Europatage: Flammender Appell für die Gemeinschaft

Von: Anna Petra Thomas
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„Wir brauchen mehr Europa in der EU!“ war das flammende Credo von Gastrednerin Ria Oomen-Ruijten beim Festakt anlässlich der Europatage in Wassenberg. Foto: Anna Petra Thomas

Wassenberg. „Wir brauchen mehr Europa in der EU!“ Es war das Credo, dieser immer wieder ausgesprochene Appell von Gastrednerin Ria Oomen-Ruijten beim Festakt anlässlich der Europatage in Wassenberg. Zugleich war es ihre Antwort auf die Frage.

Auf die Frage, mit der dieses Treffen mit Menschen aus den Partnerstädten Pontorson in Frankreich und Highworth in Großbritannien sowie aus dem zugleich benachbarten und befreundeten Roerdalen in den Niederlanden überschrieben war. „Ist Europa noch zu retten?“, lautete sie.

In gleich drei Fremdsprachen, abwechselnd in Deutsch, Englisch und Französisch, hielt die Europapolitikerin ihre Rede. Und doch war es schade, dass sie in ihrer Gesamtheit nicht für alle in allen Sprachen zum Mitlesen zur Verfügung stand, so wie das auch dieses Mal wieder bei allen anderen Reden der Fall war. So konnte jeder in seiner Muttersprache sprechen. Oomen stellte ihren Zuhörern eine Gegenfrage: „Was würden wir tun, wenn es das Europa von heute nicht gäbe?“ Sicherlich sei Europa derzeit nicht in einem guten Zustand. „Ja, es fehlt an Europa in dieser EU“, wiederholte sie wieder und wieder.

Populisten nicht nachlaufen

Das galt auch für ihren Blick auf die Flüchtlingssituation. Die Flüchtlinge würden in Europa nicht einmal ein halbes Prozent der Bevölkerung ausmachen. Im Libanon seien es 25 Prozent, und dabei verfüge dieses Land nicht einem über ein Viertel des Reichtums der Europäer.

„Wir sind es alle zusammen, die diese Krise lösen müssen!“, forderte sie zu mehr Miteinander, ja eben zu mehr Europa auf. Beispiele dazu beleuchtete sie in der Außen- und Steuer- sowie in der Sozialpolitik. Abschließend warnte sie davor, den Populisten nachzulaufen. „Von denen sieht man nur den Rücken.“ Wenn es mehr Europa in der EU gäbe, dann könne sie die Ausgangsfrage mit noch mehr Entschlossenheit mit Ja beantworten.

Beim Austausch der Gastgeschenke dankte Wassenbergs Bürgermeister Manfred Winkens ihr wie allen anderen Rednern des Festakts, von denen er selbst der erste war. „Natürlich ist Europa noch zu retten!“, antwortete Winkens mit Blick auf die Partnerschaften mit Pontorson, die seit 48 Jahren besteht, und Highworth, die vor sechs Jahren besiegelt wurde. Nicht zu vergessen „die partnerschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen zu Roerdalen“.

Zur Lösung all der aktuell großen Probleme könnten die Teilnehmer der Europatage nur einen winzigen Beitrag leisten, betonte er und ging dann auf die Situation der aktuell rund 300 Flüchtlinge in Wassenberg ein. Im Jahr 2015 habe Wassenberg alleine aus eigenen Mitteln 1,3 Millionen Euro für deren Unterbringung und Versorgung aufgebracht, zusätzlich zu den Geldern von Bund und Land.

Pontorsons Bürgermeister André Denot nahm allein die „europaweite Migrationskrise“ in den Blick. Jeder vierte Franzose habe heute einen Vorfahren ausländischer Herkunft. „Das Asylrecht ist ein Grundrecht, dessen Quelle in der Geschichte unseres Landes liegt.“ In einem neuen Pariser Museum zur Geschichte der Immigration erfahre man, „dass Frankreich das älteste Einwanderungsland Europas ist, dass wir alle nur ein Volk sind.“

„Die Präsidenten der Partnerschaftskomitees sind die Motoren der Partnerschaft“, erklärte Winkens und bat dann Richard Pearce aus Highworth und Hélène Durant aus Pontorson zu ihrer Rede auf die Bühne. „Die Zusammenarbeit mit Roerdalen ist eine ganz wichtige europäische Sache“, schickte Winkens der Rede von Chrit Wolfhagen, Beigeordneter aus Roerdalen, voraus.

Letzter im Bunde war Sepp Becker, der Vorsitzende des Wassenberger Partnerschaftskomitees. Er weitete den Blick über den europäischen Tellerrand hinaus. „Ich glaube, dass kurzfristig und situativ Europa helfen sollte, jedoch die USA, Russland, die reichen islamischen arabischen Länder sowie Iran und andere asiatische Länder beteiligt werden sollten. Es geht um die ganze Welt“, betonte er.

Musikalisch gestaltete den Festakt das Ensemble aus Andreas Schell (Klavier) mit Tochter Jana (Violine, Gesang) und Sohn Elias (Violoncello, Gesang). Über ihre gut gewählten Stücke hinaus sorgten die drei Musiker mit ihrer Darbietung der vier National- und der Europahymne bei vielen Gästen für einen Gänsehautmoment.

Nach einem kleinen Empfang mit Getränken im Freien endete der Festakt nach einer Diskussion mit den anwesenden Politikern für die geladenen Gäste mit einem Mittagessen. Auf ihrem Rückweg von der Karlspreisverleihung in Rom konnte Winkens dann auch noch die Aachener Europaparlamentarierin Sabine Verheyen zu einer Rede begrüßen. Auch wenn die EU derzeit vor den größten Herausforderungen ihrer Geschichte stehe: „Wir dürfen es in keinem Fall zulassen, dass unsere Gemeinschaft gespalten wird.“ Ausdrücklich würdigte sie die Bedeutung von Städtepartnerschaften.

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