Erzieher in der Kita hoffen auf mehr Geld

Von: Anna Petra Thomas
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Mike Meurer als Praktikant sowie Marc Zaeske und Engin Kandemir als Erzieher (von links) sind bei den Kindern im Familienzentrum St. Johannes der Täufer ebenso beliebt wie ihre Kolleginnen. Foto: Anna Petra Thomas

Hückelhoven Ratheim. Derzeit machen Männer als Erzieher in den Kindertagesstätten Nordrhein-Westfalens gerade mal rund drei Prozent des pädagogischen Personals aus. So lautet die aktuelle Zahl aus dem NRW-Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport. Das sieht im Familienzen-trum St. Johannes der Täufer in Ratheim ganz anders aus.

Hier gehören mittlerweile schon zwei Männer zum Team aus 14 pädagogischen Fachkräften, macht genau gerechnet sagenhafte 14 Prozent. Mehr noch wird diese Kita bis zum Jahresende gleich sechs männliche Praktikanten beschäftigt haben, die sich für den Beruf des Erziehers interessieren.

Ursprung liegt in 2009

Großen Anteil an dieser Situation hat, so sieht es auch Leiterin Gaby Sofka, Erzieher Engin Kandemir, der bereits seit 2009 in der Kita tätig ist. Seit er in der Einrichtung arbeite, würden sich mehr und mehr junge Männer melden, die sich für den Beruf interessierten. So kam 2013 auch Marc Zaeske aus Wegberg als zweiter Mann ins Team des Familienzentrums. Dritter im Bunde ist aktuell Praktikant Marc Meurer aus Ratheim.

„Ich wollte grundsätzlich was machen, was Menschen hilft“, erklärt Kandemir die Grundlage zu seinem Berufswunsch. „Und bei Beruf kann man ja auch an Berufung denken“, sagt er. „Ihre Freude, ihre Unbekümmertheit“ waren für Marc Zaeske der Grund, sich für die Arbeit mit kleinen Kindern zu entscheiden. „Sie haben das ganze Leben noch vor sich. Kinder sind einfach ehrlich.“

Während bei Kandemir und Zaeske das eigene familiäre Umfeld die Entscheidung für diesen Beruf unterstützte, sieht das bei Praktikant Meurer ganz anders aus, zumal er nicht geradlinig auf dieses Ziel zusteuerte, sondern zunächst einen ganz anderen Weg ging. Nach seinem Fachabitur startete er zunächst in eine Ausbildung zum Fachinformatiker. „Doch dann habe ich gemerkt, dass mir der Kundenkontakt gefiel, der Rest aber nicht so ganz meins war.“ Im Familienzentrum arbeitet er jetzt sehr gerne und ist sich sicher, den richtigen Beruf gefunden zu haben.

„Die Männer bei uns sind keine ‚exotischen Pflanzen im Garten der Frauen‘ mehr“, lacht Gaby Sofka beim Blick auf einen bereits erschienen Zeitungsartikel zum Thema. Nein, hier sind sie voll integriert in ein pädagogisches Team aus Männern und Frauen. Die Einrichtungsleiterin sieht in der Beschäftigung von Erziehern eine Bereicherung für alle an der Situation Beteiligten, für das Team, aber auch für die Kinder und für ihre Eltern. „Sowohl von Seiten der Kinder als auch der Fachkräfte werden hierdurch Mauern und Klischees oder Rollenvorstellungen aufgelöst“, sagt sie.

Vorteile in der täglichen Arbeit ergäben sich zum Beispiel dadurch, dass die Angebote erweitert werden könnten. Es gebe nicht nur die tänzerische Bewegung zu schöner Musik. „Ringen und raufen“, so beschreibt es Zaeske, gehörten da auch schon einmal zu den Bewegungsangeboten der Kita. „Zudem ist zu sehen, dass nicht nur Jungen sich über männliche Fachkräfte freuen, sondern auch Mädchen sich den Männern in der Kita zuwenden und ihre Belange mit ihnen teilen“, erklärt Sofka. Ihre männlichen Kollegen könnten genauso pflegen, trösten und Fürsorglichkeit zeigen wie ihre Kolleginnen, sie würden in der Kita quasi die Vaterfunktion übernehmen. Und das sei sehr wichtig, hätten die Kinder doch auch zu Hause sehr oft nur die Mutter um sich, während der Vater noch arbeite. Umgekehrt würden sich Väter, wenn sie einmal in der Kita seien, im Gegenüber mit einem Erzieher mehr öffnen und sich mitteilen, so Zaeskes eigene Erfahrung.

Sehr würde sich die Einrichtungsleiterin wünschen, dass ihr Beruf das alte Rollenklischee schnell verlieren und sich damit auch sein gesellschaftliches Ansehen steigern würde. „Der Wert von Bildung und Erziehung ist nämlich nicht durch eine beständige Geschlechterordnung aufzuwiegen.“ Es gehe immerhin um die Zukunft der Kinder von heute.

Das sieht man im Ministerium genauso. „Wenn dauerhaft qualifiziertes Personal in der Kindertagesbetreuung arbeiten soll, muss insbesondere die Anerkennung und Wertschätzung der Erziehungsberufe auch für die jüngsten Kinder nachhaltig verbessert werden“, erklärt Jana Maroski aus dem Pressereferat. Bereits 2010 habe die Landesregierung begonnen, die Rahmenbedingungen zu verbessern. „Grundsätzlich ist es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, den Männeranteil im Bereich der frühen Bildung zu verbessern“, sagt sie. Dies erfordere die Anstrengung aller Akteure aus Politik, Wissenschaft, Praxis und Gesellschaft.

Allerdings müsse sich dann auch an der Gehaltssituation noch etwas ändern. Er wolle eine Familie gründen, vielleicht für sie ein eigenes Haus haben, erzählt Zaeske. Mit seiner aktuellen Entlohnung sieht er jedoch dafür keine Chance der Realisierung.

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