Erstaunlicher Reichtum an Facetten

Von: hewi
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Die in Gangelt beheimatete Künstlerin Katia Inkiova-Kersten stellt im Millicher Künstlertreff „Eesdron“ aus. Darunter auch das Motiv „Warten auf die Wahl des neuen Papstes“. Foto: Koenigs

Hückelhoven-Millich. Die aus Gangelt stammende Katia Inkiova-Kersten stellt in der Galerie Eesdron neue Arbeiten aus. Die gebürtige Bulgarin widmet sich vor allem aktuellen Themen, die man aus den Medien kennt. Sie eröffnet durch ihre künstlerische Herangehensweise neue und durchaus kritische Perspektiven.

Die gelernte Bühnenbildnerin präsentiert unter dem Titel „Auf den Spuren des Lebens“ ihre künstlerischen Kommentare zu den Themen, die bewegen. Zum Beispiel in dem Bild „Ende der Loveparade 2010“, bei dem sie die Opfer der Massenpanik in Duisburg anhand ihrer Schuhabdrücke dargestellt hat. Wie ein Blick auf den Boden des Unglücksortes wirkt das Bild, vor dem mit Rosenblättern Herzen angeordnet sind. Symbole stellvertretend für das Dargestellte beherrschen ihr Werk.

Auf dem Bild zur „Ägyptischen Revolution“ sind nur die Schuhe abgebildet, mit denen die Demonstranten ihre Verachtung für das alte Regime zum Ausdruck brachten. Ein Bilderzyklus mit Namen „Facebook“ lässt noch einmal auferstehen, worüber man sich in den vergangenen Jahren im sozialen Netzwerk Facebook aufgeregt hat: Thessas unvorsichtig gepostete Einladung zur Geburtstagsparty, die dazu führte, dass vor ihrem Elternhaus Tausende auf Einlass warteten und randalierten.

Kritischer Kommentar

Oder der Fall des Doktors zu Guttenberg, der keiner war – und immer wieder die Revolutionen und Protestbewegungen, die sich über Facebook organisieren. In ihrer Ansprache betonte die Künstlerkollegin Eva-Stefanie Moosburger-Dalz, dass Inkiova-Kersten eine „verwunderliche Person“ sei, deren Facettenreichtum auch künstlerische Weggefährten erstaune.

So sei ihre „avantgardistische Entwicklung“ hin zum kritischen Kommentar in Form von Kunst quasi unter den Augen der Kollegen im Rahmen eines gemeinsamen Ausstellungsprojektes vonstatten gegangen. Aus der künstlerischen Beschäftigung mit der Burka, dem verhüllenden Kleidungsstück muslimischer Frauen in besonders religiösen Ländern, war ein Statement geworden, das sich am Objekt, als Bild und in Form von Fotografien niederschlägt.

Die Künstlerin selbst betonte, sie habe sich erschrocken, als sie feststellen musste, dass die Trägerin einer Burka durch den Stoff des Kleidungsstückes mehr sehe als durch das Gitterfeld vor dem Gesicht. Die Arbeiten sind immer Kommentare, wie die drei Bilder „Femen“, die die nackten Aktivistinnen darstellen, die immer wieder durch ihre spektakulären Auftritte das Medieninteresse auf bestimmte Themen lenken. Ganz aktuell: auf Kyrillisch stehen die Worte „Freiheit für die Ukraine“ auf den Bildern der nackten Aktivistinnen.

Der Fokus liegt dabei oftmals auf wiedererkennbaren Details wie der Abdeckung eines der berühmtesten Schornsteine der Welt, aus dem weißer Rauch steigt. Titel des Bildes: „Warten auf die Wahl des neuen Papstes“. Das Bild ist umgeben von zwölf roten Quadraten, die die Kardinäle darstellen, die den Papst wählen. Auch ohne besonders religiös zu sein weiß jeder Betrachter schnell, wo er das Bild einzuordnen hat. Und so wird der Besuch der Ausstellung auch zu einer Reise durch die Ikonografie der Neuzeit.

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