geht, die Sirene heult – da sind die natürlich darauf bedacht, möglichst schnell zu kommen. Wir versuchen schon, beruhigend zu einzuwirken. Wir haben vorgeführt, dass die Zeitersparnis selbst wenn man alle Regeln außer Kraft setzen würden, minimal ist. Das bringt nichts. Aber es ist schwierig, jungen Leuten so etwas zu vermitteln. Wenn wir jetzt solche Extremsituationen trainieren, hoffe ich, dass das eine gewisse Nachhaltigkeit bewirkt.

Sind sie die ersten, die jetzt so etwas in die Ausbildung einbauen?

Prömper: Was das Training mit Pkw angeht: Ja.

Wie finanzieren Sie das?

Prömper: Das Training bezahlt der Kreisfeuerwehrverband.

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