Erste weibliche Offizierin bei den St.-Martini-Schützen

Von: anna
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Ganz schön aufgeregt war Laura Schmitz bei ihrem ersten Auftritt als Offizierin im Kirmesumzug im September 2016. Foto: Anna Petra Thomas
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Bereits im Jahr 2015 war Anna Schmitz Schützenkönigin an der Seite von Sebastian Schreinemachers. Foto: Anna Petra Thomas

Heinsberg-Schafhausen. Laura Schmitz aus Schafhausen ist eine der ersten ihrer Art. In der Bruderschaft ist die 18-jährige Lehramtsstudentin aktiv, seit sie elf Jahre alt ist. Nun schickt sich die junge Dame an, eine weitere bisherige Männerdomäne in der Schützentradition aufzubrechen: Sie ist seit dem vergangenen Sommer der erste weibliche Offizier der St.-Martini-Schützenbruderschaft Schafhausen.

Die Uniform oder eine andere, aber ebenfalls einheitliche, traditionsbewusste Bekleidung prägt schon seit geraumer Zeit nicht mehr nur die Männer-, sondern auch die Frauengruppen in Umzügen und bei den Feiern historischer Schützengruppierungen. Auch das Schützensilber hat das weibliche Geschlecht in nicht wenigen Bruderschaften der Region längst erobert.

Obwohl diese Funktion für eine Frau in der Bruderschaft für die hiesige Region ein Novum ist, war der Weg dorthin für die junge Lehramtsstudentin quasi vorgezeichnet. Ihr Großvater war schon in der Bruderschaft aktiv, ihre Mutter Claudia im Jahe 1991 schon Schützenkönigin. „Wir sind eben eine Schützenfamilie“, sagt Laura Schmitz, „und sehr dorfverbunden“, fügt sie hinzu.

Kein Wunder, dass sie da, wann immer möglich, Wochenenden und Semesterferien nicht in Wuppertal verbringt, wo sie ein Studium fürs Lehramt an Grundschulen absolviert, sondern in ihrem Heimatort Schafhausen. Hier engagiert sie sich in ihrer Freizeit nicht nur in der Bruderschaft. Auch in der Pfarrei St. Theresia ist sie aktiv, als Messdienerin, Lektorin und im Kirchenchor. In einer großen Stadt sei ihr alles zu unpersönlich, sagt sie. „Da kann man so schlecht atmen.“

2010 beteiligte sich Laura Schmitz schon als damals Elfjährige am Schießwettbewerb mit dem Kleinkalibergewehr um die Würde der Schülerprinzessin ihrer Bruderschaft. „Aber ich hatte kein Glück und der Vogel fiel nicht“, erinnert sie sich. 2013 dann war sie endlich erfolgreich und sicherte sich danach auch noch die Würde der stellvertretenden Bezirksschülerprinzessin im Bezirksverband Heinsberg des Bundes der Historischen Deutschen Schützenbruderschaften (BDHS). Über die Schießgruppe kam sie in den Vorstand und wurde 2013 Beisitzerin der Schützenjugend. 2014 repräsentierte sie die Bruderschaft als Prinzessin, und im Jahr 2015 begleitete sie Schützenkönig Sebastian Schreinemachers in festlicher Robe bei allen Umzügen und Feierlichkeiten.

Als dann im vergangenen Jahr einige ältere Mitglieder ihre aktive Mitgliedschaft als Offiziere beendet hatten, sei im Vorstand diskutiert worden, für diese Positionen Mitglieder zu werben, erzählt Laura Schmitz. „Offizier wird man in unserer Bruderschaft jedoch nicht einfach so. Das muss man sich regelrecht erarbeitet haben.“ Gefallen hätte ihr das schon, doch selbst habe sie sich damals nicht ins Spiel gebracht, sagt sie. Gefreut habe sie sich jedoch sehr, als sie vorgeschlagen worden sei.

Noch mehr habe sie geschätzt, dass das anstehende Novum mit einer Frau als Offizierin in der Bruderschaft sehr offen diskutiert worden sei. Sogar eine Anfrage beim BDHS habe es gegeben, erinnert sie sich. Dort habe ihre Bruderschaft die Antwort erhalten, dass eine Offizierin kein Problem sei, wenn die Bruderschaft sowieso schon Frauen in ihren Reihen habe.

Dann stand der Offizierin Laura Schmitz also nichts mehr im Wege. Sie wurde von der Bruderschaft eingekleidet mit einer ganz neuen Uniform. Darauf glänzt das Silberne Verdienstkreuz des BDHS, mit dem Laura Schmitz inzwischen bereits ausgezeichnet worden ist. Alex Hendriks brachte ihr die richtigen Schritte bei. „Der Stechschritt bei der Parade ist nicht das Problem“, schmunzelt Laura Schmitz. Eher habe sie immer die Sorge, dass ihr der große Hut herunterfalle. Doch ihre erste Kirmes im September 2016 meisterte sie schon mit Bravour, ebenso den großen Zapfenstreich anlässlich des 800-jährigen Bestehens ihres Heimatortes im April dieses Jahres.

Einige Zuschauer seien schon noch überrascht, eine Frau in einer Offiziersuniform zu sehen, sagt sie. „Da wird sicher hinter meinem Rücken hier und da auch noch getuschelt“, erklärt sie, fügt jedoch selbstbewusst hinzu: „Aber ich bin froh, dass unsere Bruderschaft so modern ist.“

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