Kreis Heinsberg - Essstäbchen aus Heinsberg: Kommunen verdienen am Holzverkauf kaum

Essstäbchen aus Heinsberg: Kommunen verdienen am Holzverkauf kaum

Von: Mirja Ibsen
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Vorher Baum, nachher Palette: Aus den Buchen, die im Revier des Försters Wolfgang von der Heiden geschlagen werden, werden auch Paletten gemacht. Foto: mib/imago (Manngold)
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Vorher Baum, nachher Palette: Aus den Buchen, die im Revier des Försters Wolfgang von der Heiden geschlagen werden, werden auch Paletten gemacht. Foto: mib/imago (Manngold)
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Den Blick immer nach oben in die Baumkronen gerichtet: Förster Wolfgang von der Heiden prüft den Wuchs der Bäume.

Kreis Heinsberg. Einen Tag hat es gedauert, dann waren die Bäume an der K5 weg, und zwar alle. Ratzeputz. Bernhard Heuter, Leiter des Bauhofes der Stadt Heinsberg, hatte eigentlich zwei Tage einkalkuliert. Die niederländische Firma, die den Auftrag erhalten hatte, war schneller.

Hätte Heuter die eigene Mannschaft rausschicken müssen, hätte es in jedem Fall länger gedauert, sagt er. Teurer wäre es auch geworden. Doch Bernhard Heuter muss wirtschaftlich denken.

Spitzahorn, Ebereschen und Pyramidenhainbuchen standen am Straßenrand. Heuter hat sie im Baumkataster, in dem er festhält, welche Bäume in der Stadt Heinsberg stehen und wie es um ihre Gesundheit bestellt ist, weiß unterlegt, weil sie ja jetzt weg sind. Naja, so ganz weg sind sie natürlich nicht. Das Holz ist noch da. Und was passiert damit? Der Stoff ist schließlich wertvoll. Mit ihm wird geheizt, gebaut, geputzt.

Kann man sich vielleicht einen Stuhl aus Heinsberger Holz ins Zimmer stellen oder damit seinen Kamin befüllen? „Bäume vom Straßenrand eignen sich nicht als Möbelholz“, sagt Bernhard Heuter.

Das sind dann eher Bäume, die im Revier des Försters Wolfgang von der Heiden, geschlagen werden. Er ist der Herr über 2200 Hektar Wald zwischen Heinsberg, Gangelt, Geilenkirchen, Selfkant, Übach-Palenberg und Waldfeucht, und da wachsen auch Eschen, Kirschen und Roteichen, die für die Möbelindustrie interessant sind. Nur wenige davon werden im Jahr geschlagen, und niemals mehr, als gepflanzt werden. Nachhaltige Waldwirtschaft nennt sich das. Die „Sahnestückchen“ werden einmal im Jahr im Winter zur Wertholzsubmission nach Bonn gebracht. Manchmal sind es zehn Stämme, manchmal aber auch nur einer.

Kriegsveteranen

Bevor die Stämme allerdings auf die große Fahrt geschickt werden, muss Wolfgang von der Heiden sie mit einem Metalldetektor abtasten, denn viele der hölzernen Waldbewohner sind Kriegsveteranen: In ihnen stecken noch Granatsplitter aus dem zweiten Weltkrieg.

Und wenn sie dann dem kritischen Auge des Bieters, der im Auftrag von Furnierherstellern, Sägewerken und Holzhandel unterwegs ist, gefallen, können die Stämme schon einmal einen ordentlichen Gewinn einbringen. Eichen erzielten in diesem Jahr einen Durchschnittspreis von 461 Euro pro Festmeter. Das Höchstgebot für einen Eichenstamm belief sich sogar auf 1284 Euro pro Festmeter.

Was genau aus dem Holz geworden ist, das er in diesem Jahr nach Bonn-Röttgen gefahren hat, weiß Förster von der Heiden nicht. Vermutlich Furniere. Wo man die kaufen kann? Schwierig. Unter den Käufern sind Firmen aus dem In- und Ausland.

Auch die Spur der Bäume, die an Sägewerke in der Region, wie zum Beispiel das Sägewerk Eigelshoven in Würselen, verkauft werden, verwischt sich. Wer dort direkt einen Balken für seinen Bau ersteht, hat mit Glück einen Kreis Heinsberger Baum dabei. Aber wenn Spanplatten daraus produziert werden, werden Stämme unterschiedlicher Herkunft gemischt.

„Wir versuchen, das Holz regional zu vermarkten“, sagt Konrad Hecker, Leiter des Regionalforstamtes Rureifel-Jülicher-Börde, zu dem der Kreis Heinsberg gehört. Das ist Teil des Nachhaltigkeitsprinzips.

Toilettenpapier, Parkett, Paletten, Bauholz, Brennholz, die Einsatzmöglichkeiten des Rohstoffes sind mannigfaltig. Förster van der Heiden hat einen festen Kundenstamm, der sich im Wald das Holz selbst zurechtsägt. In milden Wintern läuft das Geschäft aber schlecht. Für die Stadt Heinsberg lohnt sich der Verkauf von Brennholz an Privatleute gar nicht. „Unwirtschaftlich“, sagt Bauhofleiter Heuter.

Für die Kommune ist das Holzgeschäft ein Nullsummenspiel, sagt er. So viel Geld, wie er durch den Verkauf von Holz einnimmt, gibt er auf der anderen Seite auch wieder für Pflege, Neuanpflanzungen aus. Das K5-Holz wurde weder zu Lese- noch zu Brennstoff, und sitzen kann man auf ihm auch nicht mehr. Es wurde in einem Hächsler, in dem Stämme bis zu einem Durchmesser von 60 Zentimetern Platz haben, zu fingergroßen Stücken verarbeitet. Der Mulch findet sich jetzt auf einer der Grünanlagen der Stadt wieder.

Weite Reise

Das Material, das Heuter nicht verwenden kann, verkauft die Stadt auch an Heizkraftwerke. Sogar der Boden eines Elefantengeheges eines niederländischen Zoos wurde schon einmal mit Heinsberger Rindenmulch ausgelegt, sagt er. Und die weiteste Reise, die ein Baum aus der Region gemacht hat, ging nach China. Es war eine Pappel. Beziehungsweise mehrere. Und was machen die chinesischen Holzwerkstätten aus den deutschen Pappeln? „Essstäbchen“, sagt Förster von der Heiden.

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