Kreis Heinsberg - Es wird früher gewarnt, gerettet, gelöscht: Bilanz zur Rauchmelderpflicht

Es wird früher gewarnt, gerettet, gelöscht: Bilanz zur Rauchmelderpflicht

Von: Kristina Toussaint
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Die größte Gefahr droht in der Nacht: Wie hier bei einem Brand in Hückelhoven-Kleingladbach im vergangenen Jahr fährt die Feuerwehr besonders viele Einsätze in den Nachtstunden. Im Schlaf nimmt die menschliche Nase den Rauchgeruch nicht wahr. Foto: Uwe Heldens, Kristina Toussaint
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Richtig verhalten, wenn‘s brennt: Anhand des „Rauchdemohauses“ zeigt die Feuerwehr Heinsberg, wie man sich durch Türenschließen vor dem Rauch schützen kann und wann Rauchmelder anschlagen.

Kreis Heinsberg. „Rauchmelder retten Leben“ – neben Herstellern und Dienstleistern stehen auch die Dachverbände der Feuerwehr, des Brandschutzes, der Versicherungswirtschaft und des Schornsteinfegerhandwerks hinter der mit dem griffigen Slogan betitelten Initiative. Seit 2013 sind Heimrauchmelder in NRW in Neubauten verpflichtend anzubringen, seit Ende 2016 gilt die Pflicht für sämtliche Gebäude.

Nach einem Jahr mit flächendeckender Rauchmelderausstattung zieht die Feuerwehr Heinsberg eine positive Bilanz: Von 424 gefahrenen Einsätzen, zu denen die Brandbekämpfer 2017 ausgerückt sind, war der Alarm in zehn Fällen nachweislich durch einen Rauchmelder ausgelöst worden. Nur zwei dieser Alarmierungen entpuppten sich als Fehlalarm.

Als die Alarmgeräte vor einigen Jahren eingeführt wurden, sei das noch anders gewesen, sagt Ralf Wählen, Wehrleiter der Heinsberger Feuerwehr. Inzwischen haben sich die Bewohner aber an die Geräte gewöhnt und der Alarm funktioniere relativ zuverlässig. „Für uns ist sichtbar, dass wir zu einem viel früheren Zeitpunkt am Brandort sind. Oft kommen wir an, wenn von außen noch nichts zu sehen ist“, betont Wählen die positiven Auswirkungen der Heimrauchmelder. So ließe sich der Brandherd im Idealfall schnell ersticken und das Ausbrennen der ganzen Wohnung verhindern.

Besonders kritisch sind die Nachtstunden: zwei Drittel der rund 30 Menschen, die in Deutschland jährlich nach einem Brand sterben, werden im Schlaf überrascht. Ohne Rauchmelder wird die gefährliche Rauchentwicklung dann erst spät bemerkt. Wenn eine Rettung noch möglich ist, hat sich das Feuer dann meist schon so weit ausgebreitet, dass das Hausinnere nur noch durch ein Fenster oder über das Dach erreichbar ist. „Die frühe Warnung durch den Rauchmelder ermöglicht dagegen oft, die Wohnung noch auf dem gewohnten Weg zu verlassen“, erklärt Wählen.

Nicht knausern

Für eine Familie mit zwei kleinen Kindern sei ein Brand im vergangenen Jahr so noch glimpflich ausgegangen. Wer aber nicht mehr über das Treppenhaus hinaus kommt, sollte sich gut sichtbar am Fenster positionieren – wenn die Feuerwehr Heinsberg alarmiert wird, rücken neun Feuerwehrleute mit einem Löschfahrzeug inklusive Drehleiter aus.

Rauchmelder-Alarm wird in den Feuerwachen häufig von Nachbarn oder Passanten gemeldet. Dabei entstehen auch Fehlalarme, zum Beispiel, wenn die Bewohner länger im Urlaub sind, die Batterie leer ist und das intensiver werdende Warnsignal als Rauchalarm gedeutet wird.

Die Feuerwehr Hückelhoven fand nur bei zwei von zwölf Einsätzen, die wegen eines piependen Rauchmelders gefahren wurden, tatsächlich einen Brand vor. In Wegberg rückte die Feuerwehr fünf Mal vergebens aus, zwei Mal war angebranntes Essen beziehungsweise ein elektrischer Defekt Grund für den Alarm.

In Erkelenz lag bei keinem einzigen der elf Einsätze, zu denen die Feuerwehr aufgrund eines Rauchmelderalarms ausrückte, tatsächlich eine Gefahrenlage vor. Dennoch – wer einen Alarm in der Nachbarwohnung hört, Brandsignale sieht oder riecht, sollte sich nie scheuen, die Feuerwehr zu alarmieren, appelliert Helmut Jentgens, Hauptbrandmeister in Hückelhoven. „Wir fahren lieber einmal mehr raus als einmal zu wenig“, bestätigt auch Dietmar Gisbertz, Stadtbrandmeister von Wegberg.

Jentgens empfiehlt, bei der Anschaffung lieber ein paar Euro mehr auszugeben und einen Rauchmelder mit fest verbauter Batterie zu kaufen, die mindestens zehn Jahre hält. Bei den günstigen Geräten mit Neun-Volt-Batterie muss diese nach spätestens zwei Jahren ausgetauscht werden.

Gewartet werden sollte aber jeder Heimrauchmelder. Ralf Wählen empfiehlt, etwa einmal im Monat den Prüfknopf zu drücken. Die verpflichtende Ausstattung mit Rauchmeldern hält er für sinnvoll: „Wenn so nur ein Menschenleben mehr gerettet wird, hat es sich schon gelohnt.“

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