„Erkelenzer Leseburg“ macht Lust auf mehr Lesestoff

Von: red
Letzte Aktualisierung:
9368651.jpg
Sie lasen alles außer Krimis: Jörg Grätz von den Freunden der Burg, Audio Produzent René Wagner und die Autoren Helmut Wichlatz und Kurt Lehmkuhl konnten sich bei der Veranstaltung „3. Erkelenzer Leseburg“ über guten Besuch von Lesefreunden freuen. Foto: Koenigs

Erkelenz. Bei der dritten Leseburg ging es um „alles außer Krimi“, so der Titel der Veranstaltung in der Erkelenzer Burg. Die Autoren und Journalisten Kurt Lehmkuhl und Helmut Wichlatz stellten sechs Bücher am Kamin vor, über die man derzeit redet oder in Kürze reden wird.

Passend dazu las der Audioproduzent René Wagner jeweils ausgewählte Passagen aus den Büchern vor. Den Auftakt machte Lehmkuhl mit dem Enthüllungsbuch des ehemaligen Radsportlers Tyler Hamilton. In „Die Radsport-Mafia“ gewährt er Einblicke in die Doping-Praxis im Radrennsport und scheut sich auch nicht, sich selbst als Täter zu benennen, der aus Ehrgeiz zum verbotenen Mittel griff. Obwohl ja Krimis nicht auf dem Programm standen, waren die Enthüllungen Hamiltons spannend wie ein von einem Autor ersonnenes Verbrechen.

Selbstfindung mit Längen

Lehmkuhls Kollege Wichlatz stellte dann den Weltbestseller „Der große Trip“ von Cheryl Strayed vor, der gerade als Verfilmung mit Rees Witherspoon in die deutschen Kinos gekommen ist. Es sei schwer, wenn die Protagonistin des Romans, den man gerade liest, auf einmal das Gesicht eines Hollywood-Stars habe, betonte Wichlatz. In der Geschichte beschreibt die Autorin Strayed ihre Selbstfindung durch den Pacific Crest Trail, einem US-amerikanischen Pendant zum Jakobsweg. Der Trail führt über 4000 Kilometer von Kalifornien bis Kanada und ist Schauplatz der Erzählung. Die jedoch, so betonte Wichlatz, habe ihre Längen.

In Udo Ulfkottes „Gekaufte Journalisten“ ging es um die vermeintliche „Lügenpresse“ und die Korrumpierbarkeit bestimmter Journalisten. Ulkotte selbst gibt sich als geläuterter Sünder und plaudert in dem vielbeachteten Buch aus dem Nähkästchen, und so erfährt der Leser von geschenkten Golduhren oder großzügigen Spesenrechnungen in Gegenleistung für gefällige Berichterstattung. Wer es vorher noch nicht wusste, wusste es dann. Lehmkuhl wies auch auf den Nachhall des Buches hin und dass „Lügenpresse“ es auch zum Unwort 2014 geschafft habe. Er selbst skizzierte Ulkottes Buch als „späten Rechtfertigungsversuch von jemandem, der erwischt worden ist“.

Nach so viel Realismus ging es mit Neil Gaimans „Der Ozean am Ende der Straße“ hinein in eine fantastische Geschichte, in der Realität und kindliche Fantasie ebenso kollidieren wie Gut und Böse. Gaiman berichtet rückblickend durch die Augen eines Siebenjährigen, in dessen Leben alles drunter und drüber geht. Über weite Strecken sei es ein anstrengendes Buch, betonte Wichlatz, aber nichtsdestotrotz „ausgezeichnet und handwerklich perfekt erzählt“.

Das galt auch für den „Buchladen zum Verlieben“ der schwedischen Autorin Katarina Bivald. Darin geht es um eine junge Frau, die sich fragt, ob Bücher oder Menschen im Leben wichtiger seien. Die Antwort entdeckt sie, als sie ihre Brieffreundin Amy im fernen Iowa besucht und bei der Ankunft feststellen muss, dass diese zwischenzeitlich verstorben ist.

Auch hier verstand es Wagner gut, in dem von ihm vorgestellten Auszug aus dem Buch Spannung und Lust auf mehr zu erzeugen, ohne die sprichwörtliche Katze aus dem Sack zu lassen. So erhielt das Publikum neben vielen interessanten Lesetipps auch kleine Appetithäppchen, die das Kopfkino in Gang setzen konnten. Mit Andrea Ring und ihrem Roman „Parkour“ fand „Bücher am Kamin“ seinen Abschluss, der zugleich auch ein Ausblick auf die nächste Leseburg im März ist. Ihr Roman „Parkour“ gilt nicht nur für ein junges Lesepublikum als große Entdeckung. In schneller und klarer Sprache entwickelt sie die Geschichte eines Jungen, der die Extremsportart Parcours als Ventil und Stütze in Krisenzeiten nutzt. Seine Mutter ist seit Jahren verschwunden, der Vater liegt im Koma. Auf der Suche nach der Wahrheit und einem Ausweg geht er den direkten Weg – und das gibt Ärger.

Nächste Leseburg am 27. März

Für die Freunde der Burg betonte Mitorganisator Jörg Grätz, dass die Veranstaltungsreihe „Leseburg“ dazu beiträgt, das kulturelle Angebot auf der Erkelenzer Burg abzurunden. „Der Erlös aus Eintritt und Getränken wird natürlich für einen guten Zweck gestiftet“, hob er hervor. Wie bei den beiden vorherigen Veranstaltungen geht der Erlös an die Freunde der Burg für das geplante Schutzdach auf dem Turm. Die nächste Leseburg findet am 27. März statt.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert