Erkelenz - Fahrlässige Tötung: Verfahren gegen Anästhesisten eingestellt

Fahrlässige Tötung: Verfahren gegen Anästhesisten eingestellt

Von: kl
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Erkelenz. Das Verfahren gegen einen 58-jährigen Anästhesisten des Hermann-Josef-Krankenhauses Erkelenz, dem die Staatsanwaltschaft Mönchengladbach fahrlässige Tötung eines fünfjährigen Kindes vorgeworfen hat, ist vom Amtsgericht Erkelenz mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft, des Angeklagten und seiner Verteidiger vorläufig eingestellt worden.

Ursprünglich war beabsichtigt, den Prozess gegen den Mediziner am 9. Januar fortzuführen. Dieser und weitere sieben Termine waren schon bekannt gegeben worden.

Bereits im März war das erste Mal vor dem Amtsgericht verhandelt worden. Doch musste die Verhandlung wegen des Ausbleibens eines Gutachters noch vor Verlesen der Anklageschrift beendet werden.

Ohne diesen Gutachter wollte Richter Michael Fleuth nicht in das Verfahren einsteigen. Schon damals war in einer zweistündigen Beratung hinter verschlossenen Türen versucht worden, das Verfahren einzustellen.

Was damals misslang, wird nun verwirklicht. Gegen Zahlung eines Geldbetrages von 10.000 Euro an die Staatskasse in fünf Monatsraten kann der Angeklagte aus der vorläufigen Einstellung eine endgültige machen. Zahlt er nicht fristgerecht, wird das Verfahren fortgesetzt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Arzt vor, fahrlässig im März 2007 den Tod eines fünfjährigen Kindes verursacht zu haben, das am 19. März 2007 im Hermann-Josef-Krankenhaus an den Mandeln operiert worden war. Nach der Entlassung des Kindes aus der stationären Behandlung soll es am 23. März zu einer ersten Nachblutung gekommen sein, die eine erneute stationäre Aufnahme im Krankenhaus erforderlich machte. Gegen 5 Uhr am 24. März kam es zu einer stärkeren Nachblutung, die einer operativen Revision bedurfte. Nach einer weiteren Blutung um 17 Uhr trat gegen 22.45 Uhr eine erneute Nachblutung auf.

Der diensthabende Anästhesist leitete eine Intubationsnarkose ein, in deren Verlauf das Kind starb. Hierbei soll der Arzt nach Auffassung der Staatsanwaltschaft gegen die Sorgfaltspflicht verstoßen haben. Er habe, so der Vorwurf, zuvor das Ausmaß der Notfallsituation nicht festgestellt. Nach Auffassung der Anklage wäre es nicht zum Tod des Kindes gekommen, wenn der Arzt das Kind am späten Abend des 24. März unmittelbar nach der Narkose „lege arte” intubiert hätte - sprich nach Vorschrift. Dabei bezieht sich die Staatsanwaltschaft auf drei Gutachten von Medizinern. Allerdings gab es auch widersprechende Ansichten, die bei einer mündlichen Verhandlung zu Gehör gekommen wären.
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