Erkelenzer startete mit dem Fahrrad zum Mount Everest

Von: Ingo Kalauz
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Von Deutschland aus über Jugoslawien, Griechenland, die Türkei bis nach Indien und über Moskau wieder zurück nach Hause: die Reiseroute mit Stationen auf dem langen Weg (großes Bild). Willi Frank ist heute in Golkrath sesshaft geworden. Im Laufe seines Lebens war er auch beruflich viel unterwegs. Fotos/Repros: kalauz
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Der Erkelenzer Willi Frank hat ein Buch veröffentlicht.

Erkelenz-Golkrath. Es gibt Dinge im Leben, die macht man nur einmal. Und man vergisst sie nie. Sie begleiten dich ein Leben lang. Sie schlummern in dir. Und irgendwann treten sie so stark wieder hervor, dass du darauf eine Antwort geben musst.

Willi Frank sagt das. Der heute im Erkelenzer Ortsteil Golkrath sesshaft gewordene Frank war 1972 mit dem Fahrrad zu einer zehn Monate andauernden Reise aufgebrochen, die ihn von Deutschland aus über 8000 Kilometer nach Indien führte, in deren Verlauf er sechs Wochen zu Fuß durch Nepal marschierte, anschließend mit allen möglichen Verkehrsmitteln 15.000 Kilometer durch Asien reiste und über Moskau wieder nach Hause nach Deutschland flog. Jetzt hat er sich hingesetzt und das, was er im Verlauf dieser 300 Tage erlebt hat, aufgeschrieben. „Ich war schon da“ nennt er das Buch, das so entstanden ist. Es ist seine Antwort auf Dinge in seinem Leben, die er nie vergessen hat.

„Es ist eine unerklärliche Sehnsucht, die wohl jeder Mensch in sich trägt“, antwortet er auf die Frage, was ihn um alles in der Welt angetrieben hat, auf zwei Rädern, nur mit dem Nötigsten bepackt, mutterseelenallein ein solches Wagnis einzugehen. „Viele, die ich in meinem Leben kennengelernt habe, finden nicht den Mut oder haben nicht die Gelegenheit, diese Sehnsucht zu stillen“. Für Willi Frank war 1972, als er 32 Jahre alt war, „die Zeit gekommen“, wie er sich ausdrückt, „allen Mut zusammenzufassen und das zu tun, was ich schon lange mit mir getragen hatte“.

Er hatte gerade sein Studium zum Techniker abgeschlossen, lebte noch ungebunden in München, wo er für das Bergsteigen, nach dem Radfahren seine zweite Leidenschaft, ideale Voraussetzungen fand, als die Idee in ihm reifte: „Warum nicht beides miteinander verbinden und mit dem Rad nach Nepal zum höchsten Berg der Erde, zum Mount Everest, fahren?“ Willi Frank ging die Sache zielstrebig an: Er nahm sich beruflich eine Auszeit, besuchte zwei Monate lang in London eine Sprachschule, um sein Englisch für die Reise auf den Stand zu bringen, verschlang Reiseberichte, kaufte sich ein Sportrad mit einer 18-Gang-Kettenschaltung („Das beste Material, das es 1972 für meinen Geldbeutel gab“), ließ sich zwei Satteltaschen für das nötigste Gepäck anfertigen, besorgte sich Traveller-Schecks und sagte am 5. August 1972 seinen Lieben: „Ich bin dann mal weg.“

Da er möglichst schnell einen Abstand zwischen sich und die Heimat bringen will, lässt er sich das erste Teilstück der langen Reise mit dem Zug ins damalige Jugoslawien fahren. Von dort geht es dann auf dem Rad weiter über Griechenland in die Türkei, von dort nach Afghanistan und Pakistan nach Indien.

In Nepal steigt Willi Frank 20 Tage lang als Trekker auf der Route, die auch Sir Edmund Hillary bei der Erstbesteigung gegangen war, mit Sherpa, Koch und zwei Trägern von Kathmandu aus auf das Everest-Basislager in 5500 Meter Höhe. „Das ganze Unternehmen hat mich 15 Dollar pro Tag gekostet, insgesamt habe ich 310 Dollar im Voraus bezahlt“, erinnert er sich. „Es war Heilig Abend, das Fest des Friedens, und so fühlte ich mich auch. An diesem Abend vor dem Aufbruch war ich allein auf meinem Hotelzimmer, öffnete eine Flasche Rotwein, dachte an die Familie und Freunde und genoss die Ruhe. Ich war an diesem Tag rundum zufrieden.“

Vom höchsten Berg der Erde führt ihn seine Reise weiter nach Pokkhara ins Annapurnagebiet, ehe er mit verschiedenen Verkehrsmitteln durch Indien nach Ceylon, von dort nach Thailand, Malaysia, Indonesien, Sumatra, Java, Bali nach Singapur fährt, von dort aus fliegt er am 24. Mai nach Moskau. Am 26. Mai landet er wieder in heimatlichen Gefilden in Frankfurt. „Ich habe insgesamt rund 38.000 Kilometer zurückgelegt“, sagt Willi Frank. Und die Reisekosten? „Insgesamt etwa 7000 D-Mark.“

Was sich nicht in Mark und Euro aufrechnen lässt, sind die vielen Begegnungen, die er machen konnte; die Gastfreundschaft, die ihm auch in den muslimischen Ländern entgegengebracht wurde; die verschiedenen, teils uralten Kulturen, deren Zeugnisse, wie zum Beispiel das Taj Mahal, er bestaunte oder die, wie die Buddha-Statuen von Banyan, inzwischen vom so genannten Islamischen Staat (IS) zerstört wurden; die Erfahrungen, die er in diesen 300 Tagen gemacht hat und die sein weiteres Leben entscheidend geprägt haben. Von diesen vielfältigen Eindrücken berichtet er in seinem Buch sehr anschaulich in lockerem, gleichwohl informativem Erzählton.

Und wenn heute aus aktuellem Anlass wieder einmal die Rede von Nepal oder Pakistan oder anderen Teilen Asiens ist, dann kann Willi Frank sagen: „Ich war schon da“. Mit dem Fahrrad.

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