Exkursion durch Zeit- und Kunstgeschichte

Von: jwb
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Fesselndes Referat: Heiner J. Coenen beim Vortrag zu Oscar Begas Bild im Museum Begas-Haus. Foto: Johannes Bindels

Heinsberg. Das Museum Begas-Haus in Heinsberg ist eine der Säulen der Kunst- und Museumswelt in der Region. Das legt nicht nur die Beteiligung am Finale des Wettbewerbs um den diesjährigen Europäischen Museumspreis in Zagreb nahe. Die vielen kreativen Ideen, die den Menschen die ästhetischen Werke näherbringen, sind ein weiterer Beleg für die erfolgreiche Arbeit des Hauses.

Heiner J. Coenen steht als Referent stellvertretend für diese Arbeit. Zum vierten Mal erläuterte er mit seinem Vortrag die Bedeutung des Bildes „Oscar Begas und der Empfang der Protestanten in Potsdam“ einer Gruppe Kunstinteressierter im Museum Begas-Haus.

Mit seinen eingängigen Erklärungen zu den kunsthistorischen und gesellschaftlich relevanten Inhalten des Werkes gelang dem Referenten Coenen eine fesselnde Verknüpfung der Bildbeschreibung eines Gemäldes von Oscar Begas mit den geschichtlichen Ereignissen des 29. April 1732, dem Ankunftstag der emigrierten Protestanten in Potsdam.

Heiner J. Coenen, auch ein Kenner der Geschichte und Kultur Ostpreußens, knüpfte am Beispiel des 1862 entstandenen Gemäldes „Der Empfang der Salzburger Protestanten durch König Friedrich Wilhelm I. und Kronprinz Friedrich zu Potsdam im Jahre 1732“ von Oscar Begas einen aktuellen Bezug zur heutigen Zeit.

Der preußische Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. gab protestantischen Flüchtlingen in Preußen eine neue Heimat, denn der katholische Erzbischof Leopold Anton von Firmian hatte die Protestanten 1731 aus Salzburg vertrieben. Auf dessen perfiden Trick, die Protestanten scheinbar nicht aufgrund ihrer Religion zu vertreiben, sondern diese in seinem Ausweisungsdekret als Ruhestörer zu bezeichnen, machte der Referent aufmerksam.

Innerhalb von acht Tagen mussten sie die alte Heimat verlassen. Teilweise sogar ihre Kinder zurücklassen, die dann zu Katholiken umerzogen werden sollten, ließ Coenen verlauten. Die Flucht fand quer durch Deutschland statt. Erst in Preußen fanden sie Asyl, auch weil der preußische König seine durch die Pest dezimierte Bevölkerung wieder auffrischen wollte, hatte dieser mit einem Einwanderungsedikt auf die angeordnete Vertreibung reagiert.

„Ihr sollt es bei mir gut haben“, zitierte Heiner Coenen eine Aussage, die der preußische König den Neuankömmlingen gegenüber gemacht haben soll. Das Gemälde (Dauerleihgabe, Öl auf Leinwand, 152 x 115 cm) von Oscar Begas, dem ältesten Sohn des Künstlers Carl Joseph Begas, zeigt vor der historischen Kulisse Potsdams den wohlwollenden Empfang der Flüchtlinge durch den König Friedrich Wilhelm I. und seinen Sohn, den Kronprinzen, später Friedrich der Große genannt.

Das Genre der bildnerischen Gestaltung zeithistorischer Bezüge stieß in der Zeit um 1862 auf reges Interesse beim Publikum. Theodor Fontane hatte das sich heute im Begas-Haus befindliche großformatige Gemälde 1862 in einer Berliner Zeitung ausführlich besprochen.

Zur gleichen Zeit wie Begas‘ Werk sei das gleiche Thema von dem Malerkollegen Konstantin Franz Cretius als Gemälde bearbeitet worden. Beide Werke wurden auf der Berliner Akademieausstellung von 1862 präsentiert und von Theodor Fontane vergleichend rezensiert.

„Dem Publikum scheinen beide Bilder gleich lieb zu sein; sollten wir eine Entscheidung treffen, so würden wir dem Begasschen Bilde den Vorrang einräumen…“, zitierte Coenen aus der Berichterstattung Theodor Fontanes (Die Quelle des Zitats ist im Buch „Begas Haus – Die Sammlung Begas, S. 196“ zu finden).

Die im Bild angedeuteten Differenzen und Abneigungen zwischen dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. und seinem Sohn, Friedrich der Große, arbeitete Coenen für sein Publikum heraus. Oscar Begas habe dies in den jeweiligen Körperhaltungen zum Ausdruck gebracht. Für diese These verwies Coenen als Beleg auf das Buch „Allergnädigster Vater – Dokumente aus der Jugendzeit“.

Coenen gelang es, mit seinen geschichtlichen wie kunsthistorischen Exkursen sein Publikum zu unterhalten. Ergänzend zur Bildinterpretation gab er immer wieder interessante Einblicke in die wirtschaftliche und politische Geschichte. So hätten sich die im Bild dargestellten Asylanten in Gumbinnen in Ostpreußen niedergelassen. Migration und Integration seien unter dem preußischen König gelungen, weil damals Minderheiten toleriert wurden, betonte Coenen.

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